AIG richtet weiteres Blutbad an den Finanzmärkte an und darf doch nicht sterben

Es ist ein Trauerspiel, was sich in den USA abspielt. Vor einer Woche hat die Citigroup bzw. die Diskussion um ihre Verstaatlichung die Börsenkurse nach unten gehämmert, heute ist es der Milliardenverlust der American International Group.  An diesem Beispiel ist wieder einmal gut die in Gang gesetzte Abwärtsspirale erkennbar. Der historisch höchste Verlust eines US-Unternehmens ist vermutlich auf Abwertungen von Risikopositionen und Rückstellungen für Kreditversicherungen, den Credit Default Swaps, zurückzuführen. AIG war einst (und ist vielleicht immer noch) einer der größten Stillhalter dieser Instrumente, mit denen andere Banken Kreditrisiken versichern lassen können. In diesen Zeiten, in denen die Risikoprämien verrückt spielen und in der letzten Woche neue Rekordhöhen erreicht haben, muss AIG entsprechende Rückstellungen bilanzieren, die zu den hohen Verlusten führen.

Mit diesen Verlusten gerät AIG nun in die Gefahr einer weiteren Abwertung durch die Rating-Agenturen, wie die New York Times schreibt. Diese Abwertung wiederum führt dazu, dass AIG für eigene Verbindlichkeiten neue bzw. zusätzliche Sicherheiten leisten muss oder sogar Cash hinterlegen muss. Fällt AIG aus, würde das eine erneute kaum vorstellbare Schockwelle durch die Märkte senden, weil zusätzlich zu den verlorenen Krediten auch noch der Risikoschutz für viele weitere Kredite weltweit verloren ging. Banken in aller Welt, die ohnehin schon mit hohen Abwertungen zu tun haben, müssten aufgrund der Bilanzierungsvorschriften erneut hohe Abschreibungen vornehmen. Damit würde das Drama, das wir seit September erleben noch einmal vor vorn losten, vermutlich aber noch schlimmere Auswirkungen haben. Mir wird schwindelig, wenn ich mir das jetzt ausmahle und verdränge das mal für diesen Augenblick.

Die US-Regierung hat sich angesichts dieses düsteren Szenarios offensichtlich dazu entschlossen, dem Unternehmen wieder einmal unter die Arme zu greifen. Das frustrierende daran ist, es gibt offensichtlich keine Alternative dazu. AIG darf nicht sterben, aber vielleicht langsam ausbluten.

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Einmaleins der Kreditderivate

Kreditderivate sind das Thema der Stunde oder besser des Monats. Um sie geht es, wenn von toxischen Assets gesprochen wird, die an eine Bad Bank weitergereicht werden sollen. Mehrfach hat der Blick Log über einzelne dieser Finanzinstrumente geschrieben. Vor einigen Tagen habe ich eine interessantes und lesbares Arbeitspapier von Heinz Cremers und Jens Walzner aus dem Jahre 2007 gefunden und möchte daraus einige Ausschnitte präsentieren, um etwas Hintergrund zu vermitteln. Dafür habe ich die Auszüge geringfügig redaktionell angepasst (z.B. Fußnoten entfernt). Quellenangabe und weitere Literaturhinweise am Ende des Beitrags.

Definition Kreditderivate

Finanzderivate, mit denen es möglich ist Kreditrisiken vom Grundgeschäft zu trennen und separat zu handeln, werden … als Kreditderivate bezeichnet. Im Allgemeinen bedeutet dies, dass Kreditderivate es einer Partei (Sicherungsnehmer bzw. Protection Buyer) ermöglichen, das Kreditrisiko aus dem Referenzaktivum gegen Zahlung einer Prämie auf eine andere Partei (Sicherungsgeber bzw. Protection Seller) zu übertragen. Zu beachten ist dabei, dass die zugrunde liegende Forderung aus dem Referenzgeschäft in seiner ursprünglichen Form erhalten bleibt und lediglich eine Art „Versicherung“ für das Kreditrisiko abgeschlossen wird.

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