Neue Enthaltsamkeit bei Konsumenten in den USA?

by Dirk Elsner on 11. August 2008

In den USA macht sich eine neue Enthaltsamkeit breit. Das beobachtet zumindest David Rosenberg, ein bekannter Ökonom von Merrill Lynch, den Tom Petruno in seiner Kolumne in der LA Times zitiert.

Nach Auffassung von Rosenberg ersetzt eine neue Enthaltsamkeit die bisher jahrelang geübte „Leichtsinnigkeit“ im Geldausgeben. So sieht er auch das von der Regierung angeleierte Förderprogramm für private Haushalte verpuffen. Viele Haushalte sparen einfach das durch die Steuerermäßigungen erhaltene Mehreinkommen.

Bestätigt wird dies durch die gemessene Sparneigung. Die traditionell niedrige Sparquote in den USA ist von 0,3 % im ersten Quartal auf  2,6% im zweiten Quartal, dem höchsten Stand seit 6 Jahren, gestiegen ist. Rosenberg glaubt übrigens nicht, dass die USA-Amerikaner ihre Geldbörsen schnell wieder öffnen werden. Selbst dann nicht, wenn die Rohstoff- und insbesondere Benzinpreise weiter sinken.

In den vergangenen Jahren lebten die US-Bürger gern auf Pump. Leicht erhältliche Kredite und stets steigende Immobilienwerte versetzten viele in den Glauben, wohlhabend zu sein. Mit der seit einem Jahr andauernden Kredit- und Immobilienkrise sind allerdings die wesentlichen Pfeiler des amerikanischen Konsumrausches eingeknickt.  Und nicht nur das. Dazu kommt, dass häufig die Altersversorgung aus eigenen Immobilien besteht. Mit dem Platzen der Immobilienblase sehen viele Amerikaner daher ihren Wohlstand im Alter gefährdet. Auch dies ein Grund für die höhere Sparneigung und einem Anhalten der Enthaltsamkeit

Ob es wirklich dazu kommt ist offen. Es gibt auch andere Meinungen, die erwarten, dass es zum Sparen für viele US-Bürger ohnehin zu spät sei und sie deswegen einfach länger arbeiten werden.

Im Ergebnis sind beide Ansätze plausibel. Schließlich geht es in beiden Alternativen darum, die erwarteten künftigen Einkommensströme wieder auf einen Level zu heben, auf dem es sich nach der heftigen Erwartungsrevision durch die Kredit- und Immobilienkrise auch künftig relativ gut leben lässt.

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