Commerzbank vs. Dresdner Bank: Verhalten des Managements

by Dirk Elsner on 1. September 2008

In der Diskussion über Fusionen wird oft über deren betriebswirtschaftliche Gründe nachgedacht, und es werden die volkswirtschaftlichen Vor- und Nachteile erwogen. Zumeist wird ein Aspekt vernachlässigt: die Eigeninteressen des Managements.

Angesichts des Umfangs und der Bedeutung von Großfusionen ist es nicht erstaunlich, dass sich eine breite Öffentlichkeit auch für deren Hintergründe interessiert. Überraschender ist hingegen, dass Berichterstattungen und Kommentare insofern einseitig sind, als sie sich auf betriebs- und gesamtwirtschaftliche Überlegungen beschränken, ohne die Motive der eigentlich Handelnden – der Unternehmensspitze – zu hinterfragen. Die vom Management vorgebrachten Argumente werden von den Medien weitgehend übernommen oder gelegentlich theoretisch untermauert. Dass Manager bei einer Fusion auch eigene, persönliche Ziele verfolgen können, die sich nicht mit jenen des Unternehmens decken müssen, wird selten thematisiert. Es scheint dabei unterstellt zu werden, dass das Management vollständig im Dienst und zum Wohl des Unternehmens oder wenigstens seiner Aktionäre handelt. Dies widerspricht sowohl der Annahme des Eigeninteresses als auch der Lebenserfahrung.

Immerhin ist es der Berichterstattung des Manager Magazins zu Verdanken, dass zur Fusion Dresdner Bank mit der Commerzbank ein paar Verhaltensmomente von Managern ans Licht gebracht wurden. Bemerkenswert ist, dass eine Mehrheit im Vorstand der Dresdner Bank gegen die Fusion gestimmt hat. Hauptgrund waren offenbar fehlende Arbeitsplatzgarantien. Nicht überliefert ist, ob dies für die Mitarbeiter oder nur für die Vorstände galt. Da aber nur Herbert Walter in den Vorstand der Commerzbank wechseln wird, werden die anderen Vorstände sicher auch an ihre eigenen Arbeitsplätze gedacht haben.

Während das Abstimmverhalten des Vorstands nachvollziehbar ist, finde ich die Äußerungen von Herbert Walter auf der Pressekonferenz opportunistisch und peinlich. Zitat Manager Magazin:

„Nur um keinen falschen Eindruck zu erwecken: Es geht nicht darum, vergangenen Tagen nachzuhängen. Aber wenn ein Vorstandvorsitzender einer über 130 Jahre alten Bank auf der Beerdigung seines Hauses nicht mehr zu bieten hat, als sich über die persönliche Aufgabe zu freuen, das eigene Haus unter die Erde zu bringen, ist das definitiv zu wenig.“

Mag sein, dass Herr Walter es selbst glaubt, wenn er auf der Pressekonferenz sagt:

„Die beiden Institute passen hervorragend zusammen. Aus Commerzbank und Dresdner Bank wird eine moderne, starke und kundenorientierte Bank entstehen. In den kommenden Monaten werden wir diese zukunftsfähige Institution mit voller Kraft partnerschaftlich und kollegial gestalten. Dabei werden wir sowohl Ertrags- als auch Kostensynergien im Blick haben.“

Ich halte das für naiv und für Augenwischerei. Es gibt keine partnerschaftliche Fusion. Bei einer Fusion muss einer den Takt vorgeben. Und das ist jetzt die Commerzbank. Auf die Manger und Unternehmensberater warten jetzt Aufgaben, die die Bank nach innen über viele Jahre beschäftigen wird. Hier wollen nicht nur unterschiedliche Unternehmenskulturen zusammengebracht werden sondern auch die Organisationen sinnvoll integriert werden. Dazu müssen IT-Systeme und vor allem Daten konsolidiert und migriert werden. Ein gewaltiges Projekt wartet also auf die Beteiligten.

Spannend dürfte auch sein, ob die Skepsis der Aktionäre bis zur Hauptversammlung anhalten wird. Dort müssen sie der Transaktion schließlich noch zustimmen. Die Börse hat heute jedenfalls ihr Urteil über die Fusion abgeben. Während der DAX selbst nahezu unverändert den Handel beendete, verlor die Aktie der Commerzbank 10,2% an Wert.

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