Deutsche Banken wären massiv von Lehman Insolvenz betroffen, Kreditderivate verteuern sich

by Dirk Elsner on 14. September 2008

Fest stehen dürfte schon jetzt, dass ein Zusammenbruch von Lehman Brothers auch erhebliche Belastungen für den Deutschen Finanzmarkt mitbringen wird. Lehman gehört nämlich zu den größten Clearinghäusern in dem Marktsegment für Kreditderivate. Ich vermute daher, dass Fachleute und leitende Angestellte deutscher Institute bereits am Wochenende in den Banken sitzen und ihre Positionen sondieren.

Ein Zusammenbruch von Lehman hätte tiefe Auswirkungen auf den Markt für Kreditderivate. Eine besondere Gattung dieser Kreditderivate sind die sogenannten Credit Default Swaps (CDS), mit denen sich Kreditgeber gegen sogenannte Kreditereignisse absichern. Ein solches Kreditereignis kann z.B. die verschlechterte Bonität eines Kreditnehmers sein. Tritt ein Kreditereignis ein, dann erhält der Sicherungsnehmer, i. d. R. eine Bank, einen bestimmten festgelegten Betrag vom Sicherungsgeber. Der Sicherungsgeber erhält dafür eine bestimmte Prämie, die in Abhängigkeit vom Risiko kalkuliert wird.

Lehman tritt als Händler solcher CDS auf. Das heißt, das Institut übernimmt nicht die Risiken selbst als Sicherungsgeber sondern tritt als Zwischenhändler auf und sichert sich durch den Weiterverkauf eines übernommenen Risikos bei einem anderen Sicherungsgeber ab. Wird also eine Zahlung aufgrund eines Kreditereignisses fällig, dann zahlt zwar Lehman, erhält aber selbst eine Zahlung, eben weil sie den CDS weiter verkauft hat. Lehman verdient in solchen Fällen an der Marge.

Das Problem liegt nun darin, dass Lehman dennoch für viele Institute der Vertragspartner ist und diese nicht wissen, mit wem Lehman ein entsprechendes Gegengeschäft abgeschlossen hat.

Fällt nun Lehman aus, dann entsteht zunächst eine offene Risikoposition bei den Sicherungsnehmern. Vermeindlich abgesicherte Kredite sind plötzlich nicht mehr abgesichert. Dies führt gem. den Eigenkapitalrichtlinien zu einer höheren Belastung des Eigenkapitals und dürfte damit sofort zu einer Einschränkung der Kreditvergabe führen. Damit wäre dann auch die Realwirtschaft betroffen.

Ein Ausweg aus diesem Dilemma besteht darin, dass die Sicherungsnehmer erfahren, bei wem sich Lehman selbst abgesichert hat. Üblicherweise ist dies nicht bekannt. Derzeit bemühen sich aber in den USA viele Finanzinstitute genau das herauszufinden.

Aber auch wenn das gelingt, was im Prinzip nur eine technische Frage ist, wird sich die Absicherung von Krediten verteuern, weil ein wichtiger Marktteilnehmer ausgefallen ist. Höhere Absicherungskosten verteuern aber die Kreditvergabe bzw. schränken sie sogar ein, womit dann wieder Auswirkungen auf die Realwirtschaft zu befürchten sind.

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