Angst der Banken vor weiteren Verlusten

by Dirk Elsner on 23. Oktober 2008

Machen wir uns nichts vor. Trotz der vereinzelten Äußerungen von Bankern hören wir weiterhin nichts Substantielles von den deutschen Instituten. Mit Blick auf die Marktentwicklung sowohl an den Börsen als auch an den Kreditmärkten wachsen die Befürchtungen, dass längst noch nicht alles ausgestanden ist. Schweigen die Banken deshalb so hartnäckig?

Komplexe Vermögenswerte können Märkte nach unten ziehen

Mehr oder weniger offen wird aktuell befürchtet, dass der Fall einer neuen Kredit-Kaskade droht, also im Prinzip eines Kartenhauses aus weiteren komplexen Papieren in den Depots der Banken. Das Handelsblatt schreibt heute, dass die sogenannten Collateralised Debt Obligations (CDOs) in den vergangenen Tagen nochmals massiv an Wert verloren haben.

CDOs sind kein Betriebssystem, wie der Blog Anorak schreibt. Mit CDOs werden Kredite und Anleihen gebündelt und an institutionelle Investoren verkauft. So werden z.B. Forderungen aus Kreditkarten in diesen CDOs verpackt und weiterverkauft. Und um es noch ein wenig komplizierter zu machen: So genannten „Synthetische Collateralized Debt Obligations“ sind verbriefte Schuldtitel, deren Sicherungspool durch Credit Default Swaps (die Leser dieses Blogs vielleicht schon kennen) erzeugt wird. Wer sich im Detail für die CDOs interessiert, den verweise ich auf unten stehende Literatur.

Hier ist zunächst nur wichtig, dass die CDOs als Vermögensgegenstände von den Banken zu Marktwerten zu bilanzieren sind und damit nicht von den beschlossenen Bilanzentlastungen profitieren. Allgemein wird somit erwartet, dass auf bestehende CDOs erhebliche Abschreibungen vorzunehmen sind, wie z.B. der Blog nakedcapitalism schreibt. So hat eine australische Bank in ihrem 1,7 Mrd.$ umfassenden Portfolio sieben Ausfälle zu verzeichnen, wie im australischen Sydney Morning Herald zu lesen ist.

Ein Grund für die Abschreibungsnotwendigkeiten auf CDOs liegt darin, dass in vielen CDOs wiederum Credit Default Swaps auf das Kreditrisiko von Lehman Brother enthalten. Da Lehman bekanntlich insolvent ist, lösen nun viele Swapverkäufer die Versicherungen ein und verlangen Geld für das „Kreditereignis“ Lehman. Über den Umfang wird noch spekuliert. Der Blog Wirtschaftquerschuss recherchierte vor 14 Tagen, dass es 270 Mrd. Dollar werden könnten.

Was interessiert uns Australien?

Diese Frage ist berechtigt. Mich interessieren nicht die Ausfälle von australischen oder arabischen Banken sondern die in Deutschland. Im Gegensatz zu Australien, wo man offensichtlich aus der Presse erfahren kann wie es der National Australia Bank geht, ist man in Deutschland wieder einmal nur auf Spekulationen angewiesen.

Dabei dürften auch deutsche Institute und sicher auch Landesbanken Collateralised Debt Obligations in erheblichem Umfang in ihrem Portfolio haben. Auf einer Derivatekonferenz der Deutschen Bank im Juli 2007 vergangenen Jahres waren die CDO´s bereits Thema, weil die Verluste aus diesen Derivaten die Investoren schon damals irritierte. Der Umfang des Marktes wurde in dem gleichen Artikel der New York Times übrigens auf 2,2 Billionen US$ geschätzt.

Uns interessiert die Deutsche Bank

Der Geschäftsbereich „Corporate and Investment Banking (CIB)“, der bei der Deutschen Bank das CDO-Rad dreht, hat laut Spiegel Erträge für die Bank in Höhe von 18 Mrd. € in 2006 erzielt. Damals war man anscheinend so zuversichtlich über die Geschäfte, dass man sich die Rolling Stones für angeblich 4 Mio. € für die o.g. „Konferenz“ in Barcelona gönnen konnte.

Nun haben wir in dieser Woche erlebt, dass die Risikobewertung der Deutschen Bank sich fast täglich verschlechtert. Konnte man am 14. Oktober noch einen Euro Kredit an die Deutsche Bank mit 0,6 Cent versichern, sind es jetzt schon fast 1,2 Cent. Während die Verschlechterung der Prämie ein am Markt beobachtbarer Fakt ist, bleibt die Ursache aber weiterhin pure Spekulation.

Ende des Schweigens der Banken kann den Märkten helfen

Es ist aktuell sehr mühevoll, sich die Fakten aus verschiedenen Quellen zusammenzusuchen. Noch mühevoller ist es, über den Umfang der Betroffenheit zu spekulieren. Klare Antworten der Branche sollen nicht nur die Öffentlichkeit befriedigen, die nach meiner Auffassung mittlerweile ein Recht darauf hat, zu erfahren, mit welchen Instrumenten das Geld der Steuerzahler riskiert wird.

Klare Antworten können vor allem endlich die Unsicherheiten aus dem Markt nehmen. Was Geld- und Kapitalmärkte nämlich noch weniger mögen als schlechte Nachrichten sind gar keine Informationen. Dies erhöht die Unsicherheit und ist nicht zuletzt verantwortlich für die hohe Volatilität der Märkte in den letzten Wochen. Und diese Volatilität selbst kostet viel Geld.

Hintergrund zu Collateralized Debt Obligation

Wie werden Collateralized Debt Obligation-Transaktionen gestaltet?

CDO Cuts Show $1 Trillion Corporate-Debt Bets Toxic

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