Tribune Co. stellt sich unter Gläubigerschutz in den USA

by Dirk Elsner on 8. Dezember 2008

Tribune Tower Chicago

Tribune Tower in Chicago

Spekuliert wurde heute den ganzen Tag darüber. Nun ist es offiziell. Die Tribune Newspaper Group, einer der größten Zeitungsverlage der USA, hat sich unter den Gläubigerschutz des amerikanischen Insolvenzrechts (Chapter 11) gestellt. Das berichtete  Bloomberg TV und wurde durch Pressemitteilungen und Dokumente (siehe Links) bestätigt. Zu der Gruppe gehören auch die Chicago Tribune und die Los Angeles Times. Grund ist der Druck durch die hohen Verbindlichkeiten der Gruppe heißt es. Ziel ist es, die Gruppe fortzuführen.

Den Insolvenzantrag hat die Tribune Co. nach Angaben der Chicago Tribune gestellt. Die Gruppe hat 13 Milliarden US$ an Schulden seit der Immobilienmagnat Sam Zell die Gesellschaft letztes Jahr im Dezember übernommen hat. Zell hatte die Gruppe im Rahmen eines Leverage Buyouts für 8,2 Mrd. US$ übernommen.

Nach Angaben der Tribune und der LA Times verfüge die Gruppe zwar mit 300 Mio. US $ über genügend Mittel um aktuelle Rechnungen zu zahlen, dies mache aber vor dem Hintergrund der drückenden Schuldenlast wenig Sinn. Diese soll nun mit Hilfe des Chapter 11 umstrukturiert werden.

Die Zeitungsgruppe leidet wie nahezu alle Verlage unter den rückläufigen Umsätzen, der rauhe Wirtschaft und der Kreditkrise, die die Neuaufnahme von Verbindlichkeiten sehr teuer oder unmöglich macht.

Chapter 11 ist ein Abschnitt des Insolvenzrechts der Vereinigten Staaten (US bankruptcy code) und regelt eine vom Gericht überwachte Reorganisierung der Firmenfinanzen. Ziel dabei ist, grundsätzlich die Fortführung des Unternehmens zu erreichen. Mit dem Insolvenzantrag nach Chapter 11 sollen bis zum Abschluss der Reorganisation rechtliche Schritte der Gläubiger gegen den Schuldner unterbunden werden. Allerdings benötigen die Unternehmen für diese Umstrukturierung häufig neues Kapital. Neue Kapitalgeber erhalten nach dem Insolvenzrecht einen Erstzugriff auf die Sicherheiten, für den Fall, dass das Unternehmen liquidiert wird.

Finanzierungen dieser Art werden DIP (DIP = debtor in possession) genannt. Vor einigen Wochen berichtete die New York Times, dass der Markt für diese Finanzierung austrocknet. Sollte es keine DIP-Finanzierung geben, dann muss das Unternehmen liquidiert werden. Für den Fall der Tribune Group würde das bedeuten, dass die Einzelunternehmen, wie z.B. die Los Angeles Times.

Dokumente

Original des Insolvenzantrags

Presseerklärung der Tribune Company

Sam Zell’s Memo an die Mitarbeiter der Tribune Company

Weitere Meldungen

Handelsblatt: US-Medienkonzern Tribune vor der Pleite

LA Times: Tribune Co. files for bankruptcy protection

chicagobreakingnews:  Tribune files for bankruptcy

LA Times: Debt-laden Tribune Co. explores possible bankruptcy filing

Times: Tribune newspaper group faces bankruptcy.

Artikel in Arbeit. Mehr Details folgen im Laufe des Abends.

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