Showgipfel im Kanzleramt gegen die Konjunktur

by Dirk Elsner on 16. Dezember 2008

Berlin HDRI Kanzleramt

Ort für Showveranstaltungen: Kanzleramt in Berlin

Am heutigen Dienstag wird sich kaum noch einer an das Treffen am Sonntag im Kanzleramt erinnern. Ginge es nach der Relevanz der Ergebnisse, müsste hier ein leeres Textfeld folgen. Dabei sollte dieses „Spitzentreffen mit Wirtschaftsexperten“ ja neue Erkenntnisse und Vorschläge im Kampf gegen die Rezession bringen. In Erinnerung von dieser Showveranstaltung wird nichts bleiben, außer Schlagzeilen, für die sich bestenfalls Archivare interessieren.

Revolutionäre Vorschläge waren bei der Zusammensetzung ohnehin nicht zu erwarten, zumal sich dort genau die Funktionselite versammelt hatte, die – flapsig betrachtet – die Krise verursacht (Banken), unterschätzt (Politiker) und nicht vorhergesagt hat (Wissenschaftler).

Abwarten scheint die deutsche Devise zu sein. Bevor man nicht wisse, welche Folgen die Krise wirklich für den Arbeitsmarkt und den Standort habe, sei es fahrlässig, etwa durch Mehrwertsteuerermäßigungen oder mit Konsumgutscheinen „Geld zu verbrennen“, heißt es in Regierungskreisen. Und man wolle abwarten, bis in den USA Obama die Regierung übernommen hat. Was dies mit der deutschen Konjunktur zu tun hat, wissen wohl nur die Eingeweihten des Häppchengipfels.

Für etwas Aufsehen sorgte der Anti-Rausschmiss-Pakt der DAX-Konzerne, den Siemens-Chef Peter Löscher vorgeschlagen hat. Die Beteiligten wissen aber, dass damit das Publikum nur geblendet wird, denn 1. stellen die DAX-Konzerne in der Summe nur einen Bruchteil der Beschäftigten und 2. kann ein mittelständisches Unternehmen gar nicht anders als Personal zu entlassen, wenn die Banken notwendige Kredite verweigern.

Man muss nicht gleich wie Paul Krugman den Kriegspfad gegenüber der deutschen Regierung einschlagen, aber man darf enttäuscht sein über das abendliche Kaffeekränzchen. Im Zweifel kann diese Veranstaltung sogar kontroproduktiv wirken, weil die Konzeptlosigkeit der Runde für weitere Verunsicherung sorgen kann und Investitionen weiter zurückgestellt werden.

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Melanie Gatzke Dezember 16, 2008 um 15:34 Uhr

-Erinnert mich an Kaffeekränzchen-Damenplauderrunden,-oder Clubabende-.Was können wir erkennen? Immer das Gleiche, und auch genau das, was der Artikel berichtet:
Zitat:
die – flapsig betrachtet – die Krise verursacht (Banken), unterschätzt (Politiker) und nicht vorhergesagt hat (Wissenschaftler).

Alle haben vorher nix gesehen-nix gehört-nix erkannt- nix getan, alles laufen lassen. Dabei haben es die Spatzen schon von den Dächern gepfiffen haben, dass der Wind durch die Banken pfeift.
doch sie merkten immer noch nichts, jedenfalls verteidigten sie immer noch einen Kurs, eine Ansicht , die uns an den Rand des Ruins getrieben hat, was eigentlich schon tot war, die totale Deregulierung..
Und von sowas werden wir regiert. kein Wunder, dass wir da sind, wo wir sind. am Abgrund. viel Vergnügen bei der Rutschpartie, kann man da nur noch ironisch hinzufügen. Der Zeitpunkt für einen Stopp des Wahnsinns ist vorbei, verpasst, vertan.
Das Finale ist eingeläutet. Niemand hält das mehr auf.
Zieht euch alle warm an! So viel geballte Dummheit auf einem Haufen und das im 3. Jahrtausend.
Wo ist das Hirn geblieben? Das hat wohl die Evolution weggeblasen.
Das kostet uns alle den Wohlstand über viele Jahre.
Wir haben unsere eigenen Vernichter selbst gewählt, selbst gefüttert.
Der Mammon war das Maß aller Dinge, Geld machen der Lebenssinn.
Was machen wir jetzt? Das Feuer löschen, das die vielen vielen Scheine verbrennt. Was dann? Wir suchen das verbrannte Geld. vergebens- es ist weg- einfach weg. verwandelt in ein goldenes kalb der Spekulanten , sie tanzen um das goldene Kalb- ausserhalb unserer Reichweite.
Ja, Dummheit kann verdammt weh tun, doch nur sie rüttelt die Menschen auf. Vielleicht erinnern sie sich jetzt, wozu sie einen Kopf haben.

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