Britische Pfund im freien Fall: Welche Konsequenzen drohen

by Gastbeitrag on 30. Dezember 2008

britische-pfund

Chart 1 Euro zum Britischen Pfund

Das britische Pfund hat gestern  erneut zwei Cent an Wert gegenüber dem Euro eingebüßt. Zum Mittag stand der Wechselkurs bei knapp 0.98 Euro Cent für ein britisches Pfund. Damit könnte bereits am Dienstag erstmals die Parität des Euros zur britischen Währung erreicht werden. Was dies für weitere Konsequenzen bedeutet, hat Georg Erber in einem Beitrag für die Readers Edition beleuchtet.

Muss Großbritannien aufgrund der Finanzkrise der Eurozone beitreten?

Willem Buiter, ein holländischer Ökonom an der London School of Economics (LSE), hat als einer der international führenden Geld- und Währungstheoretiker die Briten darauf hingewiesen, dass es in ihrem eigenen wohlverstandenen Interesse läge sich um einen raschen Beitritt zur europäischen Währungsunion zu bemühen. Wegen des sich seit Oktober 2008 im Zuge der globalen Finanzkrise abzeichnenden Verfalls des britischen Pfundes gegenüber dem Euro könnte es zu einer dramatischen Entwicklung um das britische Pfund kommen.

Seit dem Ausbruch der Immobilienkrise auch in Großbritannien und der Verstaatlichung des Hypothekenfinanzierers Northern Rock werden die Schwächen der britischen Wirtschaft immer offensichtlicher. Gerade die herausragende Bedeutung des Finanzsektors der Insel insbesondere der Londoner City für die gesamte britische Wirtschaft macht sie besonders empfindlich für die globale Finanzmarktkrise. Ähnlich wie Island besitzt die britische Finanzwirtschaft ein zu großes Auslandsengagement, das überwiegend in Fremdwährungen wie dem US Dollar und dem Euro fakturiert ist, um nicht in ähnliche Zahlungsbilanzprobleme hineinschlittern zu können wie dies exemplarisch Island in diesem Jahr der erstaunten Weltöffentlichkeit vorgeführt hat.

Reykavik-on-Thames

Buiter hat ironisch deshalb auch London schon als Reykjavik-on-Thames bezeichnet. Der ernste Hintergrund ist, dass im Falle einer Vertrauenskrise in die britischen Finanzinstitutionen die Bank of England aufgrund der für eine Stützung der Banken und Versicherungen erforderlichen Auslandsdevisen nicht in der Lage ist die Rolle des Lender-of-last-resort auszuüben. Wegen der Auslandsengagements der britischen Finanzwirtschaft beträgt die Summe an Verbindlichkeiten mehr als das Viereinhalbfache des britischen Bruttoinlandsprodukts. Mithin wäre Großbritannien einer spekulativen Attacke oder auch nur einer Vertrauenskrise, die zum massiven Abzug von Auslandsanlagen zum Beispiel der Ölstaaten oder der USA bzw. der Eurozone führten hilflos ausgeliefert. Es wäre um im Bild Buiters zu bleiben islandisiert.

Diese Verletzlichkeit der britischen Wirtschaft im Zuge der fortdauernden globalen Finanzmarktkrise könnte ein rasches politisches Handeln erforderlich machen. Will sich Großbritannien als dominanter Finanzplatz insbesondere in Europa erhalten, dann wird es letztendlich nicht umhinkönnen einen kurz- bis mittelfristigen Beitritt zur europäischen Währungsunion anzustreben. Darauf versucht Buiter die britische Öffentlichkeit mit seinen provozierenden Beiträgen in der Financial Times vorzubereiten.

Nur eine Frage der Zeit

Es ist deshalb nur eine Frage der Zeit, wann sich die Briten aus ihrer starren Haltung gegenüber einem Beitritt zur Eurozone bewegen müssen. Als Alternativen sieht Buiter für die Briten nur noch entweder den USA als 52 Bundesstaat beizutreten oder den Finanzsektor auf ihre nationalen Bedürfnisse gesundzuschrumpfen. Ob dann Grodon Brown – als größter Euroskeptiker in der Labour Party – noch Regierungschef in Großbritannien sein wird, bleibt abzuwarten. Vielleicht findet sich ja ein George Soros, der den Briten eine Lernbeihilfe erteilt. Die Parität des britischen Pfundes zum Euro wäre immerhin bereits ein richtiger Schritt in die richtige Richtung.

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