Und nun? Wie so oft haben sich die Finanzmärkte wieder einmal anders entwickelt, als die Herde dies erwartet hat. Europa boomt der Euro haussiert. Und die Experten haben es jetzt wieder schon vorher besser gewusst. Dazu nur zwei Zitate aus dem Handelsblatt:
„Das Realitätsbewusstsein ist auf die Finanzmärkte zurückgekehrt. Nun sehen die Akteure, dass die Probleme in der Euro-Zone nicht so dramatisch sind, wie es im Frühjahr schien“, sagt Roland Döhrn, Leiter der Konjunkturabteilung beim Essener Forschungsinstitut RWI.
„Wir haben eine Übertreibung an den Finanzmärkten erlebt, einen Trend, der sich selbst verstärkte“, stimmt Klaus-Jürgen Gern vom Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) zu. Die Investoren hätten vergessen, dass die Probleme einzelner Länder des Euro-Raums nicht für den ganzen Währungsraum gelten.”
Klar, rückwirkend betrachtet war der Absturz des Euro eine Übertreibung. Kein Wort mehr davon, dass einige “Experten” schon die Dollarparität gefürchtet haben. Nun hat “die Tatkraft der EU die Finanzmärkte besänftigt und die Spekulanten vertrieben. Die Zeit sieht bereits den Sieg des Euro über die Spekulanten.
Nun wird also von einer kaum angezweifelten Kausalität gesprochen zwischen den Stabilisierungsbemühungen der Euro-Staaten und der Euro-Erholung. Das klingt wie nach dem Newtonschen Universum, das nach exakten deterministischen Gesetzen funktioniert. Wir wissen aber mittlerweile durch die Quantenmechanik und Chaostheorie, dass Newton nicht für alle Welten und Umweltbedingungen richtig gelegen hat.
Nun, diese Frage ist sehr einfach zu beantworten! Der Euro (€) ist die offizielle Währung der Europäischen Union (EU) und fungiert somit als gemeinsame Währung in derzeit 22 europäischen Staaten, von denen 16 der EU angehören. Damit ist der Euro nach dem US-Dollar ($) und noch vor dem japanischen Yen (¥) die zweitwichtigste Währung der Welt. Am 1. Januar 1999 wurde der Euro als Buchgeld und am 1. Januar 2002 schließlich erstmals als Bargeld eingeführt und löste damit die nationalen Währungen der Euroländer als gesetzliches Zahlungsmittel ab. Die Euromünzen werden von jedem der 16 Staaten der Eurozone, sowie von 3 weiteren Staaten, mit jeweils landesspezifischer Rückseite, geprägt. Die Eurobanknoten hingegen unterscheiden sich europaweit nur durch verschiedene Buchstaben der Seriennummer.
Die Geschichte des Euro
Der Ursprung des Euros als einheitliche Währung der Europäischen Union ist in erster Linie der Geschichte der Europäischen Union zu suchen. So plante der damalige luxemburgische Premierminister Pierre Werner in seinem sogenannten “Werner Plan” zusammen mit Experten eine Europäische Wirtschafts- und Währungsunion (EWWU) mit einer einheitlichen Währung. Dieser Plan wurde jedoch nie umgesetzt und stattdessen im Jahr 1972 der Europäische Wechselkursverbund und schließlich im Jahr 1979 das Europäische Währungssystem (EWS) gegründet. Dieses EWS sollte allzu starke Schwankungen der nationalen Währungen untereinander verhindern und gründete zu diesem Zweck eine Europäische Währungseinheit namens ECU, eine Verrechnungseinheit, die man heute als den Vorläufer des Euros bezeichnen könnte. Ab dem Jahr 1988 erarbeitete der Ausschuss zur Prüfung der Wirtschafts- und Währungsunion unter der Leitung des damaligen Vorsitzenden der Europäischen Kommission, Jaques Delors, den sogenannten “Delors Bericht”, der die Schaffung einer Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion in drei Schritten vorsah.
Der Bundestag hat heute dem Entwurf eines “Gesetzes zur Übernahme von Gewährleistungen im Rahmen eines europäischen Stabilisierungsmechanismus” zugestimmt. Kern des Gesetzes ist eine riesige mit insgesamt 440 Mrd. Euro ausgestatte “Zweckgesellschaft” der Euro-Staaten. (Details, wie der Rettungsschirm funktioniert hier in der FAZ). Das Plenarprotokoll gibt es nach der Debatte auf dieser Seite.
Bericht zur Debatte hier:
“Der Bundestag ringt um das Euro-Hilfspaket mit deutschen Bürgschaften von bis zu 148 Mrd. Euro. Die Union appellierte in einer turbulenten Sitzung noch einmal an die Opposition zuzustimmen. Die schwarz-gelbe Koalition will die umstrittenen Hilfen für kriselnde Euro-Länder mit ihrer Mehrheit durchsetzen, es . . . → Read More: Abstimmung im Bundestag über Euro-Rettungspaket
Heute debattiert der Bundestag in erster Lesung über den Entwurf eines Gesetzes zur Übernahme von Gewährleistungen im Rahmen eines europäischen Stabilisierungsmechanismus. Hier dokumentiert der Blick Log den Gesetzentwurf, der hier auch als pdf abgerufen werden kann
Deutscher Bundestag Drucksache 17/1685 17. Wahlperiode 11. 05. 2010 Gesetzentwurf der Fraktionen der CDU/CSU und FDP Entwurf eines Gesetzes zur Übernahme von Gewährleistungen im Rahmen eines europäischen Stabilisierungsmechanismus
A. Problem und Ziel
Im Zuge der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise hat sich die Situation der öffentlichen Haushalte in den EU-Mitgliedstaaten erheblich verschlechtert. Die jüngste Verschärfung der Krise hat dazu geführt, dass sich in einigen Mitgliedstaaten die Finanzierungsbedingungen in kürzester Zeit in einer Weise verschlechtert haben, die sich nicht durch eine Änderung der Fundamentaldaten erklären lässt. Eine weitere Eskalation der Lage würde die Zahlungsfähigkeit dieser Staaten gefährden und eine ernste Gefahr für die Finanzstabilität der Währungsunion insgesamt nach sich ziehen.
Aus diesem Grund hat der Rat der Europäischen Union am 10. Mai 2010 Maßnahmen zur Sicherung der Finanzstabilität beschlossen. Der Rat hat befürwortet, dass die Pläne zur Haushaltskonsolidierung beschleunigt werden, und entsprechende Ankündigungen von Portugal und Spanien begrüßt.
Künftig soll es möglich sein, auf Vorschlag der EU-Kommission Mitgliedstaaten unter bestimmten Bedingungen finanziellen Beistand der Europäischen Union zu gewähren. Voraussetzung dafür ist, dass diese Mitgliedstaaten durch außergewöhnliche Ereignisse, die sich ihrer Kontrolle entziehen, von gravierenden Schwierigkeiten ernstlich bedroht sind. Darüber hinaus haben die Mitgliedstaaten in einer intergouvernementalen Vereinbarung Vorsorge getroffen, um nach Ausschöpfung dieses Instrumentes einer weiteren Eskalation auf den Finanzmärkten durch eine zusätzliche Unterstützungsmöglichkeit zu begegnen.
Die EU spannt einen Rettungsschirm über rund 500 Mrd. Euro für finanzschwache Euro-Staaten auf. Dazu kommen bis zu 250 Mrd. Euro vom Internationalen Währungsfonds (IWF). Die Entscheidungen der Finanzminister wurden wie gleich folgend bekannt gemacht. Anschließend eine Presseschau:
Council conclusions
ECONOMIC and FINANCIAL AFFAIRS Council
Extraordinary meeting
Brussels, 9/10 May 2010
The Council adopted the following conclusions:
“The Council and the Member States have decided today on a comprehensive package of measures
to preserve financial stability in Europe, including a European Financial Stabilisation mechanism
with a total volume of up to € 500 billion.
In the wake of the crisis in Greece, the situation in financial markets is fragile and there was a risk
of contagion which we needed to address. We have therefore taken the final steps of the support
package for Greece, the establishment of a European stabilisation mechanism and a strong
commitment to accelerated fiscal consolidation, where warranted.
First, following the successful conclusion of procedures in euro area Member States and the
meeting of euro area Heads of State or Government, the way has been cleared for the
implementation of the support package for Greece. The Commission has signed today, on behalf of
the euro area Member States, the loan agreement with Greece and the first disbursement will
proceed, as planned, before 19 May. The Council strongly supports the ambitious and realistic
consolidation and reform programme of the Greek government.
Second, the Council is strongly committed to ensure fiscal sustainability and enhanced economic
growth in all Member States and therefore agrees that plans for fiscal consolidation and structural
reforms will be accelerated, where warranted. We therefore welcome and strongly support the
commitment of Portugal and Spain to take significant additional consolidation measures in 2010
and 2011 and present them to the 18 May ECOFIN Council. The adequacy of such measures will be
assessed by the Commission in June in the context of the excessive deficit procedure. The Council
also welcomes the commitment to announce by the 18 May ECOFIN Council structural reform
measures aimed at enhancing growth performance and thus indirectly fiscal sustainability
henceforth.
Auf ein Abendessen verschiedener Hedge-Fondsmanager 8. Februar in New York scheinen sich mittlerweile diejenigen zu konzentrieren, die die Ursache der griechischen Schuldenkrise und des Drucks auf den Euro gern in einem Böser-Bube-Spiel ganz simple verteilt wissen möchten. Ich vermute einmal, dass wir in den nächsten Tagen noch mehr darüber lesen werden (zuletzt hier ein ausführlicher Bericht in der NZZ).
Nicht auszuschließen ist, dass es wieder eine Anhörung gibt. Diese könnte dann ähnlich verlaufen, wie eine Anhörung am 13.11.2008 mit den Top 5 der Branche vor einem Untersuchungsausschuss. Damals mussten sich Philip Falcone von Harbinger Capital Partners, Kenneth C. Griffin von Citadel, John Paulson von Paulson & Company; James Simons von Renaissance Technologies und George Soros von Soros Fund Management kritischen Fragen stellen. Konsequenzen hatte diese Veranstaltung nicht.
Die Renten-, Aktien- und Devisenmärkte sind gestern einmal mehr durch die europäische Schuldenkrise und schlechte US-Daten heftig durchgeschüttelt worden. Die über die Preise von Credit Default Swaps gemessenen Risikoprämien für Griechenland und einige weitere Eurostaaten sind jedenfalls in den letzten beiden Tagen noch einmal kräftig gestiegen (siehe CDS-Reports Alphaville Mittwoch, Donnerstag). Das dürfte auch den Banken so langsam Schweißperlen auf die Stirn treiben, denn es droht Wertberichtigungsbedarf zum letzten Handelstag des Monats.
Das britische Pfund hat gestern erneut zwei Cent an Wert gegenüber dem Euro eingebüßt. Zum Mittag stand der Wechselkurs bei knapp 0.98 Euro Cent für ein britisches Pfund. Damit könnte bereits am Dienstag erstmals die Parität des Euros zur britischen Währung erreicht werden. Was dies für weitere Konsequenzen bedeutet, hat Georg Erber in einem Beitrag für die Readers Edition beleuchtet.
Muss Großbritannien aufgrund der Finanzkrise der Eurozone beitreten?
Willem Buiter, ein holländischer Ökonom an der London School of Economics (LSE), hat als einer der international führenden Geld- und Währungstheoretiker die Briten darauf hingewiesen, dass es in ihrem eigenen wohlverstandenen Interesse läge sich um einen raschen Beitritt zur europäischen Währungsunion zu bemühen. Wegen des sich seit Oktober 2008 im Zuge der globalen Finanzkrise abzeichnenden Verfalls des britischen Pfundes gegenüber dem Euro könnte es zu einer dramatischen Entwicklung um das britische Pfund kommen. Continue reading Britische Pfund im freien Fall: Welche Konsequenzen drohen
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