Kommunikationspolitik: Mit TINA geht auf einmal alles

by Dirk Elsner on 12. Januar 2009

Vom ordnungspolitischen Gewissen der deutschen Wirtschaft, der Frankfurter Allgemeinen, hat der Blick Log am Sonntag einen neuen Ausdruck gelernt: Tina. Bisher war das nur der Rufnahme der Ehefrau des Autors. Nun bringen uns Heiner Hank und Christian Siedenbiedel bei, dass Tina auch für eine Strategie der Kommunikationsberater steht, wenn sie einen ideologischen Schwenk oder eine problematische Entscheidung legitimieren sollen: „There is no alternative.

Die Autoren beziehen diese Rechtfertigungsstrategie auf die Kommunikation der Commerzbank, wonach Staatseingriffe aus der Sicht des Commerzbankchefs auf einmal etwas völlig Normales sind. Schließlich hätten das schon die Amerikaner gemacht und die Engländer. Und eigentlich gäbe es die Bank schon lange nicht mehr ohne Staatseingriff, sagen sie jetzt und verweisen auf das Jahr 1932. Jenes Jahr, in dem die Commerzbank schon einmal verstaatlicht wurde.

Das Tina-Prinzip stammt, so ist in der Wikipedia zu lesen, vom französischen Soziologen Pierre Bourdieu und ist eine (leicht ironisch gemeinte) Bezeichnung für ein bestimmtes, simples Muster, mit dem Politiker in der Öffentlichkeit Entscheidungen begründen. Dabei steht Tina für eine rhetorische Floskel. Die behauptete Alternativlosigkeit, so die gegensätzliche These, sei aber nicht real, sondern nur ein propagandistisches Mittel, um Kritik in der Öffentlichkeit von vornherein zu delegitimieren und eine Diskussion zu unterbinden.

Skuril dabei für den Fall der Commerzbank: Im Dezember hatte die Bank in einer Presseerklärung die Neuorganisation ihrer Public Affairs bekannt gegeben. Mit dieser Neuausrichtung wolle sie „als Marktführer in Deutschland den gewachsenen gesellschaftlichen und politischen Ansprüchen Rechnung tragen und ihre aktive Rolle im politischen Meinungsbildungsprozess unterstreichen.“ Nun weiß die Finanzwelt, was mit der „aktive Rolle im politischen Meinungsbildungsprozess“ gemeint ist.

Übrigens hat die Globalisierungskritikerin Susan George dem TINA-Prinzip den Ausruf „TATA!“ (There Are Thousands of Alternatives!) entgegengestellt. Die hätte es sicher auch im Fall der Commerzbank gegeben. Dazu hätte die Bank wie viele andere auch, aber bereits früher die nun mit haftende Öffentlichkeit über ihr Geschäftsgebaren aufklären müssen. Glücklicherweise bietet die gleiche Zeitung, die Tina bekannt macht, auch ein ausführliches Interview mit Stefan Homburg, Professor für Finanzwissenschaft an der Leibniz-Universität in Hannover, der Alternativansätze vertritt in der aktuellen Diskussion aber nicht gehört wird.

Ansonsten gilt TINA nur für meine Frau Tina.

Beitrag steht unter Creativ Commons Lizenz 3.0.

Blogverzeichnis - Blog Verzeichnis bloggerei.de

Comments on this entry are closed.

Previous post:

Next post: