Wirtschaftslage: Untergangsrhetorik ist wieder zurück

by Dirk Elsner on 27. Januar 2009

Der Begriff Kollaps steht für Zusammenbruch oder einen großen Ausfall. So interpretiert das Handelsblatt die Wachstumsprognosen des Internationalen Währungsfonds und titelt:  IWF: Weltwirtschaft vor dem Kollaps. Ein Kollaps in der Wirtschaft käme allerdings einem Stillstand gleich. Dabei ruht lediglich das Wachstum der Weltwirtschaft. Dies ist eine fundamental andere Aussage als die, die mit der Headline suggeriert wird.

Spiegel Online formuliert tatsächlich auch neutraler als die Wirtschaftszeitung, von der man eigentlich mehr Seriosität in Wirtschaftsthemen gewohnt ist. Bei Spon heißt es: IWF senkt Wachstumserwartungen

Ich betone noch einmal, dass Wissenschaftler und Medien eine hohe Mitverantwortung dadurch tragen, wie sie Informationen über die Wirtschaftskrise verbreiten. Das obige Beispiel zeigt, dass man die gleiche Information reißerisch oder neutral verpacken kann. Pessimismus befällt die Konsumenten und Unternehmen ja nicht, weil ihnen während der 4. Staffel der RTL-Dschungel Show schlecht geworden ist, sondern weil sie den Eindruck haben, sie müssten aufgrund schlimmer Nachrichten ihr Geld zusammenhalten, weil sie morgen keinen Job mehr haben.

Die Wirtschaftslage muss nicht schöner geschrieben werden als sie ist. Man muss sich auch nicht künstlich Optimismus herbeireden, wie es “Zukunftsforscher” Matthias Horx versuchte. Dennoch sollten die Autoren der Schlagzeilen bedenken, was sie mit ihren Überschriften auslösen.

Bei der Gelegenheit möchte ich noch einmal auf meinen Grundlagenbeitrag über die Medien als Beschleuniger der Finanzkrise hinweisen.

Ein Sammlung von Meldungen zu Prognosen, Warnungen und Mahnungen zur Konjunkturentwicklung ist hier zu finden.

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