Ethisches Verhalten spielt bei der Auswahl von Managern keine Rolle (meistens jedenfalls)

by Dirk Elsner on 28. Januar 2009

Straffere Regeln für Unternehmen fordert der Personalberater Christoph Zeiss im ökonomischen Gastkommentar der gestrigen Ausgabe des Handelsblatts.

Nach seiner Auffassung war die mangelnde Corporate Governance eine wichtige Ursache für die Krise. Wenn nicht daran gearbeitet werde, sie nachhaltig zu verbessern, sei der Weg aus der Rezession heraus alles andere als erleichtert. Das sind bemerkenswerte Aussagen für den geschäftsführenden Gesellschafter eines Personalberatungsunternehmens, das sich auf die Rekrutierung von Führungskräften spezialisiert hat. Bemerkenswert deswegen, weil damit von einem Insider eingeräumt wird, dass viele Manager vorwiegend an ihr persönliches Interesse denken und daher zusätzliche Regeln erforderlich sind.

In Deutschland gebe es zwar einen Corporate Governance Kodex (siehe hier zum Kodex und auch der Aufstellung der prominennten Mitglieder der Kommission),  allerdings hätte diese von Anfang an daran gekrankt, dass diese Regeln freiwillig und nicht bindend seien und an ihrer Entwicklung viele mitgewirkt hätten, die in ihren Unternehmen gerade nicht eine bessere Governance wollten. Weiter schrieb er:

“Die Zugehörigkeit zu der Cromme-Kommission wurde vielfach als weiteres schmückendes Pöstchen in der oft bereits eindrucksvollen Sammlung von Posten und Ämtern einzelner Mitglieder verstanden – prestigefördernd, aber mit geringer Wirkung. Wir brauchen deutlich straffere Regelungen zur Corporate Governance. Ob dies ohne gesetzlichen Vorstoß möglich wird, ist derzeit leider zweifelhaft. Doch man sollte die Hoffnung nicht aufgeben.”

Eine andere Untersuchung stützt die These von Zeiss, nämlich die, dass ethisches Verhalten bei der Auswahl von Managern keine Rolle spielt.  Sie lässt sich aus einer Untersuchung ableiten, über die Lothar Kuhn im Harvard Business Manger[1] und auf der Website des Manager Magazins berichtet. Nach dieser Untersuchung beeinflusst schlechte unternehmerische Performance die Karrierechancen von Mitarbeitern und Managern eines Unternehmens. Ganz anders sieht es aus, wenn die schlechten Nachrichten Ethik und Moral eines Unternehmens betrafen, schreibt Kuhn. Weiter heißt es:

“Geriet ein Finanzdienstleister in die Schlagzei­len, weil etwa die Börsenaufsicht ein Verfahren gegen ihn eröffnet hatte oder ein ehemaliger Mitarbeiter ihn wegen Diskriminierung verklagte, so hatte dies keinen Einfluss auf die Karriere der Angestellten dieses Un­ternehmens. Die neuen Arbeitgeber schienen diese Meldungen nicht zu interessieren. „Unsere Ergebnisse decken sich hier mit aktuellen empiri­schen Studien, die zeigen, dass ethi­sche Standards keinen signifikanten Einfluss auf die Verweildauer in einer Spitzenposition von US-Firmen oder auf die Gehaltshöhe haben und dass Ethik nur eine geringe Rolle bei den Entscheidungen der Aufsichtsräte spielt“, stellt Hamori fest.”


[1] L. Kuhn, Wann Krisen der Karriere schaden, in HBM 1/2009, S. 18.

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