Warum gehen eigentlich positive Nachrichten unter? Konsumausgaben in den USA gestiegen

by Dirk Elsner on 4. März 2009

Browste man gestern durch Spiegel Online, Handelsblatt, FTD oder FAZ dann musste man diese Meldung schon mit Hilfe einer Suchmaschine suchen, um sie überhaupt zu finden. Die Redaktionen sind so sehr damit beschäftigt, dem Herdentrieb der Horrornachrichten zu folgen, dass positive Meldungen einfach liegen gelassen oder versteckt werden. So verbleibt es an einigen Blogs hängen, über diese positive Information zu berichten, wie z.B. dem Börsennotizbuch, das von den im Januar gestiegenen Konsumausgaben berichtet.

Bei Spiegel, FAZ und FTD-Online ist diese Meldung sicherheitshalber gar nicht erst auffindbar. Im Handelsblatt war die Meldung “Amerikaner geben wieder mehr Geld aus” nur sehr kurz und auch nur über die Suchhilfe auffindbar. Auf der Homepage platzierte man lieber Schreckensmeldungen. Man möchte lieber schreiben von Themen wie “Was die Welt wirklich ins Verderben stürzt” oder “Logistik schrumpft erstmals seit 1993”. Noch besser Angst machen nach dem Motto: Wächst die Terror-Gefahr in der Krise? oder Protektionismus fördern mit Schlagzeilen wie “Abwrackprämie hilft ausländischen Autobauern”.

Sorry liebe Redaktionen, ich weiß nicht, mit wem Sie den ganzen Tag über sprechen. Ich glaube aber kaum, dass es vorwiegend ihre in der Wirtschaftspraxis sitzenden Leser sind, denn dann wüssten sie, dass sie die Nase so voll haben von dem negativen Gerede und sich viele wünschen, dass zumindest die vorhandenen positiven Nachrichten wenigstens angemessen verbreitet werden (es geht nicht um die Forderung des Schönschreibens, das den Medienlaien dann gleich immer vorgeworfen wird). Sie wüssten bei ausreichender Kommunikation auch, dass viele Unternehmen aktuell viele Projekte zwar auf Halt gesetzt haben aber weiterhin  in den Starlöchern sitzen. Hier wird auf erste Anzeichen der Erholung gewartet, um dann loslegen zu können.

Was stand denn nun eigentlich in der Meldung? “In den USA sind die Konsumausgaben im Januar nach sechs Rückgängen in Folge erstmals wieder gestiegen. Die persönlichen Ausgaben seien um 0,6 Prozent zum Vormonat geklettert, teilte das US-Handelsministerium mit.” Volkswirte hatten übrigens nur einen Anstieg von 0,3% erwartet. Und eigentlich ist es sogar höchst erstaunlich, dass die Konsumenten trotz des Trommelfeuers an schlechten Nachrichten nicht weiter ihre Ausgaben zurückgefahren haben.

Möglicherweise liegt das daran, dass die Konsumenten ihren Medienkonsum drastisch eingeschränkt haben und damit die vieldiskutierte Medienkrise erst ausgelöst haben. Da die Medienkrise (Medien als Täter und Opfer?) aber vorwiegend eine Anzeigenkrise ist, sollten sich die Redaktionen vielleicht überlegen, ob nicht vielen Werbetreibenden das redaktionelle Umfeld viel zu negativ für die Darstellung von Produkten und Leistungen ist. Ich bin kein Werbefachmann aber bei Anzeigenschaltung in einem depressiven Umfeld ist die Wirkung meiner Anzeige ja wohl deutlich reduziert oder nicht?

Abschließend will ich nicht zu hart mit den hiesigen Medien ins Gericht gehen, denn in diesem Artikel der New York Times ist neben der positiven Meldung zu gestiegenen Konsumausgaben auch noch von negativen Indikatoren die Rede, die immerhin in der deutschen Berichterstattung unter den Tisch gefallen sind.

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