Zeigen Obamas Maßnahmen erste Wirkungen?

by Dirk Elsner on 7. März 2009

Die öffentliche Wahrnehmung von Nachrichten und deren Interpretation in diesen Wochen ist schon sehr interessant. Auch wenn mich der eine oder andere mittlerweile als Schönschreiber bezeichne mag, so stelle ich doch weiter eine erhebliche Asymmetrie zwischen positiven und negativen Nachrichten und deren Interpretation fest.

Die Meldung gestern im Handelsblatt über die US-Arbeitslosenzahlen “US-Jobmarkt erreicht „Stadium der Panik“ im Handelsblatt umfasste 811 Worte. Die Meldung  “US-Auftragseingang besser als gedacht” kam gerade mal auf 79 Worte auf der Website. Erst in der Printausgabe der Zeitung konnte man mehr erfahren. Was gab es da konkret zu lesen?

“Nach einer Mitteilung des Arbeitsministeriums in Washington sank zudem die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in der abgelaufenen Woche überraschend stark. Sie sei von 670 000 Anträgen in der Vorwoche auf 639 000 gesunken; Volkswirte hatten hingegen mit 650 000 Anträgen gerechnet.“

“Nach Angaben des US-Handelsministeriums sanken die Industrieaufträge im Januar im Vergleich zum Vormonat um 1,9 Prozent, nachdem sie im Dezember noch um 4,9 Prozent zurückgegangen waren. Analysten hatten mit 3,5 Prozent Minus gerechnet. Klammert man den sehr schwankungsanfälligen Transportbereich aus, sanken die Order nur um 0,9 Prozent, ohne den Rüstungssektor sogar nur um 0,5 Prozent.”

Man kann sich hinsetzen und wie Flensburg-Online polemisch behaupten, die hohe Arbeitslosigkeit zeige wohin Obamas Politik führe. Dabei weiß sicher auch der Autor, dass die gerade in Gang gesetzten Maßnahmen bislang wenig direkten Einfluss gehabt haben können. Man kann aber auch sagen, möglicherweise haben die Maßnahmenpakete schon jetzt einen indirekten Einfluss und haben die Talfahrt abgebremst. Ich will mir gar nicht anmaßen, dies genau zu wissen. Mittlerweile erwacht zudem auch die Kritik an der neuen US-Politik, wie hier in der Presseschau nachzulesen ist.

Mir geht es einfach um die unglaubliche Asymmetrie zwischen guten und schlechten Nachrichten. Und ich wünsche mir, dass auch die Volkswirte und Analysten mal etwas differenzierte die Daten interpretieren. Aktuell verfestigt sich bei mir der Eindruck, dass sie in ihren Modellen einfach linear Abwärtstrends hochrechnen. Dies ist genau so falsch, wie die Vorhersagen vor 15 Monaten, die rosige Zeiten für die Weltwirtschaften versprachen und die Finanzkrise für beherrschbar hielten.

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