In Berlin veranstaltet Attac an diesem Wochenende die Konferenz: Kapitalismus am Ende? Der Freitag berichtet über einen Blog von dieser Konferenz. Das was Alexander Wragge von dort an Eindrücken vermittelt erinnert mich aber eher an eine Uni-Vollversammlung als ein konstruktives Forum. Kleiner Vorgeschmack:
“Heiner Flassbeck, Chefökonom der UN-Organisation für Handel- und Entwicklung (UNCTAD), legte als erster Redner seine Analyse der Krise dar. Schattenbanken, Pivate-Equity-Gesellschaften, und private Pensionsfonds bezeichnete er als Elemente eines großen Kasinos: "Es war ein Spiel mit Währungen, Rohstoffen, Firmen und Hypotheken." Das große Kasino sei zusammengebrochen, jedes einzelne Teil müsse jetzt repariert werden. Das Wort "reparieren" sorgte für Gelächter und Pfiffe. "Abreißen" kam der Ruf aus dem Plenum. Heiner Flassbeck verbesserte sich: "Jedes einzelne Kasino muss geschlossen werden."
Für mich klingt das genau so populistisch, wie die Forderung nach der Abschaffung der Spekulation auf Rohstoffe. Dies käme ja quasi der Abschaffung des Handels gleich. Dennoch, ich will die Konferenz hier nicht aufgrund weniger Informationen in den Boden polemisieren. Persönlich habe ich auch nicht die Weisheit mit Löffeln gefressen und den Ausweg parat. Interessant wird es immer dann, wenn sich Vertreter verschiedenen Denkrichtungen direkt treffen. In Berlin deuten die ersten Eindrücke allerdings darauf hin, dass hier vorwiegend marktwirtschaftskritische Gäste versammelt sind.
Es ist schon kurios, daß nach dem (vermutlich vorübergehenden) Tauchgang der Apologeten der „Marktwirtschaft“ die Qualität der Kritik an ebendieser Gesellschaftskonzeption ebenso unterirdisch ist. Wenn man Feminismus, Ökologie und Ökonomie in einem Topf durcheinandermischt und dann noch meint, diese Mixtur unter irgendeine diffuse „demokratische“ Kontrolle stellen zu wollen, kann man sich als Betrachter nur noch an die Schweine in „animal farm“ von Orwell erinnert fühlen. Vielleicht muß man sich aber nur davon frei machen, von derartigen Veranstaltungen so etwas wie Erkenntnisinteresse zu erwarten, sondern realisieren, daß es eigentlich nur um Stimmungsmache geht, die mit Hilfe intellektverklebender, oberflächlichter Phänomen“analyse“ das Jüngervolk zur Missionierung der Nicht – Progressiven aufruft.
Dagegen kann man den Vertretern des Kapitalismus immerhin bescheinigen, daß sie eine vergleichsweise ausgereifte Theoriekonzeption haben, die „nur“ den Nachteil hat, daß systemische Risiken eben nicht dem Unabhängigkeitspostulat der Risiken gehorchen, das für die gesamte Kapitalmarkttheorie grundlegend ist. Darauf kann man sich nicht ausruhen, kann aber immerhin der Sammlung von Kritikversatzstücken gelassen begegnen.
Daß damit das eigentliche 200-jährige Problemfeld zwischen Werttheorie und Geldtheorie noch lange nicht ausgelotet ist, macht das eigentliche Mißverständnis dieser „gesellschaftlichen“ Kontroverse aus. Da hilft noch nicht mal Marx.
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