Spekulationen auf Staatbankrott trennen von Wahrscheinlichkeit auf Staatbankrott

by Dirk Elsner on 9. März 2009

Es wird in den letzten Tagen wieder heftig diskutiert über den Bankrott von Staaten. Hintergrund sind die gestiegenen Risikoprämien für die Kreditversicherungen bzw. deren Ablegern an den Finanzmärkten, den Credit Default Swaps (CDS, Hintergrund zu diesen Instrumenten hier). So schreibt die FAZ von Ängsten, dass der irische Staat Bankrott gehen könnte. In der vergangenen Woche hat die FTD über die Befürchtungen geschrieben, dass die Märkte auch Österreichs Bankrott fürchten.

Bedauerlich ist zunächst, dass keine der angesprochenen Medien eine Aufstellung der Länderrisiken anhand der Kreditrisikoprämien führt. Glücklicherweise gibt es dafür Blogs. Eine derzeit wöchentlich aktualisierte Aufstellung der Länderrisiken ist bei verlorene Generation auf dieser Seite zu finden. Schaut man in die Aufstellung, dann werden die Risikoprämien für Irland und Österreich bestätigt, allerdings liegen die Staaten längst nicht an der Spitze.

Bevor man anfängt zu zittern und Sündenböcke sucht, sollte man aber daran denken, dass der Markt für solche Risikoinstrumente, also der Markt für die CDS, sich derzeit in erheblichen Turbulenzen befindet. Und wie für viele andere Finanzinstrumente ist die Preisbildung auch für die CDS von verschiedenen Marktfaktoren abhängig, nur einer davon ist die Bonität des abzusichernden Landes.

So ist ein weiterer Faktor die Marktliquidität, also die Möglichkeit einen CDS-Kontrakt auch schnell wieder verkaufen zu können. Ist der Markt nicht liquide, dann steigen die Prämien ohne dass sich die Bonität des Schuldners verändert haben muss. So sind Märkte für Staatsschulden der USA, Englands und Deutschlands deutlich liquider als die für Staatsschulden von Österreich oder Irland, ganz einfach, weil die absolute Handelssumme an Schulden der erstgenannten Staaten größer ist.

Ein weiter Faktor liegt in der Bonität der Versicherungsgeber. Dies sind in der Regeln Banken oder Versicherungen. Da es für die CDS bisher noch keine zentrale Clearingstelle gibt, die wie bei Eurex-Kontrakten im Zweifel für die Zahlung einsteht, hängt die Prämienhöhe auch von der Kreditwürdigkeit des Sicherungsgebers ab. Fällt dieser komplett aus, dann sind die CDS wertlos. Da die Nachfrage sich dann auch andere Sicherungsgeber verlagert, erhöhen sich dadurch ebenfalls die Prämien. Über einen solchen Ausfall wird gerade in den letzten Wochen immer wieder spekuliert, weil der Versicherungskonzern AIG große Probleme hat.

Ich will damit die Risiken keineswegs kleinreden. Aber selbst Fachmedien wie Alphaville sind sich derzeit nicht sicher, wie man den Anstieg der Risikoprämien interpretieren kann. Es ist also Vorsicht geboten, gleich die Hysterie eines Staatsbankrott zu entfachen. Auch die Märkte für CDS unterliegen aktuell starken Schwankungen.

Wer sich tiefer in Credit Default Swaps einarbeiten will, der findet in folgendem Arbeitspapier weitere Informationen:  Risikosteuerung mit Kreditderivaten unter besonderer Berücksichtigung von Credit Default Swaps (pdf, 65 Seiten)

Weitere Berichte

FAZ: Österreichs Bonität leidet unter Osteuropa

Zeit: Musterland ist abgebrannt

FAZ: „Risikoaufschläge von Unternehmensanleihen sollten sinken“

FAZ: Wie nah sind europäische Staaten am Bankrott?

Previous post:

Next post: