US-Plan zur Vermarktung toxischer Assets als Chance für Kapitalmärkte?

by Dirk Elsner on 9. März 2009

Schade, dass diese Meldung nicht in deutschen Medien zu finden war. Die US-Regierung hat nämlich in der vergangenen Woche den Plan weiter konkretisiert, wie sie das Problem der toxischen Assets lösen will. Darüber war z.B. in der Washington Post und im Wall Street Journal zu lesen.  Dazu will sie diverse Fonds mit privater Beteiligung auflegen, die um diese Papiere mitbieten. Dadurch erhofft man, einen Marktpreis zu finden, der es den Banken erlaubt, diese Papiere ohne weitere Verluste zu verkaufen. Dazu will die US-Regierung private Investoren ermuntern, in diesen Markt einzusteigen.

Plan zum Kauf toxischer Assets

Plan zum Kauf toxischer Assets

Investoren könnten z.B. Hedge Fonds, Private Equity oder wohlhabende Finanziers sein. Der Umfang des Programms soll zwischen 500 Mrd. und 1 Billion US$ liegen, wobei noch nicht klar ist, welcher Wert erzielt wird.

Dieser Ansatz erscheint mir der bisher realistischste Weg zu sein, weil kaum jemand in der Lage ist, diese Papiere zu bewerten. Auch im Blick Log wurden schon umfangreiche Überlegungen zu der Bewertung dieser Papiere angestellt, die in den Bankbilanzen weltweit für Schieflagen und einen gigantischen Eigenkapitalverzehr sorgen.

Das Problem: Niemand weiß genau, wie viel diese Papiere wert sind. Der Blick Log hat in verschiedenen Artikeln (siehe unten) die Auffassung vertreten (und daran hat sich bisher nichts geändert), dass die Papiere höher notieren müssten als ihre derzeitigen Marktwerte. Die aktuellen Marktwerte sind derzeit nämlich durch mindestens zwei Faktoren verzerrt:

1. Durch hohe Risikoprämien (ich spreche hier von einer inversen Blase), die sich m.E. weit entfernt haben von den tatsächlichen Ausfallwahrscheinlichkeiten der Ursprungsforderungen (in diesem Artikel habe ich zuletzt die Wirkung der Risikoprämien auf den Marktwert dargestellt).

2. Durch eine ausgetrocknete Liquidität des Marktes. Eine Ursache dafür liegt in 1. Eine weitere Grund könnte darin liegen, dass Banken und andere Investoren weiterhin Probleme haben, sich Geld zu beschaffen.

In der Öffentlichkeit sind trotz der gewaltigen Bankenschieflagen bisher kaum Informationen über die toxischen Assets verfügbar (hier meine bisher unbeantworteten Fragen an die Banken) . Investoren, die Interesse am Kauf dieser Papiere signalisieren, werden sich aber die Bedingungen der Assets genau sehen wollen, bevor sie ein Gebot abgeben. Anders ist ein Gebot gar nicht möglich.

Persönlich bestätigen die Aktivitäten meine Einschätzung, denn der US Finanzminister kommt ebenfalls zu der Ansicht, dass die toxischen Assets einen höheren inneren Wert haben. Dies ist allerdings unter Ökonomen und anderen Beobachtern heftig umstritten, wie Paul Krugman in seinem Blog schreibt. Gleichwohl ist Geithner der Überzeugung, dass die toxischen Assets nur deswegen so niedrig bewertet sind, weil Vertrauen und Finanzierung dafür fehlen.

Ein weiteres Argument, warum sich die mutmaßlichen “Schieflagen” insbesondere der mit US-Immobilienkrediten unterlegten “toxischen” Assets wieder aufrichten könnten, ist der Plan der US-Regierung, Immobilieneigentümer mit verschiedenen Maßnahmen zu unterstützen.  Mit diesen Maßnahmen sollen Kredite umgeschuldet oder Schuldner entlastet werden, damit es nicht bzw. zu weniger Zwangsvollstreckungen kommt.

Natürlich ist der Plan heftig umstritten. So berichtet die Financial Times davon, dass JP Morgan und Wachovia sich ein paar dieser Assets angesehen haben und zu sehr schlechten Werten gekommen sind. Allerdings sind die Daten mit denen die FT JP Morgan und Wachovia zitiert auf Basis dieses Artikels nicht überprüfbar. Hier wird von sehr hohen Ausfallraten selbst bei den Tranchen mit bester Bonität gesprochen. Das halte ich angesichts der tatsächlichen Kreditausfallquoten für unglaubwürdig. Man müsste sich andernfalls fragen, sollten JP Morgan und Wachovia Recht haben, welche Kredite denn dann eigentlich verbrieft wurden und ob hier nicht sogar massiv getäuscht wurde.

Insbesondere in englischsprachigen Medien findet derzeit eine intensive Debatte über Geithners Aktivitäten (für die übrigens eine eigene Website eingerichtet ist) statt, wie z.B. hier im Guardian.  Aber man kann es drehen und wenden, bisher habe ich von keinem besseren Plan gelesen. Alle anderen Pläne erhöhen das Risiko für den Steuerzahler oder für die Banken. Die einzige Alternative wäre, dass der Staat selbst die toxischen Papiere hält und in einigen Jahren mit entsprechenden Zahlungsrückflüssen belohnt wird. Dazu muss er sich aber umfangreiches Know-how aufbauen, wenn er nicht die “Zitronen” erwerben will.

Auf der anderen Seite gibt es bereits erste private Interessenten für das Programm. So will der Investor Wilbur Ross möglicherweise investieren, wie Bloomberg schreibt. Man darf sich natürlich fragen, warum Ross seine Aktivitäten öffentlich bekannt gibt. Andererseits darf man auch annehmen, dass es weitere Interessenten gibt, die keine Posaune verwenden, um ihre Aktivitäten in die Öffentlichkeit zu tragen.

Geithners hat übrigens seine Position nicht aus dem Blick Log, sondern soll sie von Goldman Sachs haben.  Insgesamt zeigen die Aktivitäten und auch Vorschläge aus der Privatwirtschaft, dass die USA wesentlich weiter in ihren Überlegungen zur Lösung eines der Hauptprobleme der Finanzkrise sind. Hier gibt es ganz klar Möglichkeiten, die den Nährstoff für eine Erholung der Märkte bilden können.

Mich persönlich überrascht, dass Geithners Konkretisierung bisher nicht den Weg in die deutsche Wirtschaftspresse gefunden hat. Das ist allein deswegen erstaunlich, weil Geithners Weg auch für Deutschland und Europa ein Ansatz für die Lösung der Bad Bank-Frage sein könnte. Möglicherweise ist die Materie zu komplex und führt daher zu Unverständnis, wie hier bei USNews. Allerdings führt aktuell kein Weg daran vorbei, sich mit dieser Komplexität zumindest in Ansätzen befassen, wenn man zu sinnvollen Lösungsvorschlägen kommen  und kein Geld dabei verschenken will. Ich stehe hier Medien und Banken natürlich gern mit Rat und Tat zur Seite.

Noch reizvoller fände ich es, zusammen mit interessierten Investoren zu prüfen, welche toxischen Assets sich zu welchen Preisen erwerben lassen. Ich bin fest davon überzeugt, dass hier sehr interessante Investitionsmöglichkeiten existieren. Hier sollte man zwar nicht sein gesamtes Vermögen drauf setzen, allerdings sprechen viele Anhaltspunkte für Kaufgelegenheiten. Selbstverständlich muss vorher im Rahmen einer wirtschaftlichen und rechtlichen Due Diligence mit Fachleuten das Kleingedruckte der Papiere bzw. Zweckgesellschaften studiert werden.

Grundlagenbeiträge

Harvard Law and Economics Discussion Paper:How To Make TARP II Work (pdf verschiedene Downloadquellen)

Forbes: Jump-Starting The Market For Troubled Assets (pdf)

ÖB: Lösung der Bankenkrise: Fegefeuer statt Hölle

Weitere Beiträge und Berichte

WsJ: The Morning Leverage

Economistsview: „Jump-Starting The Market For Troubled Assets“

NYT: Two New Plans to Fix the System

Is Geithner Taking Goldman Sachs’ Word That Toxic Assets Are Actually Worth Something?

Toxic assets not good business

RGE Monitor: Going around in circles on the toxic assets

baselinescenario: Did Goldman Sachs Just Win Big?

WSJ: Lloyds, U.K. Agree On Asset Protection

Guardian: Rush to buy government bonds

NYT: Nationalize? Hey, Not So Fast

Goldseek: Toxic Securities – Wanted: Market Based Prices

Sorry, aber außer in einigen Blogs scheint es kaum deutsche Debattenbeiträge zu dem Thema zu geben.

Berichte im Blick Log zu möglichen Kreditausfällen

Noch wenig dramatische Quote bei US-Zwangsvollstreckungen

Toxische Assets: Risikoprämie vs. Ausfallquote

Bundesbank: Wertberichtigungen haben sich von tatsächlichen Ausfallerwartungen entfernt

“Macher der Finanzkrise” kaufen toxische Assets

Betrachtung einer Krise anhand von Kreditausfällen (Beitrag von each trading day)

“Gigantische” Ausfallquoten bei US-Krediten: 98,45% der Verbindlichkeiten werden gezahlt

US-Banken-Rettungsplan: Märkte und Analysten haben Geithners Konzept (noch) nicht verstanden

Beiträge im Blick Log zu den “toxischen” Assets

Bad Bank und toxische Wertpapiere: Kritische Fragen an die Banken

Das Gift für die schlechten Banken (Teil 1): Was steckt in den Bilanzen

Das Gift für die schlechten Banken (Teil 2): Wie giftig ist das Gift?

Der “Giftmüll” der Finanzkrise: Collateralized Debt Obligation

Einmaleins der Kreditderivate

Das Fieberthermometer der Finanzkrise: Credit Default Swaps

Bankenkrise entdramatisieren durch Veröffentlichung von Credit Spreads

Warum die angekündigten Horrorabschlüsse der Banken uns nicht schrecken sollten

Bad Bank: Zitronengeschäfte für den Staat?

Mini-Bad-Banks für Deutschland: Steinbrück muss der Herde folgen und in Zitronen beißen

Berichte zu deutschen Instituten

HB: Ackermann: „Staat muss als Retter bereitstehen“

Wiwo: Bad-Bank-Modelle im Vergleich

HB: Eklat im Aufsichtsrat der Dresdner Bank

HB: Neue Chance für BNP

HB: Wall Street droht Fortsetzung der Talfahrt

HB: Deutsche Bank bekam wohl AIG-Rettungsgelder

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