Zeichen für konjunkturelle Wende mehren sich

by dels on 26. März 2009

In diesen Zeiten traut man sich ja kaum eine solche Überschrift zu wählen. Dennoch muss diese erlaubt sein, wenn selbst der “dunkle Prophet” Nouriel Roubini Licht am Ende des Tunnels sieht:  “there is possibly light at the end of the tunnel,” soll er laut des FT-Blogs Alphaville auf einer Veranstaltung hinter verschlossenen Türen in Mailand gesagt haben. Schade, dass der entsprechende Artikel auf seiner Website unter Verschluss (nur für registrierte Nutzer) gehalten wird.

Und hier die positiven Nachrichten

Gestern haben überraschend starke US-Auftragseingangsdaten aus der Industrie für gute Stimmung zur Börseneröffnung gesorgt. Der Auftragseingang für langlebige Güter legte im Februar überraschend zu (+3,4%). Volkswirte hatten hier mit einem Rückgang gerechnet (-2%). “Die Aufträge für Investitionsgüter ohne Verteidigung und Flugzeugbau stiegen um 6,6 Prozent – das ist der stärkste Anstieg seit März 2004,” ist im Handelsblatt zu lesen.

Bei Investors Inside lesen wir: “Die konjunkturelle Talfahrt im Euroraum hat sich nach Einschätzung der Einkaufsmanager sowohl im verarbeitenden Gewerbe als auch im Dienstleistungssektor im März überraschend etwas verlangsamt. Der Einkaufsmanagerindex (PMI) des verarbeitenden Gewerbes stieg auf 34,0 Punkte von 33,5 im Februar, wie Marktteilnehmer in London am Dienstag unter Hinweis auf die erste Veröffentlichung berichteten. Volkswirte hatten im Mittel dagegen mit einem unveränderten Indexstand gerechnet.”

Und die gleiche Website weist darauf hin, dass in den USA die Hauspreise im Januar auf Monatssicht gestiegen sind. Der gleiche Artikel führt weitere volkswirtschaftliche Indikatoren auf, die auf eine Aufhellung hindeuten. Beobachter nannten lt. Focus den Anstieg des Hauspreisindex zwar positiv, eine Trendwende am Häusermarkt sei dies noch nicht. Dazu seien mehrere Anstiege in Folge nötig. Kritischer betrachtet auch der US-Blog The Big Picture diese Entwicklung. Gleichwohl stiegen auf dem niedrigen Preisniveau die Hauskäufe. Auch hier hatten Volkswirte mit einem Rückgang gerechnet.

Weitere Anzeichen für einen unteren Wendepunkt könnten darin ausgemacht werden, dass die Nachrichten über den Absturz der japanischen Exportwirtschaft kaum noch die Börse in Japan berührt hat. Die Exporte waren im Februar heftig eingebrochen. Das ist klingt dramatisch und ist es auch für viele Unternehmen. Aber uns interessiert die zukünftige Entwicklung.

Die Einbrüche bei Exporten, Produktion etc. in den Monaten Januar und Februar sind nicht überraschend. In diesen Monaten wurden viele Bestellungen aus dem 4. Quartal 2008 ausgeliefert. Bekanntlich waren das die Monate, in denen die Unsicherheit über die Zukunft der Finanzmärkte ihren Höhepunkt erreicht hat. In der Folge hatten viele Unternehmen Bestellungen storniert und Investitionen auf Eis gelegt.

Es liegt einfach in der Sachlogik betrieblicher Prozesse, dass die realwirtschaftlichen Auswirkungen des Finanzmarktkollapses im Januar und Februar besonders stark zu spüren waren. Aufgrund des Reporting-Lags (also der weiteren Verzögerungen durch die volkswirtschaftliche und statistische Berichterstattung) lesen wir erst in diesen Wochen über die realwirtschaftlichen Konsequenzen der Finanzkrise und der Kreditklemme im 4. Quartal 2008.

Eine ähnliche Interpretation lassen die Informationen aus dem deutschen Bauhauptgewerbe zu. Dort ist der Auftragseingang im Januar dramatisch eingebrochen. Aber auch dies ist nicht verwunderlich angesichts der Ereignisse im 4. Quartal, in dem über die Auftragserteilung intern bei den Auftragnehmern entschieden wurde. Statt sich also über diese dramatischen Daten zu gruseln, sollte man lieber auf die aktuellen Aussichten schauen. Und die sind unerwartet freundlich. Die Stimmung im deutschen Baugewerbe hellt sich offenbar etwas auf. Nach einem extrem schwierigen Januar ziehe die Nachfrage seit Februar „deutlich an“, sagte Andreas Geyer, Wirtschaftsexperte des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe, der in Erfurt erscheinenden „Thüringer Allgemeinen“.

Und auch deutsche Firmen sehen rosige Zukunft, wie das Handelsblatt vorübergehend positiv titelt (Spon dazu übrigens: Geschäftsklima verschlechtert sich erneut). Laut dem Geschäftsklimaindex des Münchner Ifo Instituts für Wirtschaftsforschung werde vor allem die aktuelle Lage von den Unternehmen schlechter beurteilt. Die Firmen blicken aber rosiger in die Zukunft. Experten sprechen schon von einer „Trendwende bei den Erwartungen”.

Positive Zukunftsindikatoren

Aktuell ist jedenfalls auffällig, dass rückwärtsgerichtete Indikatoren sehr negative Werte aufweisen und in die Zukunft gerichtete Signale positiver ausfallen.

Es könnte sich also das bewahrheiten, was einige Ökonomen bereits im Januar gesagt haben: Hohe Unsicherheit bremst die Konjunktur nur kurz. Schon nach wenigen Monaten lichtet sich der Nebel wieder. Und dann kommen viele Firmen gar nicht darum herum, wieder zu investieren und neues Personal einzustellen, weil in der Zeit, in der sie die Luft angehalten haben, Nachholbedarf entstanden ist.

Dieses Verhalten ist auch unternehmensstrategisch nachvollziehbar. Ein Unternehmer, der nun voll auf die Bremse tritt, muss damit rechnen im nächsten Aufschwung hinterherzufahren. Viele Unternehmen haben dagegen die letzten Monate dazu genutzt, sich strategisch neu zu orientieren. Sie nutzen nun die neuen Chancen, die ihnen die Krise etwa durch Übernahme geschwächter Konkurrenten oder günstige Beschaffungspreise bietet.

Ein ausgewogener Artikel würde nun noch auf die aktuellen Risiken eingehen. Aber dies ist ein Blogbeitrag, der nicht den Anspruch erhebt ausgewogen zu sein. Und übrigens habe ich die meisten der hier zitierten Meldungen in den Mainstreammedien mit der Lupe (sprich Suchmaschine) suchen müssen (Ausnahme am Mittwoch das Handelsblatt). Die Homepages von Handelsblatt, Spiegel Online, FAZ und FTD sind derzeit überwiegend extrem unausgewogen in ihrer negativen Berichterstattung. Dem Handelsblatt erschien die Headline über die rosige Zukunft wohl auch zu positiv und neutralisierte sie auf Deutsche Firmen zwischen Hoffen und Bangen.

Nachtrag

Nun wurde am Donnerstag Morgen auch gemeldet, dass das Vebrauchervertrauen trotz der düsteren Nachrichten weiter robust ist. Das Konsumklima sei im März nahezu stabil geblieben, teilte die Gesellschaft für Konsumforschung (pdf) in Nürnberg mit.

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