Schwere Schüsse gegen Management der HSH Nordbank

by dels on 30. März 2009

Wow, solche heftigen Worte gegen einen Bankchef habe ich selten gelesen in den letzten Wochen. Diese kommen vom schleswig-holsteinischen Wirtschaftsminister Werner Marnette (CDU), der von seinem Amt zurückgetreten ist, weil er das Gemuddel um die HSH Nordbank nicht mehr ertragen kann (differenzierter dazu hier). Seine Vorwürfe richten sich auch gegen die Führung der Bank um HSH-Chef Dirk Jens Nonnenmacher. Das Handelsblatt zitiert ihn:

„Die Lage wurde zu lange schöngeredet, die Vorlagen des Vorstands kamen zu spät und waren aus meiner Sicht absolut unzureichend für die Gewährung der Kapitalspritze. Außerdem wurde mir die Einsicht in Bilanzunterlagen verwehrt. Die Informationspolitik des Finanzministers habe ich als Katastrophe erlebt“, sagte Marnette. Scharf kritisierte er auch, dass Nonnenmacher überhaupt zum Vorstandschef der HSH Nordbank bestellt worden ist. „Er war doch als Risikomanager mitverantwortlich für die Geschäftspolitik seit Herbst 2007. Zu mehr Transparenz hat er bis heute nicht beigetragen.“

Ob die Kritik an Prof. Nonnenmacher in dieser Form auch inhaltlich berechtigt ist, lässt sich aus der Distanz schwer beurteilen. Seine Kommunikationspolitik darf man aber als nicht besonders geschickt bezeichnen. Erst vergangene Woche hat der Vorstandsvorsitzende der Bank in einem Interview mit der FAS eine Drohkulisse aufgebaut und die Staatshilfen schöngerechnet.

Die Äußerungen von Marnette lassen aber großen Zweifel an den Aussagen von Nonnenmacher aufkommen. In dem Interview hat Nonnenmacher gute Chancen gesehen, mit den bisher geplanten Staatshilfen über die Runden zu kommen. „Wenn der Weltwirtschaft nicht der Himmel auf den Kopf fällt, dann reicht das Geld“, sagte Nonnenmacher der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ zufolge. „Und wenn er uns auf den Kopf fällt, dann hat die Gesellschaft gravierendere Probleme als das Schicksal der HSH Nordbank,“ zitiert die FTD aus dem Interview.

Frustriert ist Marnette auch von dem Gutachten der Wirtschaftsprüfer der KPMG. Im Interview mit dem Handelsblatt sagte er dazu: „Davon hatte ich mir „Tiefenbohrungen“ in der Bilanz der HSH Nordbank versprochen, vor allem bei den Schiffs- und Immobilienfinanzierungen sowie dem Portfolio toxischer Wertpapiere unter der Bezeichnung „Credit Investment Portfolio“. Das ist dann aber nicht erfolgt.“ Statt eines Gutachtens hat Marnette nur eine Powerpoint-Präsentation des HSH Vorstands erhalten. Transparenz über die toxischen Wertpapiere des Instituts habe er ebenfalls nicht erhalten.

Der Rücktritt von Marnette hat mittlerweile zu einer Regierungskrise in Schleswig-Holstein geführt, so titelte zumindest Handelsblatt Online am Sonntag Abend.

Vergangene Woche hatte der schleswig-holsteinische Finanzminister Wiegard im Kieler Landtag Kritik am Rettungsplan weggewischt und wehrte sich gegen das „oppositionelle Geschwätz“ und gegen „Verschwörungstheorien, die sich als Flop erwiesen haben“.  Die Kritik seines Parteikollegen dürfte da nicht ins Bild passen. Ob Marnette dagegen seine Kritik auch während der Debatte im Kieler Landtag vertreten hat, ist nicht herauszufinden. Das Protokoll der Debatte ist bisher nicht veröffentlicht (sollte hier erscheinen).

Besonders ungewöhnlich ist die Deutlichkeit der Worte, mit der sich Marnette von seinem Amt verabschiedet. Gut möglich, dass die Verschärfung der Situation bei der HSH Nordbank nun doch zu einem Umdenken bei den Landesbanken führt, denn dieser Fall macht einmal mehr klar, dass es weiterhin an einem nachhaltigen Zukunftskonzept der Eigentümer mangelt.

Weitere Berichte zur Krise um die HSH Nordbank

Spon: Minister geht – und rechnet mit Krisenmanagement der Politik ab

CWD: More problems at three European financial institutions

HB: Der Fall HSH ist ein weiterer Hilferuf

FTD: Kieler Wirtschaftsminister geht im Zorn

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