HSH Nordbank-Chef baut Drohkulisse auf und rechnet Staatshilfen schön

by dels on 23. März 2009

Wenn man dieses Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (nur Printausgabe) mit dem Chef der HSH Nordbank, Prof. Dr. Dirk Nonnenmacher, liest, dann verfestigt sich der Eindruck, die Banken haben kaum etwas gelernt aus dem bisherigen Verlauf der Krise. Ich mache dies an zwei Äußerungen des Interviews fest, in dem Nonnenmacher ganz offensichtlich die Tradition der Banken fortsetzt und der Öffentlichkeit Sand in die Augen streut.

Zum einen baut Nonnenbacher eine unglaubliche Drohkulisse für den Fall auf, dass die HSH Nordbank schließen würde. Er bezeichnet dies als Super-Gau nicht nur für Hamburg und Schleswig-Holstein. Auch eine geordnete Abwicklung seines Instituts sieht es als kritisch, weil “die schwächeren Kunden würden mit uns untergehen. ” In diesem Stil geht es noch über mehrere Absätze weiter.  Der habilitierte Mathematiker sieht die Schifffahrtsindustrie, die Werftindustrie und weitere Banken für den Fall eines Aus seiner Bank versinken.

Mit diesen Drohungen will Nonnenmacher offenbar Denkbarrieren für andere Lösungswege seiner schwächelnden Bank errichten. Besonders kreativ ist das nicht, denn alternative Denkansätze für das Bankgewerbe gibt es jede Menge, wie z.B. dieser Aufsatz von Willem Buiter, Professor an der London School of Economics, oder dieser Text von Paul Klemperer, Ökonomie-Professor an der Oxford University, zeigt. Ob diese oder viele andere Ansätze auf die HSH Nordbank anwendbar sein könnten, lässt sich für Aussenstehende zwar schwer beurteilen, gleichwohl sieht sogar der Präsident der Bankenaufsicht des Bundes, Jochen Sanio, Alternativen. Und gerade solche massiven Einschüchterungen verlangen danach, Alternativen zu suchen.

Im weiteren Verlauf rechnet Nonnenmacher vor, dass Hamburg und Schleswig Holstein sogar noch profitieren von den Unterstützungsmaßnahmen, die 3 Mrd. € Kapital und 10 Mrd. € Garantie umfassen. Wenn der Plan funktioniere, führt er aus, dann hätten die Länder durch die aktuelle Rettungsaktion später netto sogar mehr Geld in der Tasche. Er rechnet das so vor:

“Für die zehn Milliarden Euro Garantie zahlt die HSH Nordbank eine jährliche Versicherungsprämie von voraussichtlich vier Prozent. Das entspricht 400 Millionen Euro für die Länder. Die Ländern müssen dafür die Kapitalspritze von drei Milliarden finanzieren, das dürfte sie rund 150 Millionen kosten. Netto bleiben ihnen 250 Millionen Euro.”

Er verschweigt zwar nicht das Risiko, behauptet aber, dies koste dem Steuerzahler kein Geld. Nonnenmacher muss gerade als Mathematiker und Banker wissen, dass das falsch ist. Denn wenn Hamburg und Schleswig-Holstein nicht grob fahrlässig mit ihren Steuergeldern umgehen wollen, dann versichern sie das Risiko, wie dies andere Kredit- und Garantiegeber auch machen, wenn sie das Risiko nicht in ihrem Portfolio “wegdiversifizieren” können. Und bei den Risiken der HSH Nordbank kann von Optimierung des Kreditportfolios sicher nicht die Rede sein. Eine Versicherung von Forderungen gegen die HSH Nordbank über Credit Default Swap (Hintergrund dazu hier) kostete aber am vergangenen Donnerstag 412,5 Punkte pro Jahr oder 4,125%. Damit kostet die Garantie den Ländern 412,5 Mio. Euro. 

Außerdem wird sich die Bonität von Hamburg und Schleswig-Holstein weiter verschlechtern. Ich habe zwar keinen Zugriff auf die Credit Spreads der beiden nördlichen Bundesländer, aber die Stadt- bzw. die Landeskämmerer werden wissen, wie sich die Kreditversicherungen durch die Unterstützung verschlechtern und sich so die Kosten für die künftige Finanzierung ihre Schulden erhöhen.

Um hier nicht falsch verstanden zu werden, die Kritik in diesem Beitrag richtet sich nicht gegen das Rettungskonzept. Dies lässt sich aus der Distanz und ohne Kenntnis der Hintergründe, der Risiken und Verflechtungen gar nicht beurteilen. Die Kritik richtet sich gegen die Erpressung der Öffentlichkeit, die das Handelsblatt letzte Woche auch an anderen Stellen festgestellt hat. Und die Kritik richtet sich gegen eine Kommunikationspolitik der Banken, die nicht begreifen, dass es nicht um weitere Verschleierungen gehen kann, sondern dass das Vertrauen durch Transparenz und Ehrlichkeit hergestellt werden muss .

Immerhin muss man Nonnenmacher anrechnen, dass er nicht wie der gefeuerte Chef der Hypo Real Estate die Schuld für das Desaster nur bei anderen sucht. Für Georg Funke, so die Süddeutsche, seien andere schuld am HRE-Desaster. Die Ratingagenturen, die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers, und die Finanzkrise insgesamt. Nonnenmacher räumt in dem Interview immerhin ein, dass sich die Bank im sogenannten Kreditersatzgeschäft auf ein Feld begeben hat, auf dem sie nichts zu suchen hatte. 

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