Nach den “traumhaften” Börsengewinnen der letzten Wochen zerplatzen gestern zunächst einmal weitere Seifenblasen mit einem großen Plopp. Der DAX knickte heftig ein und folgte damit einer taumelnden Wall Street. Zunehmend verbreitet sich die Erkenntnis, dass die insbesondere von den Banken in den letzten Tagen vorgelegten Zahlen (gestern die Bank of America: BoA) weniger hübsch sind, als dies von den Banken selbst dargestellt wird.
Wie vorsichtig man mit den Daten der BoA umgehen muss offenbaren folgende Details. Der ausgezeichnete Wirtschaftsblog Egghat schrieb in einem Beitrag dazu:
“Gemeldeter Gewinn: 4,2 Milliarden Dollar. Problem:
- 1,9 Milliarden Dollar kommen aus dem Verkauf der Anteile an der China Construction Bank und sind damit einmalig und
- 2,2 Milliarden Dollar kommen aus der neuen Bewertung der Merrill Lynch-Anleihen.”
Was Egghat nicht schreibt, dafür aber die New York Times ist, dass die BoA auch die neuen Buchhaltungsregeln (siehe dazu hier) in Anspruch genommen hat. Bei diesen Regeln geht es im Kern darum, dass bestimmte Aktiva unter bestimmten Umständen nicht mehr zu Marktpreisen bewertet werden braucht. Anhand der Daten bekommt man also nicht wirklich einen Blick darauf, wie es der BoA tatsächlich geht (siehe auch diesen Beitrag von egghat zur Citigroup).
Ein Grund für die angebliche Nervosität an der Börse soll angeblich ein Blogeintrag gewesen sein. Ein US-Blog, den ich nicht kenne und der auch wenig glaubwürdig erscheint, soll gemeldet haben, dass als ein Ergebnis des US-Stresstests der Banken die Mehrheit der Kreditinstitute insolvent sein müsste. Das dürfte sich allerdings schnell als Blog-PR-Ente entpuppen.
Eher darf man annehmen, dass Anleger Angst vor weiteren Abschreibungen im Kreditgeschäft haben. So schreibt das Handelsblatt, die Wirtschaftskrise in Osteuropa belastee die Quartalszahlen vieler europäischer Banken zum Teil massiv. Die Zahl der Kreditausfälle dürfte weiter steigen. Neben österreichischen Banken sind auch zunehmend deutsche Kreditinstitute betroffen. Allein die Commerzbank soll mit rund 27 Milliarden Euro in der Region engagiert sein.
Ob der „Zwischenboom“ damit zu Ende ist, wie es einige vorhersagen, oder die Börsen auf ihrem Weg zur Erholung nur eine Verschnaufpause eingelegt haben, ist wie immer bei Börsenvorhersagen unklar. Zumindest am Dienstag Vormittag sah es so aus, als sei die Talfahrt schon wieder gestoppt.
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