Neuer Beweis für Black Swan-Theorie? Schwan verteidigt Manager

by Dirk Elsner on 23. April 2009

Der „Schwarze Schwan“ beschreibt eigentlich ein Ereignis, das es nicht geben sollte. Ursprünglich verwendete Karl R. Popper das “Schwan-Modell” um seine Wissenschaftstheorie anschaulich zu erläutern. Im vergangenen Jahr bekam der Begriff Auftrieb durch das Buch der Schwarze Schwan von Nassim Nicholas Taleb, einem scharfen Kritiker der Aktivitäten der Wall Street.

Die Assoziation zu diesem Buch kam, als ich im Handelsblatt die Überschrift las: “Schwan verteidigt Manager gegen Kritik”. Ausgerechnet in einer Zeit, in der sich viele Medien, Politiker, Blogger und Bürger auf die Manager richtig eingeschossen haben, positioniert sich ausgerechnet die SPD-Bundespräsidentenkandidatin Gesine Schwan anders als erwartet. Und sie liegt richtig mit ihrer Einschätzung. Im Handelsblatt ist dazu zu lesen: 

“Einfach nur den Managern vorzuwerfen, sie hätten sich schlecht benommen, wäre keine wirklich gute Analyse“, sagte Schwan am Mittwoch in München. Die Globalisierung beruhe auf der Idee des Freihandels, und Grundidee des Freihandels sei, „gemeinsam Grenzen niederzureißen“, sagte Schwan. Die Krise habe viele Ursachen – soziale, ökologische, kulturelle und ökonomische.”

Habe ich geschrieben anders als erwartet: Wenn man genau recherchiert, dann entdeckt man einen Bericht in der TAZ mit dieser Überschrift: “Schwan nimmt Banker in Schutz”. Man erfährt:

“Im Vergleich zu dem Verbalradikalismus, mit dem Horst Köhler neuerdings die Manager schilt oder das Wachstumsdenken geißelt, gab sich die SPD-Kandidatin zahm. "Meines Erachtens können wir nicht auf Wachstum verzichten", sagte Schwan etwa – vorausgesetzt, es finde in den richtigen Bereichen statt. Auch moralische Urteile über die Manager lehnte Schwan ab. "Das sind nicht alles böse Menschen", erklärte sie. "Das System hat sehr dazu beigetragen, dass sie sich so verhalten haben." Diese Erkenntnis erwarte sie von ihren Studenten "in jeder Zwischenprüfung".

Im Grunde kommt damit der “schwarze Schwan” nur für mich überraschend, weil ich mich mit der Kandidatin Schwan bisher gar nicht befasst hatte. Und das vollkommen zu Unrecht, wie ich einräume, denn auch in ihrem Blog finden sich interessante Gedanken zur aktuellen Krise:

“Einen wirklichen Ausweg aus der Krise finden wir deshalb nur, wenn wir umfassend analysieren, wie es dazu kommen konnte, und uns im Anschluss daran neu orientieren. Dazu gehört auch, dass sich die Verantwortlichen aus dem internationalen Bankengeschäfts dazu erklären, wie es zur Finanzkrise kommen konnte und mit welchen Änderungen im System man einer Wiederholung vorbeugen kann. Wenn die Finanzwelt bei uns Kundinnen und Kunden und Bürgerinnen und Bürgern um erneutes Vertrauen wirbt, so können wir dieses nur gewähren, wenn die Verantwortlichen sich ihren Fehlern stellen und diese auch offen legen.”

Der Schwan war also nur schwarz, weil ich mich habe von parteipolitischen Vorurteilen leiten lassen.

Comments on this entry are closed.

Previous post:

Next post: