FTD entdeckt die Behavioral Economics

by Dirk Elsner on 15. Mai 2009

Die FTD macht sich in einer interessanten Artikelserie für neue Modelle in den Wirtschaftswissenschaften stark. Sie stellt dazu in einem Beitrag den bekannten Verhaltensökonom und Nobelpreisträger Daniel Kahneman vor. Kahneman hatte den Nobelpreis u.a. für die mit Amos Twersky entwickelte „Prospect Theory“ erhalten.

Der Beitrag belässt es allerdings bei einem sehr kurzen und oberflächlichen Einblick. Dabei hätte man gerade in diesen Zeiten ruhig mehr darüber schreiben können. So spricht Robert Shiller schon seit 2001 davon, dass sich in der Finanzmarktökonomik ein Paradigmenwechsel abzeichnet. Die Behavioral Economics versuchen das Geschehen in der Wirtschaft unter Einbeziehung der spezifischen menschlichen Verhaltensweisen zu erklären. Dabei werden neben ökonomischen Aspekten explizit auch Methoden und Erkenntnisse der Psychologie und der Soziologie berücksichtigt. Ohne Verständnis für die Behavioral Economics wird das Mindset, das zum Entstehen der Finanzkrise mit beigetragen hat, kaum verständlich.

In einem weiteren Beitrag stellt die FTD fest, dass auch Ökonomen wie wie Shiller inzwischen stärken Einfluss auf die Wirtschaftspolitik haben. Konkret schreibt sie:

„Nicht nur theoretisch, sondern auch in der Praxis bahnt sich damit ein Paradigmenwechsel an. Die Krise hat das lange herrschende Vertrauen in die Selbstheilung der Märkte erschüttert. Ökonomen, die erklären, wie die Welt in die Krise stürzen konnte, erleben eine seltene Aufmerksamkeit. Vor allem wollen Politiker wissen, wie sie aus der Krise herauskommen. Nicht mehr formalisierte Annahmen, sondern praktische Analysen des menschlichen Verhaltens sind daher gefragt. Dafür steht auch der Erfolg des Bestsellers „Animal Spirits“ von George Akerlof und Robert Shiller. Darin beschreiben die US-Ökonomen, wie Herdentrieb negative Entwicklungen an den Finanzmärkten beschleunigt und jene Selbstkorrektur ausbleibt, die es nach etablierter Lehre eigentlich geben müsste.“

Nach meiner Auffassung stellen die Behavioral Economics allerdings bisher kein einheitliches Theoriegebäude bereit. Sie besteht vielmehr aus einer Zusammenfassung verschiedener Themen, wie (Markt-)Fehler, Volatilität, Überreaktion und versucht ex-post individuelles Verhalten zu erklären. Im Prinzip kann man dies als eine Ansammlung von Heuristiken sehen. Diese Forschungsrichtung entwickelte sich aber derzeit aktiv weiter. Aktuell in diese Richtung passt auch das Buch “Animal Spirits – Wie Wirtschaft wirklich funktioniert” gelesen. Darin erklären Robert Shiller und George Akerlof ihre Sicht über die Ursachen von Rezessionen und Finanzkrisen.

Wer sich tiefer in die Behavioral Economics einlesen will, für den gibt es am Ende dieses Beitrags im Blick Log viele Links auf weitere Literatur zum Thema.

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