Opel-Angebote: Bundes-Investmentbanker im Entscheidungswahlkampf

by Dirk Elsner on 25. Mai 2009

Die Staatsinvestmentbanker laufen im Fall Opel zu Höchstform auf. Dass das Rennen um den besten Investor längst nichts mehr mit betriebswirtschaftlicher Realität zu tun hat, wird aus Texten deutlich wie über den “Chefretter” in der FAZ, die den Wirtschaftsminister zu Guttenberg 24 Stunden am Tag für Opel arbeiten sehen, oder ein Interview im Handelsblatt mit Roland Koch, der ganz genau weiß, was ein Investor mitbringen muss.

Derweil streitet sich die Regierungskoalition über Opel. Zu Guttenberg setze angeblich auf Fiat, hält aber auch eine Insolvenz von Opel für nicht ausgeschlossen. Steinmeier bevorzugt den Automobilzulieferer Magna und warnt vor dem Insolvenzgerede. Hessens Ministerpräsident Koch bewertet laut Handelsblatt die Bemühungen Fiats als skeptisch und könne „keine substanzielle Veränderung“ erkennen.

Ich kann weder die mir nicht vorliegen Konzepte der Opelbieter beurteilen, noch will ich die einzelnen Positionen der Politiker bewerten. Ich haben allerdings erhebliche Zweifel an den politischen Prioritäten der Herren Koch, zu Guttenberg oder Steinmeier. Diese befassen sich aus zu durchsichtigen Gründen viel zu intensiv mit den Autobauern und verlieren den Blick für andere Aufgaben. Erschreckend, dass sich darüber niemand ernsthaft aufregt.

Neben Fragen der ministeriellen Zuständigkeit wird wohl auch übersehen, dass weder die Bundesregierung noch die hessische Landesregierung für einen Opel-Kauf erster Adressat ist, sondern GM. Und nicht auszuschließen, dass in den USA auch noch die Obama-Administration ein Wörtchen mitreden will.

Immerhin hat Karl-Theodor zu Guttenberg einen Wunsch des Blick Logs erfüllt und ein mittelständisches Unternehmen besucht. Der “ disziplinierte Herr zu Guttenberg” (Handelsblatt) hat die Lehrwerkstatt des Troisdorfer Maschinenbauunternehmens Reifenhäuser besucht. Zumindest rhetorisch setzte er sich dort lt. General-Anzeiger für den Mittelstand ein:

„Doch der Mittelstand und das Handwerk sind das Rückgrat unserer Wirtschaft“, sagte Guttenberg. Es sei ein positives Signal, wenn ein Unternehmen die Krise zum Anlass nehme und weiter ausbilde, sagte der Minister: „Was Reifenhäuser in dieser Hinsicht auf die Beine stellt, ist beispielhaft.“

Weitere Schlagzeilen zur Autoindustrierettung

HB: General Motors: Der Staat zahlt alles

HB: Fiat legt im Opel-Poker nach

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Spiegel: Problemfall Opel: Steinmeier rüffelt Guttenberg

MM: Guttenberg: Alle drei Opel-Konzepte unzureichend

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NZZ: Hektischer Bieterkampf um Opel

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