Akerlof: Wir brauchen mehr Mathematik, um das Verhalten in der Wirtschaft zu verstehen.

by Dirk Elsner on 14. November 2009

Die FAZ weist George Akerlof als einen der wenigen Ökonomen aus, der die Finanzkrise vorhergesehen hat. Ich bezweifel dies, will das aber nicht diskutieren. George Arthur Akerlof, der Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften und Co-Autor (zusammen mit Robert Shiller) des Buchs “Animal Spirits”, hat der FAZ ein Interview gegeben, aus dem sich lohnt, ein paar interessante Sätze hervorheben:

“Wir glauben momentan entweder, die Krise ist mit Sicherheit vorbei, oder das Gegenteil davon – je nachdem, wie die Nachrichten gerade sind.

Und was sollen wir stattdessen tun?

Etwas gelassener an das Thema herangehen. Jetzt sollten wir uns darüber freuen, dass die Rettungsmaßnahmen für die Banken offenbar funktionieren. Zugleich sollten wir aber trotz allem Pläne in der Tasche haben für den Fall, dass noch etwas schiefgeht.”

Sind bessere Statistiken dann der Schlüssel dafür, eine neue Krise zu verhindern?

Sie sind ein wichtiger Teil, ja. Wir brauchen bessere Zahlen, zum Beispiel über Credit Default Swaps. Sie sollten erst dann gehandelt werden können, wenn das Volumen dieser Transaktionen gemessen wird. Außerdem sollten gerade solche Papiere der gleichen Regulierung unterliegen wie jede Versicherung: Das Ausfallrisiko muss erstens klar und zweitens abgesichert sein.

Akerlof wird neben Daniel Kahneman und Amos Tversky als einer Väter der Behavioral Economics, einem vergleichsweise jungem Ableger der Wirtschaftswissenschaften und beschäftigt sich mit dem Verhalten der Wirtschaftsteilnehmer. Interessant, dass er dafür mehr Mathematik fordert:

“In Wahrheit benutzen die meisten Ökonomen nur relativ simple Mathematik. Deshalb lassen ihre Modelle viel von dem außen vor, was im Leben passiert. Die Ökonomen haben nicht genügend Respekt vor den interessanten Ergebnissen, die kompliziertere Mathematik hervorbringen kann. Wenn wir etwa in unsere Modelle ein komplexeres Menschenbild einbauen wollen, einen Menschen, der Gefühle hat, nicht immer rational agiert, dann brauchen wir mehr Mathematik, nicht weniger.”

Bekannt ist Akerlof übrigens auch für seinen Aufsatz “The Market for Lemons”, der sich mit dem Verhalten bei asymmetrischer Informationsverteilung befasst. Zur praktischen Anwendung siehe “Bad Bank: Zitronengeschäfte für den Staat?”

dels November 15, 2009 um 17:03 Uhr

@enigma
Die amerikanischen Ökonomen, freilich immer die üblichen Verdächtigen, scheuen im Gegensatz zur deutschen Zunft, nicht das Licht der Öffentlichkeit.

enigma November 14, 2009 um 07:05 Uhr

Es gab mal eine Zeit, da konnte ein Wolfgang Stützel schreiben: Es gab kein deutsches Wirtschaftswunder, es gab nur falsche Prognosen! Das war in den 50´er Jahren. Er hat sich dabei auf Lautenbach bezogen. Und wer nicht nachdenken will, kann über diese Zeit vielleicht noch „Marshall – Plan“ nachblubbern. Aber nur dann, wenn wirklich nichts mehr geht!

Sorry, manchmal kann man das Ami – Geschwafel nicht mehr hofieren!

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