Es war Herdenverhalten beim Gold

by Dirk Elsner on 12. Februar 2010

Nun hat es den Goldpreis erwischt. Im November hat der Blick Log angesichts des Hypes um das Gold gefragt, ob sich hier eine Blase bildet und wir Herdenverhalten beobachten können. Damals schrieb ich in meinem Blog u.a.:

“Mich erinnert der Hype um das Gold wieder an das typische Herdenverhalten. Viele Investoren haben scheinbar gleichzeitig einen Anreiz, in einen bestimmten Markt zu investieren und schaukeln sich gegenseitig hoch. Verstärkt wird dies durch eine ausgeprägte Berichterstattung (z.B. gestern auf der Homepage der FTD: Inflationsangst lässt Hedge-Fonds Gold horten) und Analysen (Argumente hier bei Zeitenwende und egghat), die die Investoren bestätigen. Beim Herdenverhalten kommt es zu starken Preisschwankungen, weil die Investoren, gleich einer Herde, einander folgen und dann alle in eine Anlagemöglichkeit hinein oder aus ihr heraus gehen. Christian Hott schreibt in seiner Dissertation (pdf) zum Herdenverhalten: “Hier richten die Anleger ihre Entscheidungen nach den Entscheidungen der anderen Anleger.” So kann der einzige Grund für Käufe einer Finanzanlage darin liegen, dass ihr Preis steigt.”

Nun ist der Hype offenbar vorerst vorbei und der Goldpreis taumelt mit dem Euro nach unten. Den Höchstpreis erzielte das Edelmetall im Dezember mit 1.225 US$ je Feinunze.

Interessant nun, dass “Experten” jetzt wieder einen Sturz unter die 1 000-Dollar-Marke nicht auszuschließen. Dies sind vermutlich andere “Experten” als diejenigen, die das Gold bei 1,500 US$ oder gar 5.000 US$ gesehen haben. Es bestätigt sich nur wieder einmal, dass man für jede Kursbewegung einen “Experten” findet, der im Zweifel den gegenwärtigen Trend verlängert. Plötzlich ist Gold auch nicht mehr der sichere Hafen. “Fliehen Anleger aus riskanten Anlagen wie Aktien, dann auch aus Gold. Grund dafür ist, dass immer mehr spekulative Investoren Gold als Anlage entdecken,” schrieb in der vergangenen Woche das Handelsblatt.

Die auf Gold spezialisierten Blogs sind weiterhin optimistisch für die weitere Entwicklung der Edelmetalpreise. Der Goldblogger und schreibt: “Anscheinend nutzen viele Investoren jede Schwächephase am Edelmetallmarkt konsequent zum Kauf.” Er würde jedenfalls, wenn er jetzt eine Millionen Euro anzulegen hätte, lieber Gold und Silber kaufen. Eine Kommentierung zu allerjüngsten Schwäche fehlt aber noch. Der Goldblog sieht ebenfalls Einstiegskurse.

Bitte diese Zitate nicht als Anlageempfehlung verstehen. Im November habe ich lediglich einmal eine Strategie von Nassim Nikolas Taleb (Autor von “Der Schwarze Schwan”) anhand des Goldes geprüft. Der hätte wahrscheinlich beim damaligen Preis gesagt, er wisse nicht, wie Gold sich entwickele. Aber wenn man mit einem Schwarzen Schwan beim Goldpreis rechnet, dann sollte man Puts kaufen, die weit aus dem Geld sind. Diese Strategie erwies sich ex-post betrachtet als goldrichtig. Der damals willkürlich herausgesuchte Put der Commerzbank auf den Goldpreis (ISIN DE000CB73VR6), Basispreis 600 USD, Fälligkeit 4.12.2012, notierte damals bei 1,22. Aktueller Preis an der EUWAX 2,25. Wer Taleb gelesen und verstanden hat, der weiß, dass Taleb oft über Jahre solche Strategien verfolgt bis sie irgendwann einen hohen Gewinn versprechen. Dass es hier so früh einen Gewinn gegeben hat, ist wohl … Zufall.

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