Abgebrochener Riesen-Eisberg in der Antarktis könnte Meeresströmungen verändern

by Dirk Elsner on 28. Februar 2010

Eisberg in der Disco-Bucht 1

Treibender Eisberg (Foto: flickr/elke1010)

Obwohl dies ein Wirtschaftsblog ist, gehörte der Beitrag über die Golfstrom Anomalie zu den beliebtesten des Monats. Vor zwei Wochen schrieb ich außerdem darüber, wie Kipp-Punkte das Klima einem Schwarzen Schwan gleichend beeinflussen könnten und damit natürlich auch die Wirtschaft ganz erheblich tangieren.

Die Schlagzeilen zum abgebrochenen Rieseneisberg in der Antarktis dürften sich herumgesprochen haben:   “Nachdem das ältere treibende Exemplar namens B9B den Mertz-Gletscher rammte, brach ein rund 90 Kilometer langer und 30 Kilometer breiter Koloss ab. So etwas komme einmal in 50 bis 100 Jahren vor, sagte der Gletscherexperte Neal Young am Freitag im australischen Rundfunk. Der neue Eisriese hat die Größe Luxemburgs und driftet leicht nach Norden.” (Quelle: Spiegel Online)

Spannend war aber das, was dazu im neuen DRadio Wissen zu hören und zu lesen war:

“Der riesige Eisberg, der in der Antarktis abgebrochen ist, kann nach Ansicht von Forschern Meeresströmungen verändern – und damit sowohl das Wetter als auch das Leben in den Weltmeeren. Der Eisberg, der gestern entdeckt wurde, misst 90 mal 30 Kilometer, ist also etwa so groß wie Luxemburg. Experten befürchten, dass er in den antarktischen Meeren Strömungen unterbrechen kann, die besonders kaltes Wasser in die Ozeane transportieren. Dies könnte auch tausende Kilometer entfernt im Nordatlantik das Wetter verändern. Auch der Sauerstoffgehalt könnte sinken. In der Antarktis kühlt sauerstoffreiches Oberflächenwasser ab und sinkt dadurch in die Tiefe. Dort gelangt es in große Strömungen und verteilt sich wieder in den Weltmeeren. Werden die Strömungen unterbrochen fehlt in den betroffenen Regionen Sauerstoff, und das Leben stirbt ab.”

Die These vom Kipp-Punkt klingt also nicht mehr nach einem Schwarzen Schwan, den wir nie sehen werden. Schneller als gedacht, wird die Gefahr plötzlich greifbar. Freilich kann ich nicht beurteilen, ob hier wieder einmal voreilig dramatisiert wird (Schweinegrippe lässt grüßen) oder tatsächlich eine Gefahr besteht. Hilfreich wäre es, wenn sich Medienvertreter angewöhnen würden, die “Experten” nicht nur nach möglichen Gefahren, sondern auch nach den erwarteten Eintrittswahrscheinlichkeiten befragen würden.

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