Kritik am Smava-Blogwettbewerb fördert Vernetzung der Wirtschaftsblogs

by Dirk Elsner on 28. Februar 2010

Vergangene Sonntag habe ich in einem Beitrag über die Wirtschaftsblogszene noch die mangelnde Vernetzung der Wirtschaftsblogs beklagt. Selten hat ein Beitrag in diesem Blog so viele Kommentare erhalten, was mich außerordentlich gefreut hat. Einen deutlich bedeutenderen Beitrag zur Vernetzung der Wirtschaftsblogger hat aber die Peer-to-Peer-Kreditbörse Smava geleistet. Smava genießt unter den Wirtschafts- oder Finanzblogs hohe Anerkennung und Aufmerksamkeit.

Und ausgerechnet Smava hat mit einem Blogwettbewerb ein kleines Eigentor geschossen und einige Wirtschaftsblogger verärgert. Das ist einigen Blogeinträgen zu entnehmen, vor allem aber meinem Posteingang. Selten hatte ich in so kurzer Zeit mit so vielen Bloggern so viel Kontakt zu einem Thema. Dabei hatte ich mich gar nicht zu dem Thema in meinem Blog geäußert. Nun will ich hier nicht die Korrespondenz offenlegen. Aber zwei Dinge fand ich bemerkenswert:

  1. Die Szene wacht auf, nimmt sich selbst wahr und diskutiert über Qualität.
  2. Die Vernetzung der Wirtschaftsblogs steigt.

Smava hat damit der zart erwachenden Szene einen guten Dienst erwiesen, weil  die Art der Wettbewerbsgestaltung diese Diskussion erst ermöglicht hat. Deutlich hat Lothar Lochmaier, der mit seinem Blog Social Banking 2.0 selbst zu den Finalisten gehört, die Kritik in diesem Beitrag herausgearbeitet.

Zurecht wird kritisiert, dass ausgerechnet der Blog eines Jury-Mitglieds ins Finale gekommen ist. Immerhin hat Smava schnell reagiert und diesen aus den Wettbewerb genommen. Ein weiterer Blogger, der mir schrieb, kritisierte das Abstimmungsverfahren und fand sich zu Unrecht im oberen Feld. Bemerkenswert, dass er sogar Smava vorschlug, den Wettbewerb zu annullieren. Auch Marc Schmidt von den Börsenbloggern formuliert trotz Nominierung in einem Beitrag einige kritische Gedanken und hebt vor allem die manipulierbare Abstimmungstechnik hervor.

Schade, ich hätte gern noch gelesen, was Börsenpoint in dem Beitrag “Die Smava-Lüge” geschrieben hat, aber der Beitrag wurde entfernt. Dieser Beitrag wäre deswegen interessant, weil der vom gleichen Betreiber initiierte Blog Finanztrader derzeit deutlich die Abstimmung anführt. Vielleicht ist die Nichtveröffentlichung aber besser, dass dieser Beitrag nicht erscheint, weil dies die Stimmung noch mehr hochgekocht hätte

Ich kann auch den Frust der Börsenfrau verstehen (freilich nicht den Schuss gegen die Blogger), die zunächst in Führung lag. Ihr wurden Stimmen abgezogen, nur weil mehrfach von der gleichen IP-Adresse abgestimmt wurde. Technisch weisen Computer aus Unternehmen die gleiche IP-Adresse aus, auch wenn von verschiedenen Arbeitsplätzen gevotet wird.

Dennoch denke ich, ein echter Aufreger ist das Thema nicht. Es mahnt freilich, Abstimmung und Preise und vor allem sich selbst nicht zu wichtig zu nehmen, denn “in der “Masse” der verteilten webbasierten Aufmerksamkeitsökonomie“ sind die Wirtschaftsblogger ziemlich unbedeutend, wie Lochmaier dies in einem weiteren Beitrag richtig schreibt.

Die Wirtschaftsblogs sollten sich mit wichtigeren Themen beschäftigen und die Energie, die sie jetzt in die Kritik an Smava stecken, für andere Themen aufheben, die man vielleicht auch einmal gemeinsam verfolgen kann. Es gibt lohnswertere Kritikziele als Smava, deren Geschäftsmodell hier glücklicherweise nicht unter Beschuss steht.

Nachtrag v. 1./2.3.2010

Wie ich höre, macht sich Smava Sorgen um den Ruf des Wettbewerbs, der wirklich die Absicht hat, die Wirtschaftsblogszene in Deutschland zu fördern. Smava hat bereits reagiert und Änderungen zum Prozedere erläutert.

Wie ernst Smava den Wettbewerb nimmt, zeigt sich auch daran, dass man sogar am Wochenende darüber beraten hat und Geschäftsführer Alexander Artopé persönlich versucht, die Blogszene zu verstehen. Dies habe ich bisher noch von keinem Finanzhaus gehört. Aber genau das zeichnet das Web 2.0 aus. Kritik ernst nehmen, sich mit den „Kunden“ befassen und im Zweifel ändern.

Die Emotionen sind schon längst wieder heruntergekocht, wie das etwa auch die Börsenfrau sehr schön ausdrückt. Auch der Blick Log sieht den Wettbewerb sportlich. Ich freue mich über den per Mail und durch Blogbeiträge erhaltenen Zuspruch, derjenigen, die den Blog gern im Finale gesehen hätten (ist aber kein Finanzblog). Das hätte ich ohne den Wettbewerb gar nicht erfahren und ist eine schöne weitere Motivation für den Blog.

Ich habe natürlich meine heimlichen Favoriten, verraten werde ich die aber nicht :-). Aber ich denke, die Blogs spiegeln gut das Spektrum der Finanzblogszene wieder.

Abschließend noch einmal meinen Respekt für die Reaktion von Smava und Danke für die Quasi-Geburtshilfe der Finanzblogszene.

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