Heute will ich der Webschau eine etwas ausführlichere Einleitung gönnen*, denn am Montag hat die Otto-Brenner-Stiftung ein wenig schmeichelhafte Studie zum Wirtschaftsjournalismus veröffentlicht (siehe dazu Beiträge im Spiegelfechter oder im Freitag) . Man kann und sollte über die Ergebnisse streiten, wie das derzeit die Verfasser der Studie mit der dpa bereits tun (weiter Reaktionen zur Studie im Netz).
Als intensiver Konsument von FTD und Handelsblatt kann ich mich der Generalschelte nicht anschließen. Der Blick Log hat auf den Seiten zur Finanzkrise viele gute Hintergrundartikel verlinkt. Insbesondere die Ökonomie-Seiten des Handelsblatt vermitteln eine Tiefe, die einzigartig ist für die deutsche Medienlandschaft.
Gleichwohl stört sehr häufig der unkritische Umgang mit den ewig gleichen „renommierten Fachleuten“ und „angesehenen Experten”, die meist sehr ungefiltert zitiert werden. Gerade in Interviews mit Vertretern aus der Finanzbranche wünscht man sich kritischeres Nachbohren. Als Leser interessiert mich übrigens mittlerweile, ob ein Interview auf Initiative eines Journalisten oder der Presse-Abteilung eines Unternehmens entstanden ist. Persönlich irritierend fand ich, dass gerade im Herbst/Winter 2008/09 die Qualitätstitel dem Boulevard verfielen und viel Furcht verbreitenden. Ich erinnere daran in dem Beitrag „Die ausgebliebene Medien-“Monsterwelle”.
Über mangelnde Vielfalt, Tiefe und Meinungen brauchen sich Medienkonsumenten, die über die Leitmedien hinausschauen, freilich dennoch nicht beklagen. Dies zeigt die unten folgende Webschau der Wirtschaftsblogs (Überblick Wirtschaftsblogs in dieser Mindmap). Darunter sind auch hervoragend zu lesende Texte, wie etwa die vom Journalisten Markus Gärtner, der aus Vancouver auch für deutsche Medien schreibt. Die meisten Beiträge stammen allerdings von Nichtjournalisten, bieten gleichwohl ein umfassendes und interessantes Themenspektrum mit genügend Lesestoff abseits gefälliger “PR-Berichterstattung” oder oberflächlicher Effekthascherei. Wie immer ist dies nur ein kleiner Ausschnitt vieler lesenswerter Beiträge, die allein in den letzten Tagen erschienen sind.
Allerdings werden die meist fachlich sehr versierten Blogs nicht von “prominenten” Kennern oder mit Titeln “dekorierten Fachleuten” geschrieben und sind deswegen nicht zitierfähig. Wenn man nicht durch Zufall, die Bild, die FAZ (dazu Knüwers lesenswerter Beitrag: Wie Frank Schirrmacher sich seine Experten aufbläst) oder ein anderes Leitmedium dazu “gemacht” wird, dann hat man es schwer, diesen Status zu erreichen. Sich auf einen Wirtschaftsblog zu berufen, ist in Deutschland (noch?) nicht angesagt. Von der in den USA zu beobachtende sich gegenseitig befruchtende Zusammenarbeit zwischen Wirtschaftsblogs und Medien ist hier leider weit und breit nichts zu sehen.
Wirtschaftslage und Wirtschaftspolitik
Trimmed-mean Inflation: Trend abwärtsgerichtet
Rohstoff-Wette: Für Rohstoffe spricht immer noch einiges
Die Debatte um höhere Inflation ist nicht gefährlich, sie sollte dringend geführt werden!
Mind the Gap. Pensionsfonds unver-Blümt.
USA: Fed Bilanz
Zahl des Tages (08.03.10): 1.010.000.000.000: Druck auf den US-Immobilienmarkt
Wie man sich an einer Wirtschaftskrise erfreut
Warum die Konjunkturerholung nicht viele Jobs schaffen wird
Banken und Finanzmärkte
CDS-Spreads für G7: Anzeichen deutlicher Entspannung
Banken: Der Staat garantiert – bis er selber zusammenbricht
Liquid Democracy und Finanzen: Aufstand der kreativen Mittelschicht?
Dumme Börsen und das Kopf-Problem
Fed könnte in Insolvenz rutschen
Spekulation ist weder schädlich noch sollte sie verboten werden, auch nicht bei griechischen CDS
Risiken in einer Bad Bank sollten kontinuierlich bewertet werden
Internet-Bezahldienste: PayPal spürt Gegenwind – (nicht nur) deutsche Kunden sind unzufrieden
Dokumentation zur Reform des US-Finanzsystems: Einschränkung des Eigenhandels (Volcker Rule)
Ökonomie
Vorhersagebörsen stellen Expertentum in Frage
Management und Praxis
Heuschrecken wegen Krise auch in 2010 noch nicht kauffreudig
Selbstorganisation – Chance oder Illusion?
Gedanken zur Eigenkapitalfinanzierung 2.0 – Teil 1: Konzeptionelle Vorüberlegungen
Erklärungsmodelle (6): Fraktale Affektlogik
Medien und Web 2.0
Wachhunde oder Lemminge? Der Journalismus und die Finanzkrise
Wirtschaftsjournalismus in der Krise: Ahnungslos, orientierungslos, überfordert
Update Mindmap der Wirtschaftsblogs und ein Blick in die Szene
Social Media und Hotels: das Musterbeispiel “Roger Smith”
Warum ich Google Buzz nicht mehr nutze
Wie Web 2.0 die Finanzbranche verändert
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* Der Textteil des Artikels wurde erweitert und aktualisiert am 11.3.2010
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