Floskel-Bingo: “Experten warnen”

by Dirk Elsner on 11. April 2010

Wenn mich eine Floskel in Presseberichten wirklich stört und immer öfter vor dem Weiterlesen abhält, dann ist es die mit einer vor was auch immer warnenden Experten. Suchen Sie doch einfach mal bei Google News mit diese Floskel. Hier ein kleine Auswahl nur der Ergebnisse vom 2.4.2010:

Ich kann die Abneigung von Nassim Nicholas Taleb gegenüber “Experten”-Zitaten immer besser verstehen. Mittlerweile findet man zu jedem Ereignis und jedem Thema einen “ Experten”, der vor etwas warnt. Äußerst selten macht sich einmal jemand die Mühe und schaut zurück, ob die Warnung gerechtfertigt war. Dabei ist schon auffällig, wie sich die “Experten-Erwartungen“ gerade in der Wirtschaft voneinander unterscheiden. In dem Beitrag “Welchen Crash hätten Sie denn gern?” hat sich der Blick Log zum Anlass der griechischen Schuldenkrise über die düsteren Schlagzeilen und die Untergangspropheten ausgelassen. Darin ging es u.a. um “Experten” die vor vor der Geldvermehrung und andere, die vor einer Deflation “warnen”. Der geneigte und sich aus mehreren Quellen informierende Leser wird so orientierungslos allein gelassen und kann sich eigentlich gleich die Lektüre schenken.

Zurück zu den “Warnungen der Experten”. Eine Warnung ist nach dem Verständnis der Wikipedianer die Vorhersage eines möglichen kommenden Schadens, der aber noch unterbunden oder gelindert werden könnte. Sie lenkt die Aufmerksamkeit auf eine drohende Gefahr.

Mein Nervfaktor gegen viele Warnungen ist wohl auch deswegen hoch, weil meine Abneigung gegen Vorhersagen aller Art schon lange überschritten ist (siehe zuletzt hier).

Wenn eine Warnung auf einer Prognose eines bestimmten Ereignisses oder Verhaltens beruht und die Prognose selbst auf sehr schwachen Beinen steht bzw. nicht einmal mit Nennung der Unsicherheitsfaktoren abgegeben wird, dann tendiert der Nutzwert vieler Warnungen gegen Null oder wird sogar negativ. Ein gutes Beispiel für den negativen Nutzwert einer Warnung war die des ZEW-Präsidenten, Wolfgang Franz, im Februar 2009: Damals habe ich mich gefragt, warum warnt der ZEW-Präsident vor Optimismus? Ich schrieb hier im Blog:

“Da freut sich der Leser über das besser als erwartet ausgefallene Konjunkturbarometer und schon trübt ZEW-Präsident Wolfgang Franz die Aufhellung gleich wieder ein und “warnt vor Optimismus”. Ich frage mich, was er mit einer solchen Warnung bezweckt wird? Will er die Unternehmen, die jetzt eigentlich wieder investieren wollen, noch ein paar Monate von ihren Aktivitäten abhalten und so künstlich den Abschwung verlängern?”

Welche Botschaft soll uns also mit einer “Experten-Warnung” vermittelt werden? Führt vielleicht sogar die Flut von “Experten-Warnungen”, denen wir täglich ausgesetzt sind, dazu, dass wir die wirklich wichtigen und notwendigen Warnungen nicht erkennen oder nicht mehr ernst nehmen? Gab es nicht zu der medial verstärkten Hysterie um die Schweinegrippe bereits unterschiedlichste “Experten-Empfehlungen” von Impfen bis Ignorieren, so dass man sich im Prinzip beliebig verhalten konnte? Aus Sicht irgendeines Experten hat man es wahlweise “richtig” oder “falsch” gemacht. Die unterschiedlichsten Warnungen und gegenläufigen Szenarien von “Wirtschaftsexperten” will ich hier gar nicht wieder aufwärmen.

Bitte aus meiner Abneigung nicht schließen, dass ich gegen jede Art der “Expertenwarnung” bin. So vertraue ich vor allem den “Warnungen” meiner Frau. Die hat nämlich bei den meisten Dingen des Alltags ein erstaunlich hohes “Expertenwissen”

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