Wann platzt die Follower-Blase bei Twitter?

by Dirk Elsner on 7. Juni 2010

This is what happens when you put myself, a bubble recipe and glycerine together.

Eine Seifenblase kurz vor dem Platzen

Twitter gehört ja weiterhin zu den gehypten Social-Media-Tools. Die für den Blick Log sinnvollste Nutzung dieses Tools liegt darin, via Twitter bequem eine Presseschau für den Blog zusammenstellen zu können (siehe dazu hier).

Immer mehr Zweifel an Twitter kommen mir allerdings bei vielen Empfehlungen vieler selbst ernannter Web 2.0-“Experten”, die in dem Zwitscherinstrument für Unternehmen ein ideales Marketing-Tool sehen. Sie erheben die Anzahl der Follower zur neuen Währung des Internets und übersehen dabei die faktische Bedeutungslosigkeit einer großen Anzahl der Follower.

Im virtuellen Schwanzvergleich der Gurus gilt derjenige als erfolgreich, der die meisten Follower auf sich vereint. Um dahin zu kommen, gibt es eine Fülle von Kniffen, die ich mittlerweile für fragwürdig halte. Zu den Maßnahmen gehören in verschiedensten Varianten, dass man selbst möglichst vielen Personen in der Erwartung folgen soll, dass sie einem dann selbst folgen. Tatsächlich ist dies auch der Fall. Geschätzt zwischen 50% und 80% der Verfolgten folgen zurück. In der Praxis kann man so also 50.000 Personen folgen und erhält dann selbst zwischen 25 und 40.000 Follower. Dass sich diese Follower alle tatsächlich für die Inhalte der Tweets interessieren, glaubt heute niemand mehr.

Zahlreiche Follower folgen also nur, um auf sich aufmerksam zu machen. Folgt man ihnen nicht zurück, dann sind sie nach ein paar Tagen wieder weg. Ein echtes inhaltliches Interesse besteht hier also eindeutig nicht. Welchen Wert haben solche Follower tatsächlich? Will man solche Follower wirklich haben?

Folgt man vielen Personen, um sie als Follower zu gewinnen, hat dies außerdem den Nachteil, dass die Timeline mit immer mehr Tweets überflutet wird, die überhaupt nicht interessieren. Die Idee von Twitter, nämlich konzentriert Informationen aus seinem “Netzwerk” nebst interessanten Zusatzquellen zu erhalten, geht so vollkommen verloren. Die wirklichen Informationsperlen verschwinden im Rausch der Belanglosigkeiten. So würde mich tatsächlich interessieren, ob der twittcoach mit über 39.500 Verfolgten überhaupt seine Timeline liest. Ich glaube das nicht. Immerhin erlaubt Twitter seit einiger Zeit durch die Listenfunktion die wirklich relevanten Twitterer in einer eigenen Timeline zu sichten.

Ich denke, die Twitterfans werden bald merken, dass sie eine großer Follower-Blase aufgepustet haben, die irgendwann platzt. Dies gilt vor allem deswegen, weil Twitter von den meisten kommerziellen Nutzern, die ich wahrnehme, nicht als Social Media-Instrument, sondern als einseitiger Kommunikationskanal genutzt wird. Das ist vollkommen in Ordnung, weil so Informationen gut verteilt werden können, mit Social Media hat das freilich wenig zu tun.

Zum Fehlen überzeugender Social-Media-Konzepte von Unternehmen war auch vor einigen Tagen ein interessanter Beitrag auf Carta zu lesen.

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