Die große Finanzierungsklemme beginnt spätestens 2013 – Fundingschlacht ist bereits gestartet

by Dirk Elsner on 28. September 2010

Irgendwie scheinen sich mittlerweile auf den Finanzmärkten alle lieb zu haben. Zumindest soll das die Öffentlichkeit denken. Dabei trügt der Schein ganz gewaltig. Intern rüsten sich nämlich schon längst die großen Kreditinstitute, institutionelle Investoren und Kapitalsammelstellen für die große Fundingschlacht.

Gefahr droht in den nächsten Jahren von der Summe an Anforderungen, mit denen verschiedenste Institutionen, Unternehmen und Banken um ihre Finanzausstattung (Funding) kämpfen werden. Schaut man auf die Big Points im globalen Funding-Spiel der nächsten Jahre, dann kann einem schon schwindelig werden. Hier einige Punkte, die in den nächsten Monaten und Jahren die Kapitalengpässe in Europa deutlich verschärfen werden. Leider habe ich keine genauen Zahlen für die einzelnen Punkte zur Verfügung, vielleicht hilft der eine oder andere Leser mit Informationen und Quellen:

  • auslaufende Garantieanleihen öffentlicher Banken, die bei Refinanzierung mit zusätzlichem Eigenkapital unterlegt werden müssen: 300 bis 500 Mrd. €
  • verschärfte Eigenkapitalanforderungen durch Basel III zwischen 100 und 150 Mrd. €
  • auslaufende KFW-Garantien für Unternehmen 50 – 100 Mrd. €
  • fällig werdende Unternehmensanleihen, die in Rekordzahl in 2009 begeben wurden
  • Auslaufende SoFFIN-Garantien (lt. SoFFIN sind 150 Mrd. EURO an Garantien offen für Laufzeiten zwischen drei und fünf Jahren, Danke an Jens)
  • Anschluss für LBO-Finanzierungen von Beteiligungsgesellschaften und Exit-Strategien: ca. 300 Mrd. für Europa, 800 Mrd. USA (Danke an Nigecus)
  • Steigender Finanzierungsbedarf der Wirtschaft durch Wachstum (Investitionen und Betriebsmittel)
  • auslaufende Mezzanine-Programme für mittelständische Unternehmen
  • fällig werdende mittelfristige Kredite und Kontokorrentzusagen

Ich könnte mir vorstellen, dass in der Summe die 2 Billion-Euro-Grenze geknackt wird. All diese Punkte bedürfen einer Refinanzierung bzw. einer Anschlussfinanzierung. Klar, da wo Gelder fällig werden, da verfügen Investoren auch wieder über Mittel, die wiederum Anlagemöglichkeiten suchen, so dass man hier nicht von einem Fehlbetrag sprechen kann. Aber die Strukturen der Refinanzierung werden sich dennoch drastisch ändern. Die Deleveraging-Elemente von Basel III werden außerdem das Kreditwachstum begrenzen. Darüber hinaus werden wir ganz sicher neue Formen der Finanzierung jenseits des traditionellen Bankensystems erleben. Dies dürfte der spannende Teil der neuen Entwicklung sein und den Regulatoren neues Kopfzerbrechen bereiten.

In den nächsten Jahren werden wir also ein sehr rasantes und spannendes Funding-Rennen sehen, bei dem Unfälle nicht ausbleiben dürften. Und ich vermute, die ganz smarten Akteure sind bereits in der Vorbereitung, um sich die Poolposition zu sichern.

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