Steve Jobs Krankheit vernichtet 12 Milliarden an Börsenwert von Apple: iGod darf nicht alternativlos sein

by Dirk Elsner on 21. Januar 2011

imageWow, das ist eine Hausnummer: “Apple verliert zwölf Milliarden an Börsenwerttitelte das Handelsblatt auf seiner Website. Bei einem Gesamtmarktwert von 311 Mrd. US$ relativiert sich die Zahl aber ein wenig. Bis gestern Abend sich die Aktionäre noch nicht von dem ersten Schock erholt.

Liest man die Berichte über den krankheitsbedingten Rückzug von Steve Jobs aus dem operativen Management von Apple, dann hat man den Eindruck, ohne Jobs laufe nichts in dem Unternehmen aus Cupertino. Ich denke, in dieser Betrachtungsweise könnten es mindestens zwei Denkfehler liegen.

Der erste liegt darin, dass “die Märkte” offenbar erwarten, wäre Jobs gesund geblieben, Apple könne jährlich solche Scoops wie mit iPhone, iPad und iPod wiederholen. Tatsächlich lassen sich die Erfolge aus der Vergangenheit nicht einfach hochrechnen. Selbst wenn Jobs, den ich für einen genialen und nicht kopierbaren Unternehmer halte, am Ruder geblieben wäre, garantiert dies noch lange nicht die stetige Wiederholung des Erfolg.

Der zweite Irrtum besteht in der Annahme, dass der iGuru nicht im Management seines Unternehmens vorgesorgt habe. Steve Jobs ist vor allem eine im Rampenlicht stehende Persönlichkeit, auf die vor allem Journalisten und eingefleischte Apple-Fans achten. Ob er sein Unternehmen ebenfalls so einseitig auf seine Person zugeschnitten hat, darf bezweifeln werden. Schließlich handelt es sich ja nicht um den ersten Rückzug von Jobs.

Jobs wichtigster Vertreter, Tim Cook, hat ihn bereits 2009 ganz hervorragend vertreten. Und in diese Zeit fiel bekanntlich die Marktreife des iPads. Jobs hat außerdem weder Design noch Technik zum iPad beigesteuert. Und trotzdem ist der iPad der vielleicht deutlichste Einführungserfolg einer neuen IT-Geräteklasse.

Apple wird ohne Steve Jobs operativ ganz sicher über die Runden kommen, da bin ich ganz sicher. Ob Apple deswegen erfolgreich bleiben wird, ist damit längst nicht klar. Klar wäre es freilich ebenfalls nicht, ob Apple auf Dauer mit Steve Jobs erfolgreich gewesen wäre. Das mögen seine Anhänger zwar behaupten, es gibt aber keinen Grund anzunehmen, dass Jobs seine Erfolge bis an das Ende seines Lebens wiederholen kann.

Ich bleibe daher bei meiner These aus dem vergangenen Jahr (und freue mich schon auf den Kommentar von egghat), als mir der iHype zu viel war. Damals setzte ich auf eine Apple-Blase, die irgendwann platzen wird. Von damals bis heute lag ich meilenweit daneben. Meine damals angedachte Short-Strategie ist jedenfalls kräftig nach hinten los gegangen. Aber vielleicht setzt mit dem Rückzug von Jobs nun endlich eine etwas nüchterne Betrachtung des kalifornischen Vorzeigeunternehmens ein. Eine Betrachtung, die ebenfalls notwendig getan hätte, wenn Jobs am Ruder geblieben wäre. 

SZ: Analyse: Krankheit rückt Apple-Management ins Rampenlicht: Steve Jobs, der charismatische Gründer von Apple, steht wie kein zweiter Firmenchef für den Erfolg seines Unternehmens.

FR: Tim Cook: Solider Manager ist der Kronprinz bei Apple: Der Chef hat sich krank gemeldet – jetzt soll wieder Tim Cook den Konzern Apple führen. Der hat sich bisher zwar nicht als Showtalent präsentiert – wird …

Standard: Ein ganzes Team in Steve Jobs Fußstapfen: Steve Jobs‘ Ankündigung, erneut eine Auszeit aus medizinischen Gründen zu nehmen, hat die Branche ins Jahr 2009 zurückversetzt. Vor zwei Jahren nahm sich …

Welt: Das heimliche Genie von Apple: Normalerweise steht Tim Cook tief im Schatten der übergroßen Figur von Steve Jobs, des Apple-Gründers, Chef-Visionärs und begnadeten …

WSJ: Absence Tests Apple’s Executive Bench: Jobs’s latest medical leave from Apple renews questions about the depth of the company’s executive bench

SZ: Apple-Gründer zieht sich vorerst zurück Steve Jobs: Sein schwerster Gang: Apple ist Steve Jobs, Steve Jobs ist Apple: Weil die Krankheit den Visionär aus dem Silicon Valley übermannt, drohen seinem Unternehmen unruhige Zeiten. Auch wenn Vize Tim Cook übernimmt: Die Nachfolgefrage ist völlig offen.

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