Impressionen vom Umstieg von Windows Mobile 6.5 auf Android 2.3 (Teil 2): Intelligente Integration der Dienste

by delsn on 10. April 2011

Ich habe gestern bereits gestanden, dass mich der Umstieg von meinem alten HTC-Handy, ein MDA V auf das Google Nexus S von Samsung [Amazon Link] fasziniert. Den eigentlichen Unterschied zwischen den Geräten macht die Software also das Betriebssystem nebst den dafür erhältlichen Programmen, die neuerdings Apps heißen, aus.

Früher hat sich manch einer gewundert, was Google mit dem Sammelsurium an Diensten und Services anstellen will, die sich der Suchmaschinengigant zusammen gekauft hat. Viele der Google-Dienste findet man mittlerweile vereint und intelligent vernetzt auf dem Smartphone unter Android 2.3 wieder.

Beispiel Picasa. Ursprünglich war Picasa nur ein ordinäres Fotoverwaltungsprogramm, mit dem man seine Fotos auf dem Desktop-Rechner sortieren und ein wenig optimieren konnte. Mittlerweile kann man damit Fotos online verwalten lassen und hat mit der Picasa-App Zugriff auf seine private Fotosammlung. Man kann sich also auch den Umweg über eine SD-Karte sparen.

Gerade das Fehlen eines SD-Slots wird ja an dem Nexus S kritisiert. SD-Karten passen freilich gar nicht in das Konzept dieses Smartphones. Das Gerät mit satten 16 Gigabyte internen Speicher ist konsequent auf die online-Nutzung ausgelegt. Wer mehr Platz benötigt, der speichert sie in der Cloud z.B. über SugarSync  und kann sie so von diversen Geräten nutzen (siehe dazu “Meine letzte Festplatte oder warum ich endlich in die Cloud möchte”). Man macht sich dadurch natürlich abhängig von einer permanenten und überall verfügbaren Netzanbindung.

Es ist die Integration der Dienste, die einen wesentlichen Reiz des Nexus S ausmacht. Ein Foto mit der Kamera und Sekunden später hat man es privat in seiner Picasa-Sammlung oder öffentlich via Facebook oder Twitter verbreitet. Klar, für Apple-Nutzer ist das ein alter Hut, mich fasziniert dies, weil dies unter Windows 6.5 nur mit großen Verrenkungen möglich war.

Weitere Beispiele für die intelligente Integration bieten die location based service, also standortbezogene Dienste. Ist man mit dem Auto unterwegs und sucht eine Tankstelle. Kein Problem: Google Maps Places-App aufrufen, “Tankstelle” in das Gerät sprechen, Tankstelle in der Nähe antippen, auf den Navigationsbutton klicken und schon startet die Navigation vom aktuellen Standort und weist den Weg zu der Tankstelle. Einfacher geht es nicht. Ein separates Navigationsgerät oder gar teure Software, die man, wie früher unter Windows Mobile, erst umständlich installieren, überspielen und registrieren musste, ist nicht mehr notwendig. Genauso einfach findet man Telefonnummern: In das Google Such-Widget tippt oder spricht man den Namen ein. Findet Google den Eintrag und erhält dieser eine Telefonnummer, kann man diese sofort anklicken und das Telefon wählt. Kann Apple das noch fixer lösen?

Überhaupt ist die Spracherkennung des Nexus S ein echtes Highlight. Überall, wo Texteingaben möglich sind, können alternativ die Texte gesprochen werden. Die Erkennungsengine ist übrigens nicht auf dem Gerät installiert, sondern holt sich die Transformation aus dem Netz. Das geht dennoch in jedem Fall schneller und und von den Erkennungsraten besser als mit meiner Desktop-Spracherkennung, deren Installation mich Tage gekostet hat. Erkennungswunder darf man allerdings auch von Google nicht erwarten.

Überflüssig hier zu erwähnen, dass die Integration von Mail-, Kalender- und Kontaktdaten mit Exchange problemlos klappt. Fein ist ebenfalls die Informationsversorgung über den Google Reader. Ich habe mittlerweile vier selbst gestaltete RSS-Nachrichtenstreams (Wirtschaftspresse, deutsche Wirtschaftsblogs, englische Wirtschaftsblogs und Android, Tablets und Co). Über den Reader kann ich sie bequem einlesen und habe meine gesamte Informationsversorgung dabei.

Die androide Welt macht Spaß und offenbart daneben auch praktischen Nutzen, der eine Menge Zeit ersparen kann. Kritisch am Nexus S ist der Akku, mit einer viel zu kurzen Lebens- und zu langen Ladedauer. Das Gerät ist für die intensive Nutzung ausgelegt. Peinlich, wenn man Zugticket oder Bordkarte nicht vorzeigen kann, weil der Akku schlapp gemacht hat. Ohne Internet-Flatrate braucht man sich das Gerät übrigens gar nicht erst zulegen. Im Hintergrund, und das halte ich ebenfalls für bedenklich, verbinden sich ständig irgendwelche Dienste mit dem Netz. Über die “freiwillige” Unterwerfung unter Orwellsche Dimensionen übersteigende Überwachungs- und Manipulationsmöglichkeiten der eigenen Daten sollte man sehr ernsthaft nachdenken. Immerhin kann man dies durch Abschalten der Dienste unterbinden. Dennoch würde ich mir wünschen, dass bei Vorstellung neuer Apps wesentlich deutlicher auf den Datenverkehr und die Missbrauchsgefahr hingewiesen wird, was Google übrigens selbst leistet in seinem Appstore.

Soweit ein paar und längst nicht alle Impressionen. Die neue Smartphonewelt verändert unseren Alltag und sie wird, auch wenn ich davon in diesen Beiträgen nichts geschrieben habe, unsere Arbeitswelt nachhaltig verändern.

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