Umschuldung Griechenlands rückt näher – Diskussion über das Wie des Haircuts hinter verschlossenen Türen

by Dirk Elsner on 10. April 2011

Verfolgt man die Meldungen in den letzten Tagen, dann scheint die Umschuldung Griechenlands nicht mehr eine Frage von Monaten, sondern von Tagen, höchstens von ein paar Wochen zu sein. Dies wird sich auch dadurch nicht ändern, dass die EU eine Umschuldung Griechenlands am vergangenen Wochenende mal wieder ausgeschlossen hat.

Die Stimmen, die sich derzeit für eine Restrukturierung der griechischen Staatsschulden aussprechen werden immer gewichtiger. Nach SPIEGEL-Informationen sind die Überlegungen für eine Umschuldung Griechenlands viel weiter gediehen, als die Verantwortlichen in der Euro-Zone dies offiziell zugeben. Zwischen EZB und einzelnen Finanzministern wird hinter den Kulissen heftig gerungen. Am vergangenen Freitag hat sich Deutsche-Bank-Vorstand Fitschen aus der Deckung gewagt und gesagt, die Deutsche Bank erwarte ein Umschuldung in Griechenland.

Natürlich kann offiziell nicht über das Für und Wider eines Haircuts in der Öffentlichkeit spekuliert werden. Eine solche durch Finanzminister oder gar Vertreter der EZB oder andere Zentralbanken geführte Debatte würde die Unsicherheit noch weiter erhöhen. Hinter den Kulissen wird aber sicher nicht mehr über das Ob diskutiert, sondern über das Wie, sowie die technische Durchführung. Außerdem wird man sich in der EURO-Zone überlegen, wie man diesen Haircut der Öffentlichkeit “verkauft”, hatte man doch bisher stets versichert, die Krise ohne Umschuldung lösen zu wollen.

Das Wie der Umschuldung griechischer Staatsanleihen ist nicht trivial, sondern bedarf sorgfältiger Überlegungen, wie man die Anleihekonditionen verändern kann. Bei einer Umschuldung müssen private Gläubige, im Falle Griechenlands nach Angabe der NZZ vor allem deutsche und französische Banken, auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten oder längere Zahlungsfristen akzeptieren. Jüngst erinnerte die NZZ an den Brady-Plan. Der US-Finanzminister Nicholas Brady handelte 1989 mit Mexiko und den privaten Banken einen Umschuldungsplan aus (siehe auch Artikel im Spiegel von 1989). Den Banken wurde damals ein Menu an standardisierten Umschuldungspaketen angeboten, erinnert sich die NZZ. Weiter schrieb die Zeitung zu der Umsetzung des Plans:

“Die Gläubiger konnten wählen zwischen Discount-Bonds, bei denen sie auf rund ein Drittel ihrer Forderungen verzichten mussten; dafür erhielten sie höhere Zinsen als der gültige Libor über 30 Jahre Tilgungszeit. Bei den Par-Bonds verzichteten die Gläubigerbanken nicht auf ihre nominellen Forderungen, erhielten jedoch niedrigere Zinsen als am Markt. Um den Gläubigern den Einstieg schmackhaft zu machen, garantierte das US-Schatzamt die Zinsen und die Tilgung der Brady-Bonds, welche wiederum durch den IMF, die Weltbank und die japanische Eximbank abgesichert wurden. ”

Dieser Plan wird nicht natürlich nicht 1:1 kopiert werden, aber so etwas in dieser Richtung werden wir sehen. Über diesen und andere Vorschläge war in den letzten Wochen viel zu lesen:

Ein Artikel, der sich etwas tiefer und kritischer mit dem Brady-Plan befasst, ist THE BRADY PLAN AND MARKET-BASED SOLUTIONS TO DEBT CRISES. Allgemein zum Hintergrund des internationalen Konsortialkreditmarktes ein Beitrag der BIS: Struktur, Entwicklung und Bedeutung des Marktes für Konsortialkredite (2004)

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