Live-Ticker zur EURO-Schuldenkrise: Will Griechenland die Eurozone verlassen oder umschulden?

by Dirk Elsner on 7. Mai 2011

Seit Monaten gehen sich Medien, Fachleute, Politiker und Vertreter von europäischen Institutionen gegenseitig auf die Nerven wegen des Umgangs mit der griechischen Überschuldung und den Spekulationen über eine Umschuldung. Die eine Seite behauptet fest, es gebe keine Probleme und Griechenland werde alle Schulden begleichen. Das Gerede um den sogenannten Haircut sei Quatsch, verantwortungslos und werden von den Banken bewusst gesteuert. Auf der anderen Seite finden wir jede Menge “Finanzexperten”, die schon genau wissen wollen, wie die Umschuldung Griechenlands technisch durchgeführt wird. Es lohnt sich eigentlich nicht, diese schrille Diskussionen zu verfolgen, wenn es nicht um so viel Geld, unser Geld, gehen würde.

Die Qualität der Informationen steht, wie übrigens schon bei der Bankenrettung, wieder einmal in einem umgekehrten Verhältnis zum Risiko für die europäischen Steuerzahler. Europäische Politiker und Institutionen decken uns mit Nebelbomben zu und fördern gleichzeitig Gerüchte durch ominöse Geheimtreffen. Gestern soll es auf einem solchen konspirativen Treffen wieder einmal um Griechenland gegangen sein. Diverse Medien mutmaßen auf Basis eines Berichts auf Spiegel Online sogar, es ginge um den Ausstieg Griechenlands aus dem Euro, was aber mittlerweile von der EU dementiert wurde.

Handelsblatt: Wilde Gerüchte um Griechenland vor einem geheimen Krisentreffen: Die Finanzminister von wichtigen Euro-Ländern treffen sich heute offenbar, um über die Schuldenkrise zu sprechen. Die Geheimniskrämerei rund um das Treffen hat Gerüchte geschürt, Griechenland wolle die Euro-Zone verlassen.

Spon: Milliarden-Schulden – Krisentreffen zu Griechenland erschüttert Euro-Zone: Sorge um den Euro: Bei einem Geheimtreffen in Luxemburg wird nach Informationen von SPIEGEL ONLINE über die Zukunft Griechenlands in der Gemeinschaftswährung beraten. Die Finanzmärkte reagierten nervös. Verabschiedet sich Athen aus der Euro-Zone?

FTD: Griechenland in Not Europa kämpft wieder gegen die Staatspleitenpanik: Kommt ein Schuldenschnitt Griechenlands? Ein "Spiegel"-Bericht über eine noch radikalere Lösung sorgt für Aufruhr. Der finanziell angeschlagene Staat soll angeblich erwägen, zur alten Landeswährung zurückzukehren. Athen, Berlin und Brüssel dementieren. Der Euro verliert.

FAZ: Zukunft GriechenlandsGeheimtreffen von EU-Finanzministern und Kommission: Am Freitagabend soll es nach Informationen der F.A.Z. ein prominent besetztes Treffen über die Zukunft Griechenlands geben. Die Nachrichten über die Tagesordnung gehen auseinander. Dementiert wurden Gerüchte über den Austritt Griechenlands aus dem Euro

Was auch immer dieses Treffen und die nächsten Tage bringen, der Blick Log bietet wieder einen Liveticker mit den Tweets der TOP-Wirtschaftsmedien dazu. Die Meldungen können hier auch als RSS-Feed gelesen werden kann.

Eric B. Mai 9, 2011 um 13:02 Uhr

Die entscheidende Frage ist nun: Hat Berlin dazu gelernt? Die Bundesregierung hat der Griechenland-Hilfe von Anfang an ihren restriktiven Stempel aufgedrückt; zudem hat sie sie zum Muster für andere hoch verschuldete Länder wie Irland und Portugal erklärt. Wenn man in Griechenland erfolgreich umsteuert, besteht auch für die anderen Krisenländer Hoffnung. Wenn Griechenland scheitert, wackelt die gesamte Währungsunion.

Die ersten Reaktionen aus Berlin machen wenig Mut. Merkel schweigt zum neuen Griechenland-Debakel, Bundesfinanzminister Schäuble hat sich mit seiner Geheimniskrämerei in Luxemburg unglaubwürdig gemacht (wie übrigens alle Teilnehmer). Wie immer in der Schuldenkrise überlässt die Bundesregierung deutschnationalen Einpeitschern der Bild-Zeitung oder den chronisch unzuverlässigen Dampf-Journalisten von Spiegel online das Feld, statt sachlich zu informieren.

mehr auf lostineurope.posterous.com

Eric B. Mai 7, 2011 um 11:21 Uhr

Überraschend käme eine Umschuldung nicht: Denn mit bis zu 25 Prozent Zinsen verlangen die Finanzmärkte absurde Mondpreise für griechische Staatsanleihen, die einer Bankrotterklärung gleich kommen und eine Rettung Griechelands utopisch erscheinen lassen. Dass die Rendite so in die Höhe schoß, ist nicht zuletzt Schäuble zu verdanken, der Mitte April mit leichtfertigen Äußerungen für Verwirrung an den Märkten sorgte. Seither haben sich die Märkte nicht mehr beruhigt. Deutschland ist auch mit Schuld an der desolaten Lage der griechischen Staatsfinanzen…

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