Der leider im Januar dieses Jahres verstorbene Clayton M. Christensen ist bekanntlich der Vater des Klassikers der Managementliteratur “Das Innovators Dilemma”. Darin hat der Harvard-Professor die These herausgearbeitet, dass gut geführte Unternehmen sich lieber auf das obere Ende ihrer Märkte konzentrieren. Dort sind die Volumina groß und die Margen hoch. Christensen bezeichnet als „Einrast-Prinzip“ oder “Aufwärtsmigration” ein Phänomen, dass Unternehmen eher den Einstieg in High-End-Märkte forcieren, als im Low-End-Bereich zu investieren. Das untere Ende ist eher durch Preiskämpfe und niedrige Margen gekennzeichnet. Manager würden schwer plausible Argumente finden für einen Eintritt in neue, schlecht definierte Low-End-Märkte mit zunächst niedrigen Gewinnaussichten und gegebenenfalls sogar hoher Unsicherheit. High-End-Märkte hingegen locken mit Wachstums- und Gewinnchancen.

Mit Christensens Ansatz lässt sich die Beobachtung in der Finanzbranche erklären, dass viele Finanzhäuser mit den jungen Fintechs nicht um kleine und neue Märkte kämpfen wollen. Das kann nach Christensen zum Nachteil werden, wenn so disruptive Innovationen unterschätzt werden. Kleinteilig, riskant und zunächst mit geringen Gewinnaussichten begannen einst auch die Geschäfte im E-Commerce. Heute haben sich dort relativ junge Finanzdienstleister wie Paypal, Wirecard und Adyen etabliert und zeichnen sich durch Unternehmenswerte im zwei- und dreistelligen Milliardenbereich aus.

Um die Aufwärtsmobilität am Beispiel der Unternehmensfinanzierung geht es in meiner aktuellen Kolumne für Capital, die unter dem Titel erschienen ist.

Fintechs arbeiten sich in der KMU-Finanzierung nach oben

In der Kolumne geht es außerdem darum, dass es zwar nicht das primäre Ziel von Google, Apple, Facebook und Amazon (GAFA) ist, Banken ihr Geschäft streitig zu machen.  aber mit Bankdienstleistungen als Nebendienstleistungen wollen sie ihr Kerngeschäft stabilisieren.

Aber auch die etablierten Finanzunternehmen sind längst nicht mehr abgeneigt, auch in Low-End-Märkte zu investieren. Darauf gehe ich am Beispiel einer prominenten Investmentbank ebenfalls ein.

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Keine Frage, das Thema Blockchain und Kryptowerte hat den Mainstream erreicht. Das Handelsblatt titelte Mitte Januar „Die Anarchie an den Kryptomärkten endet“. Ein Grund dafür liegt darin, dass sich Begriffe wie Kryptowert und das Kryptoverwahrgeschäft seit dem 1. Januar 2020 im deutschen Kreditwesengesetz wiederfinden und damit Regulatoren sowie alte und neue Finanzwelt beschäftigen. Das Kryptoverwahrgeschäft hat als neue Finanzdienstleistung Eingang in das Kreditwesengesetz gefunden. Die Tokenisierung von Vermögensgegenständen wie Aktien, Anleihen, Fonds, Immobilien und verschiedene Schuldtitel das Finanzgeschäft bekommt dadurch weiteren Auftrieb.  Ein Token repräsentiert ähnlich wie eine Urkunde Vermögensansprüche, Rechte oder Schuldverhältnisse jedoch in digitaler Form.

Aber während die Finanzwelt sich derzeit mit Stablecoins und der Tokenisierung befasst, offenbart ein Blick in die Kryptoszene, was uns noch in den nächsten Jahren erwartet. Jonathan Maycock, einer der Gründer des Bielefelder Start-ups Margin, machte mich darauf aufmerksam, dass sich die Krypto-Szene sehr rasant entwickle und es mittlerweile zahlreiche Lending-Plattformen gebe. Auf Lending Plattformen können Guthaben hinterlegt und als Darlehen ausgegeben werden. Kombiniert mit Blockchain-Technologie wird dies auch als Krypto-Lending-Plattform bezeichnet. Sie ermögliche es Inhabern von Krypto- Token , diese zu einem vereinbarten Zinssatz zu verleihen.

Darum geht es in meiner aktuellen Kolumne für Capital

Vom Kryptozahlungsverkehr zum Kryptolending

Das, was hier zunächst in der Kryptowelt erprobt wird, kann künftig in die traditionelle Kreditwelt schwappen.

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Im Sommer 2019 haben rund 200 US-Unternehmenschefs zum Umdenken bei den Unternehmenszielen aufgefordert und den Shareholder Value nicht mehr als die Top Priorität bezeichnet. „Nicht nur das Wohl der Anteilseigner, sondern das der ganzen Gesellschaft soll künftig zählen.“[1]

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Altes Minengelände in Namibia: Durch Wettbewerb abgeschaltet?

Dieses Statement weicht weit vom üblichen ökonomischen Narrativ ab, dass die Wirtschaft nach einem Regelwerk spielt, das durch die fiktive Figur des Gordon Gekko im Film Wall Street symbolisiert wird: „Gier ist gut“. Danach wird der Wert für die Gesellschaft am Vermögen gemessen und die einzige Verantwortung eines Unternehmens besteht darin, Werte für seine Aktionäre zu maximieren. Die unsichtbare Hand des Marktes, so das ökonomische Paradigma, werde dafür sorgen, dass das Richtige herauskommt. Diese Weltanschauung ist so allgegenwärtig geworden, dass wir uns daran gewöhnt haben, als ob sie wahr sein müsste.[2]

In Wirklichkeit, so schreibt der bekannte US-Evolutionsforscher David Sloan Wilson, „handelt es sich um eine sehr eigenwillige Sichtweise, die ihre Wurzeln im neunzehnten Jahrhundert hat, aber erst in der Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts an Bedeutung gewonnen hat. Sie basiert auf der besonderen Form des ökonomischen Reduktionismus, dem „homo oeconomicus“, der den Menschen als völlig selbstbewusste Akteure in einem reibungslosen Markt vorstellt. Der homo oeconomicus hat keine Emotionen. Er ist nur daran interessiert, sein Vermögen und sein Einkommen zu maximieren. Er interessiert sich nicht für andere Menschen, obwohl er sich für die Freizeit interessiert. Ein guter Geschäftsmann ist der, der den materiellen Reichtum maximiert. Gierig zu sein ist menschlich, es ist gut zu tun, und je gieriger du bist, desto erfolgreicher wirst du sein.“ [3]

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Viele Menschen nehmen irrtümlich an, mit Darwins Evolution-Konzept sei gemeint, dass immer nur der Starke überlebt (survival of the fittest) und der Schwache ausstirbt. Dabei geht die Formulierung “Survial of the fittest” gar nicht auf Charles Darwin zurück, sondern auf den Soziologen Herbert Spencer, den manche als einen der Vordenker des “Manchester-Liberalismus” bezeichnen. Darwin hat in seiner Theorie nie versucht, irgendeine konkrete Eigenschaft zu bestimmen, die sich im Lauf der Evolution vergrößern würde und die irgendwelche Tendenzen oder Richtungen der Evolution bestimmen würde. Er versuchte nur, einen allgemeinen Mechanismus zu finden, der die Evolution erklären könnte. Darwin hat Wettbewerb als einen wichtigen aber nicht als einzigen Faktor identifiziert. Zusammenarbeit, Mitgefühl und Gerechtigkeit waren ebenso wichtige Merkmale. In “Die Abstammung des Menschen” betont er, dass die Gemeinschaften mit der größten Anzahl kooperierender Mitglieder am besten gedeihen und die größte Zahl von Nachkommen erhalten. Evolution steht also aus Kooperation und Konfrontation, manche sagen dazu Wettbewerb.

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Mit dem niederländische Ökonom Jeroen C. J. M. van den Bergh kann Evolution als  Interaktion zwischen ihren Kernkomponenten Vielfalt (V), Selektion/Auswahl (S), Innovation (I) und Replikation  verstanden werden. Während Innovation ein zufälliges, kreatives Element einführt, fügt die Selektion ein deterministisches und richtungsweisendes hinzu, das durch Replikation ergänzt wird, was Ausdauer und Akkumulation gewährleistet.

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Das heute vorstellte Jahresgutachten der “Wirtschaftsweisen” erhält jede Menge interessanten Lesestoff für die Freunde der Digitalisierung, Plattformökonomie (S. 165 ff.) und Finanzszene (S. 198 ff.) und des digitaler Wandel im Finanzsystem (S. 222 ff.) sowie der BigTechs als Finanzdienstleister (S. 225 f) und natürlich auch von Libra (S. 227 ff.) .

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Trübe Aussichten für Konjunktur und Digitalisierung?

Der Sachverständigenrat befasst sich außerdem mit der Frage, warum das Produktivitätswachstum anscheinend im Widerspruch zu den Erwartungen auf höhere Produktivität durch die Digitalisierung steht. Dazu gebe ich den Text folgend in kompletter Länge wieder (S. 106 ff.)

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Krypto-Evolution: Vom Stablecoin zum EuroCoin?

28.10.2019

Die Kraft der Evolution, so schreibt der niederländische Umweltökonom und Evolutionsforscher Jeroen C.J.M. van den Bergh, liegt in der Interaktion zwischen ihren Kernkomponenten: Vielfalt, Auswahl, Innovation und Replikation. Die Evolution der Technologie scheint mittlerweile das Ausmaß einer kambrischen Explosion zu haben. Einen besonderen Evolutionsschub für das Finanzwesen scheint das 2008 unter dem Pseudonym “Satoshi Nakamoto” […]

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Wie schützt man seine Immobilie vor Einbrechern?

27.10.2019

Egal ob man eine Wohnung oder ein Haus hat. Entscheidend ist, dass man seine Wertgegenstände richtig schützt. Selbst eine Versicherung wird nicht wirklich viel weiterhelfen, wenn das gesamte Hab und Gut einfach geklaut wird. In diesem Fall muss man also entsprechende Maßnahmen treffen, damit man stets auf der sicheren Seite ist. Welche Vorsichtsmaßnahmen kann man […]

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Aufstrebende Technologien im Banking machen allein noch keine neuen Produkte

23.09.2019

Der aus der Tech-Branche kommende Boom an innovativen Entwicklungen ist einerseits wirklich faszinierend, andererseits lässt er selbst Technik-Enthusiasten atemlos fragen, wer da noch hinterher kommen kann. „Ständige Veränderungen sind das Mantra des modernen Lebens“, leitet der Evolutionsbiologe David Sloan Wilson den Abschnitt „Adaption to Change“ seines aktuellen Buches „The View of Life“ ein. Wilson plädiert […]

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Doku NDR: Künstliche Intelligenz und die Veränderungen im Alltag (1/2)

08.09.2019

Hier geht es zum Teil 2.

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Extra 3: Pitch für die Erfindung des Autos

07.09.2019
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Ein ETF-Fondssparplan als renditestarke und flexible Altersvorsorge

06.09.2019

Deutschland befindet sich in einem demografischen Wandel, der die Rahmenbedingungen für die Altersvorsorge stark negativ beeinflusst. Vor diesem Hintergrund ist das private Sparen als Ergänzung der gesetzlichen Rente unverzichtbar, um den bisherigen Lebensstandard auch im Ruhestand annähernd aufrechterhalten zu können. Heute stehen Verbrauchern für diesen Zweck viele verschiedene Alternativen zur Verfügung. Dabei erfreuen sich ETF-Sparpläne […]

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