Das Netz macht Vielen Angst (Foto: flickr/Marcos Dornbusch Lobo )
In den letzten Wochen und Monaten gab es unzählige Veröffentlichungen zu den “Gefahren des Netzes” für die Privatsphäre. Es wurde und wird gewarnt vor den sozialen Netzwerke als “unerschöpfliche Quelle persönlicher Daten”. Verbunden wird dies mit den Empfehlungen zum Umgang mit privaten Informationen. Klassiker sind stets die Partyfotos, die einem ein Personalchef beim Einstellungsgespräch vorhält und die angeblich zur Ablehnung der Einstellung führen.
Ich halte dieses Beispiel für eine der größten Legenden im Netz. Die Generation 40+, die nämlich vorwiegend vor diesen Gefahren warnt, hat offenbar gar nicht verstanden, was sich derzeit im Netz abspielt und vor allem, wie junge Leute damit umgehen.
Mir sagte kürzlich ein Jugendlicher, den ich nach dieser Thematik fragte: “Warum soll ich die privaten Partyfotos im Netz verstecken? Wenn ich deswegen keinen Job bekomme, dann ist das Unternehmen auch nicht richtig für mich. Auch der Personalchef feiert und bohrt in der Nase.” Ähnlich skizziert jetzt.de die Jugendlichen:
“Es ist uns egal. Und es ist uns auch egal, dass es ein Problem sein könnte. Wir lassen uns auf Partys fotografieren und freuen uns sogar, dass die Bilder sich anschließend im Netz wieder finden, wir dokumentieren unser Leben online, singen peinliche Lieder in YouTube-Clips oder bloggen persönliche Details in Statuszeilen und finden nichts dabei. Vielleicht ahnen wir, dass das nicht der beste aller Wege ist mit der so genannten Privatsphäre umzugehen, aber es ist uns dann doch egal.”
Während der Autor diese Aussagen freilich für überspitzt hält, halte ich sie für tendenziell realistisch. Es wird daher Zeit, diesen Kulturwandel nicht einfach nur skeptisch gegenüber zu stehen, sondern sich aktiver mit ihm auseinander zu setzen. Natürlich sollen deswegen nich alle Bedenken weggewischt werden, dennoch tut die ältere Generation gut daran, zu akzeptieren, dass ihr Nachwuchs ganz anders mit Privatheit umgeht. Ich vermute daher, dass der Facebook-Gründer Marc Zuckerberg Recht hat, wenn er die Ära der Privatsphäre für beendet erklärt. “Die Leute finden es normal, nicht nur mehr Informationen unterschiedlicher Art zu teilen, sondern auch offener und mit mehr Leuten”, zitiert ihn die FTD. “Diese soziale Norm ist etwas, das sich mit der Zeit verändert hat.”
Die Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger sagte vor einigen Tagen: „Google macht mich misstrauisch“. Mich auch, dennoch stört dies offenbar immer weniger Menschen. Und woher soll denn die Gefahr von “Street View” tatsächlich kommen? Verweigert jemand die Zusammenarbeit mit mir, nur weil er auf Street View sieht, dass mein Rasen nicht gemäht war? Wohl kaum.
Nichts ist, wie es scheint. In der Wirtschaft merken die meisten Beobachter dies erst seit Implosion der Finanzmärkte. Wenn wir ins Kino gehen, wissen wir, dass die Bilder meist gut gemachte Illusionen sind. Wie real diese Illusionen wirken und wie gut getäuscht wird, macht das folgende Video deutlich.
Bei einer Sache war ich mir vor einigen Monaten noch nicht sicher. Ich zweifelte an einem Kommentar der FTD, die Pay-TV in Deutschland keine Chance gibt. Mittlere bin ich mir sicher: Pay-TV hat eine Chance, jedoch nicht mehr über das digitale Kabel und Satellit.
Schaut man sich an, wie immer mehr Menschen TV schauen, dann kann man nur zum dem Schluss kommen, dass dem TV über das Internet die Zukunft gehört. Bei dieser Binsenweisheit spielt es keine Rolle, ob es als IP-TV, Web-TV oder wie auch immer konsumiert wird. Der Grund ist simple, es ist mittlerweile einfacher und bequemer als das digitale TV.
Angebote wie Zattoo oder Livestation geben bereits jetzt vor, wie es gehen könnte. Die deutschen TV–Sender feiern schon den Durchbruch ihrer Videoplattformen im Internet. Man braucht sich nicht um zusätzliche Hardware zu kümmern (Digital-Receiver, HD-Receiver, Festplattenspieler etc.), die das Wohnzimmer vollstopfen. Und der nächste logische Schritt hat bereits begonnen. TV-Geräte werden mit einer Internet-Schnittstelle ausgestattet. Über DSL und WLAN lässt sich jedes TV-Gerät erreichen. Mit dem IEEE 802.11nwird HD kein Problem mehr sein. Klar, noch kranken die internetfähigen TV-Geräte an Kinderkrankheiten. Dies wird sich aber schnell ändern. Wer soll mich also daran hindern, das digitale Kabel von Unitymedia durch Zatoo und einen internetfähigen Fernseher zu ersetzen.
Echelon Corp. (WKN 916 398, ISIN US27874N1054, Marktkapitalisierung: ca. 376,25 Mio. US$, ca. 270 Mio. Euro)
Firmenlogo Echelon Corp.
1.) Fundamentale Analyse
Echelon bei Wikipedia – ein Spionagenetzwerk!?
Sucht man bei Wikipedia nach Echelon, so findet man dort einen Artikel über ein Spionagenetzwerk, an dem die Staaten USA, Vereinigtes Königreich (UK), Kanada, Australien und Neuseeland beteiligt sind. Dies ist natürlich richtig, hat aber nichts mit der Firma Echelon Corp. zu tun, die im zukunftsträchtigen Smart Grid Markt tätig ist. Was aber bedeutet nun Smart Grid genau und was genau macht die Firma Echelon Corp.?
Smart Grid – was ist das?
Wörtlich übersetzt bedeutet Smart Grid soviel wie “intelligente Netzwerke”, womit intelligente Stromnetze gemeint sind. Doch was soll das genau sein und wofür braucht man sowas? Nun, ganz einfach! Bisher haben wir – nahezu überall auf der Welt – sehr zentralisierte Stromnetze. Sprich wir haben Stromkraftwerke (im Zentrum), die meistens von großen Energieerzeugungsunternehmen (in Deutschland z.B. E.ON oder RWE) betrieben werden. Hintergrund dieser Struktur ist, dass Stromkraftwerke bisher meist Atomkraftwerke oder Kohlekraftwerke sind, die nicht von Menschen wie Ihnen oder mir betrieben werden können.
Wow, so viel wie in den letzten drei Wochen konnte man selten auf Blogs (hier insbesondere von econbusinessgermany und Valuation in Germany) und Pressesites (siehe unten) über Kreditversicherungen mit dem unhandlichen Namen Credit Default Swaps (=CDS, gut erklärt im Handelsblatt) lesen. Eine ähnliche “Popularität” hatten diese Instrumente nur nach der Pleite von Lehman und der Rettung des Versicherungsriesen AIG. Beide hatten große Positionen als Versicherungsgeber gehalten und hätten bei Ausfall oder verschlechterter Bonität eines Schuldners zahlen müssen. Geschäfte mit diesen Instrumenten haben durch inkompetentes Risikomanagement einen Beitrag zur Eskalation der Finanzkrise geleistet, sie aber sicher nicht verursacht (dazu Mindmap der fundamentalen Ursachen und des Mindsets).
Die Position des Blick Logs zu diesen sogenannten Kreditderivaten (Einmaleins dazu hier) ändert sich durch die aktuelle Debatte nicht. Die Kritiker übersehen, dass es zu jeder Position, die per CDS gegen Griechenland “wettet”, auch Positionen geben muss, die das Gegenteil erwarten. Jedem auf steigenden Prämien spekulierendem Käufer steht auch ein Verkäufer gegenüber. Sind die Prämien unrealistisch hoch, dann müssten, zumindest nach der reinen (freilich umstrittenen) Lehre, Spekulanten auftauchen, die stärker auf eine Rückgang der Prämien setzen.
Es würde sich außerdem kaum etwas ändern, wenn der Handel in Kreditderivaten, wie vom Bund erwogen, verboten oder eingeschränkt würde. Der Preis für neue Anleihen bildet sich letztlich am Markt über Angebot und Nachfrage. Wenn die großen Kapitalstaubsauger keine griechischen Bonds zeichnen wollen, muss Griechenland entweder die Zinsen erhöhen oder auf die Emission verzichten. Diese Zinserhöhung treibt somit automatisch den Spread, sprich die Risikoprämie. Die CDS ermöglichen lediglich, diese Risikoprämie zu handeln.
Das kann man verrückt finden, macht aber genau so viel oder wenig Sinn, wie der Abschluss einer Rückversicherung, die für Versicherungsgesellschaften notwendig sind, um Risiken zu streuen. Auch mit solchen Rückversicherungen spekulieren übrigens Investoren. Will man sie deswegen verbieten? Kaum, bzw. vermutlich wird dann der Ruf nach Verboten laut, wenn ein Rückversicherer in Schieflage gerät.
Lange vor der Insolvenz soll die spektakulär untergegangene Investment Bank Lehman Brother die Bilanzen manipuliert haben, um Liquiditätsprobleme zu verstecken. Das ergab eine Untersuchung von Anton R. Valukas. In einem 2.200 Seiten umfassenden Report sind die Ergebnisse dargestellt. Damit liegt erstmals ein umfassendes Dokument vor, dass tiefe Detaileinsichten in den den Kern der Finanzkrise ermöglicht. Der Bericht ist derzeit über die Webseiten des Dealbook der New York Times abrufbar (Alternativlinks siehe unten). Ein bemerkenswerter Service. Ob wirklich kriminelle Handlungen vorliegen, ist derzeit nicht klar und muss ohnehin von einem Staatsanwalt festgestellt werden.
Die öffentliche Darstellung konzentriert sich mittlerweile auf ein besonderes Geschäft, den sogenannten Repo 105. Ich will hier nicht auf die Details dieser Geschäftsart eingehen (siehe dazu etwa Wikipedia). Bei diesem Geschäft soll übrigens auch die Deutsche Bank zu den Gegenparteien gehört haben, wie Zero Hedge herausgearbeitet hat.
Erschreckend für das Image von Wall Street Bankern die Reaktion von Ex-Lehman-Vorstandschef Fuld. Er war, so berichtet die FTD, “nach eigenen Aussagen über "Repo 105" nicht informiert. Er habe nicht gewusst, um welche Form von Transaktionen es ging, teilte seine Anwältin Patricia Hynes von der Kanzlei Allen & Overy mit. Er habe sie weder strukturiert noch ausverhandelt. "Ihm war auch nicht bewusst, wie sie verbucht wurden", sagte Hynes.” Da fragt man sich schon, was Mr. Fuld eigentlich für seine 484 Mio. $ seit 2000 erhaltenen Bonuszahlungen gemacht hat.
Auch die Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young weisen Vorwürfe zurück. Es ging ja auch nur um Kleinigkeiten, denn Lehman platzierte bei diesem Geschäft nur etwa 50 Mrd. $ an illiquiden Vermögenswerten außerhalb der eigenen Bilanz.
NEW YORK – Eine Welle von Steuersparprogrammen schwappt über Europa und Amerika. Das Ausmaß der Haushaltsdefizite hat – wie das Ausmaß des Abschwungs – viele überrascht. Aber trotz der Proteste derjenigen, die gestern noch für die Deregulierung eingetreten sind, und die es gerne sähen, wenn die Regierung passiv bleiben würde, sind die meisten Ökonomen der Überzeugung, dass die staatlichen Hilfsprogramme dazu beigetragen haben, eine zweite Weltwirtschaftkrise zu verhindern.
Die meisten Ökonomen sind sich auch einig, dass es ein Fehler ist, nur auf eine Seite der Bilanz zu schauen (egal, ob im öffentlichen oder privaten Sektor). Man darf nicht nur auf die Schulden eines Landes oder Unternehmens schauen, sondern muss auch die Vermögenswerte berücksichtigen. Das könnte auch dazu beitragen, die Falken im Finanzsektor zu beruhigen, die über die staatlichen Ausgaben alarmiert sind. Schließlich akzeptieren sogar Defizit-Falken, dass wir uns nicht auf das Defizit von heute konzentrieren sollten, sondern auf die langfristige Staatsverschuldung. Ausgaben, besonders als Investitionen in Bildung, Technik und Infrastruktur, können tatsächlich langfristig zu einer Reduzierung der Defizite führen. Die Kurzsichtigkeit der Banken hat die Krise zum Teil hervorgerufen, wir dürfen nicht zulassen, dass die Kurzsichtigkeit der Regierung – angestiftet von den Banken – sie nun verlängert.
Schnelleres Wachstum und schnellere Renditen auf öffentliche Investitionen sorgen für höhere Steuereinnahmen, und eine Rendite von fünf bis sechs Prozent ist mehr als genug, um die vorübergehenden Zunahmen der Staatsverschuldung aufzufangen. Eine soziale Kosten-Nutzen-Analyse (unter Berücksichtigung anderer Auswirkungen, nicht nur der auf den Haushalt) machen solche Ausgaben umso attraktiver, auch wenn sie über Verschuldung finanziert werden. Hier weiterlesen.
Noch letzte Woche hatte ich geschrieben, dass sich Nassim Nicholas Taleb eine Auszeit genommen hat, um an seinen Veröffentlichungen zu arbeiten. Das hat den Autor des “Schwarzen Schwans” und von “Narren des Zufalls” aber nicht davon abgehalten eine Philosophie-Vorlesung an der Universität Princeton zu halten. Darauf machte er in einem Tweet aufmerksam.
Die Vorlesung kann über diesen Link angehört werden. Ich habe bisher nur kurz rein hören können. Ist aber etwas für unterwegs. Dabei ist ganz interessant, dass er den Dialog mit den Studenten sucht. Und man hört, dass der sonst so selbstsichere Taleb gehörigen Respekt vor der Institution Princeton hat.
Heute gibt es wieder einmal in Berlin einen Krisengipfel mit Ministern und Vertretern aus Wirtschaft und Banken zum Thema Kreditklemme. Ich bezweifele, dass dort viel herauskommt. Schon der letzte “Häppchengipfel” im Kanzleramt hat kaum Zählbares gebracht. Die in der Folge von der Deutschen Bank und der Sparkassenorganisation aufgelegten Eigenkapitalfonds überzeugen die Praxis angesichts des Finanzbedarfs nicht und werden vielfach als PR-Maßnahmen angesehen.
Dabei hat die KfW in dieser Woche heftige Zahlen zum Rückgang des Kreditvolumens veröffentlicht. Banken haben in Deutschland im vierten Quartal 2009 knapp 18 Prozent weniger Darlehen an Unternehmen und Selbstständigen vergeben als im Schlussquartal des Vorjahres. Erwartet hatte die KfW einen Rückgang von 15%. Und die KfW erwartet eine Verschärfung des Rückgangs im laufenden Quartal um zwischen 17% und 23%. Im Januar soll das Neukreditvolumen sogar um 33 Prozent unter seinem Vorjahreswert (Quelle Bericht Handelsblatt) gelegen haben.
Erstaunlich, dass die KfW trotz ihrer eigenen Zahlen nicht von einer Kreditklemme sprechen mag. Nach ihrer Einschätzung schrumpfte das Darlehensgeschäft vor allem aufgrund der niedrigeren Nachfrage der Unternehmen. Diese Aussage halte ich für nicht sachgerecht und schon fast zynisch. Sie widerspricht außerdem Aussagen im Lending Survey der Europäischen Zentralbank, deren Ergebnisse die Bundesbank wie folgt zusammenfasste:
Am 10. März 2000 erreichte der US-Technologie-Index NASDAQ sein All-Time High mit 5045,62 Punkten. Damals rechneten viele “Experten” und “Analysten”, dass er Ende des Jahres 2000 die 6.000 Punkte Marke erreichen würde. Einen Tag später, also heute vor einem Jahr setzte die Abwärtsbewegung ein. Der Index schloss am Jahresende bei 2340,68 Punkten. Millionen Kapitalanlegern waren damals nicht nur in den USA, sondern auch in Europa verrückt geworden und glaubten, durch einen Spaziergang schnell reich werden zu können.
Entwicklung des NASDAQ (Quelle Wall Street Journal)
Aber nicht nur die US-Zeitung schaut auf den bei vielen noch nicht verblassten Hype um die Jahrtausendwende. So reflektiert etwa die Webseite der ARD in einen Textbeitrag unter dem Titel: Vor zehn Jahren platzte die Dotcom-Blase.
Das Börsennotizbuch erinnert ebenfalls an gern verdrängte Zeiten und wünscht Happy Aniversary.
Ob eine Blase platzt, wissen wir leider erst hinterher. Das wird sich auch in der Zukunft nicht ändern.
Das Handelsblatt sah übrigens damals den Anstieg, wie die meisten Medien, wenig kritisch und schrieb noch am 8.3.2000:
“New Economy heißt auch Umdenken an der Börse. Es gilt nicht mehr: “Geht Butter, geht Käse”. Denn würde der Aktienmarkt im Pulk weiter nach oben schießen, dann wäre dies ein sicheres Symptom ungesunder Euphorie.”
Die Süddeutsche erinnert in ihrer Retrospektive an längst vergessene Namen untergegangener Helden dieser Zeit.
Auf ein Abendessen verschiedener Hedge-Fondsmanager 8. Februar in New York scheinen sich mittlerweile diejenigen zu konzentrieren, die die Ursache der griechischen Schuldenkrise und des Drucks auf den Euro gern in einem Böser-Bube-Spiel ganz simple verteilt wissen möchten. Ich vermute einmal, dass wir in den nächsten Tagen noch mehr darüber lesen werden (zuletzt hier ein ausführlicher Bericht in der NZZ).
Nicht auszuschließen ist, dass es wieder eine Anhörung gibt. Diese könnte dann ähnlich verlaufen, wie eine Anhörung am 13.11.2008 mit den Top 5 der Branche vor einem Untersuchungsausschuss. Damals mussten sich Philip Falcone von Harbinger Capital Partners, Kenneth C. Griffin von Citadel, John Paulson von Paulson & Company; James Simons von Renaissance Technologies und George Soros von Soros Fund Management kritischen Fragen stellen. Konsequenzen hatte diese Veranstaltung nicht.
Nach den Vorüberlegungen und der Skizze ausgewählter bisheriger Ansätze über die Finanzierung 2.0, wird es in diesem Beitrag deutlich konkreter. In der Folge möchte ich eine Diskussion darüber anregen, ob das Prinzip einer Peer-to-Peer-Eigenkapitalbörse eine Lösung sein könnte, um die im Vorwort skizzierte Eigenkapitallücke zu verkleinern. Wie bereits gestern erwähnt, ist die Idee keineswegs neu und wird etwa für Startups unter dem Titel Crowdfunding versucht. Gleichwohl mangelt es bisher an einer Lösung, die sich an etablierte Unternehmen wendet.
Grundprinzip einer Peer-to-Peer-Eigenkapitalbörse
Über eine P2P-Börse sollen Anleger und Investoren direkt mittelständischen Unternehmen Eigenkapital oder Eigenkapital nahe Mittel in verschiedenen Risikoklassen und Losgrößen zur Verfügung stellen können. Um zu verstehen, wie das funktioniert, ist es hilfreich, sich zunächst die P2P-Kreditbörsen Smava und Auxmoney anzuschauen. Sie vermitteln Darlehen direkt zwischen Kapitalgebern und Kreditnehmern in sogenannten n-zu-m-Beziehungen.
Der Kreditnehmer erhält hier nicht von einem Kreditgeber das Geld, sondern im Zweifel von mehreren Anlegern und bestimmt die Obergrenze des Zinses sowie natürlich den Kapitalbedarf. Er legt außerdem selbst fest, welche Informationen er von sich aus preisgibt. Ein Anleger bestimmt über die Höhe seines Anlagebetrages, die gewünschte Risikoklasse und wählt den entsprechenden Kreditnehmer aus. Die P2P-Börse übernimmt die Rolle eines Mittlers, prüft die Kreditanträge nach einem standardisierten Verfahren und vergibt eine Bonitätsnote. Daneben stellt sie die Infrastruktur einer Plattform zur vereinfachten Abwicklung der Transaktionen und der Überwachung und Erfüllung der Leistungen.
Smava vergibt bereits jetzt Kleinkredite auch an Unternehmen, beschränkt bisher allerdings den Höchstbetrag auf 25.000 €. Für größere Finanzierungen reichen die geforderten Informationen und der standardisierte Prüfprozess nicht aus, zumal smava branchenüblich vorwiegend vergangenheitsorientierte Daten der Kreditnehmer abfragt. Neu ist aber, dass Kapitalnehmer und Kapitalgeber (anonymisiert) direkt miteinander über die Plattform kommunizieren können.
Übertragung des P2P-Modells auf die Eigenkapitalfinanzierung
Das neue und erfrischende DRadio-Wissen hat sich in einem Beitrag mit dem als “revolutionär” bezeichneten Papier des Chefökonom des IWF, Olivier Blanchard, befasst, in dem er über den Nutzen einer höheren Inflation philosophiert. Der Hörbeitrag kann hier gehört werden:
Olivier Blanchard, der Chefökonom des Internationalen Währungsfonds, hat ein Papier veröffentlicht. Es nennt sich “Rethinking Macroeconomic Policy”, also soviel wie “Wirtschaftspolitik, neu gedacht”. Obwohl Blanchards Text nur 17 Seiten lang ist, hat er heftige Reaktionen ausgelöst: “Revolutionär” sei das Papier, “brisant”, “sensationell”, eine “unerhörte Tat”. Denn darin denkt Blanchard erstmalig darüber nach, ob höhere Inflationsraten nicht auch sinnvoll sein können. Man müsse “Nutzen und Kosten von Inflation erneut sorgfältig abwägen.”
Führt die Wirtschaftskrise nun zu einem völligen Umdenken in der Geldmarktpolitik und werden höhere Inflationsraten unter Ökonomen in Zukunft zum “guten Ton” gehören? DRadio Wissen im Gespräch mit Henrik Müller. Er ist stellvertretender Chefredakteur des Manager Magazins und ist der Meinung, dass Inflation die Demokratie zerstört.
Als intensiver Konsument von FTD und Handelsblatt kann ich mich der Generalschelte nicht anschließen. Der Blick Log hat auf den Seiten zur Finanzkrise viele gute Hintergrundartikel verlinkt. Insbesondere die Ökonomie-Seiten des Handelsblatt vermitteln eine Tiefe, die einzigartig ist für die deutsche Medienlandschaft.
Gleichwohl stört sehr häufig der unkritische Umgang mit den ewig gleichen “renommierten Fachleuten” und “angesehenen Experten”, die meist sehr ungefiltert zitiert werden. Gerade in Interviews mit Vertretern aus der Finanzbranche wünscht man sich kritischeres Nachbohren. Als Leser interessiert mich übrigens mittlerweile, ob ein Interview auf Initiative eines Journalisten oder der Presse-Abteilung eines Unternehmens entstanden ist. Persönlich irritierend fand ich, dass gerade im Herbst/Winter 2008/09 die Qualitätstitel dem Boulevard verfielen und viel Furcht verbreitenden. Ich erinnere daran in dem Beitrag “Die ausgebliebene Medien-“Monsterwelle”.
Über mangelnde Vielfalt, Tiefe und Meinungen brauchen sich Medienkonsumenten, die über die Leitmedien hinausschauen, freilich dennoch nicht beklagen. Dies zeigt die unten folgende Webschau der Wirtschaftsblogs (Überblick Wirtschaftsblogs in dieser Mindmap). Darunter sind auch hervoragend zu lesende Texte, wie etwa die vom Journalisten Markus Gärtner, der aus Vancouver auch für deutsche Medien schreibt. Die meisten Beiträge stammen allerdings von Nichtjournalisten, bieten gleichwohl ein umfassendes und interessantes Themenspektrum mit genügend Lesestoff abseits gefälliger “PR-Berichterstattung” oder oberflächlicher Effekthascherei. Wie immer ist dies nur ein kleiner Ausschnitt vieler lesenswerter Beiträge, die allein in den letzten Tagen erschienen sind.
Allerdings werden die meist fachlich sehr versierten Blogs nicht von “prominenten” Kennern oder mit Titeln “dekorierten Fachleuten” geschrieben und sind deswegen nicht zitierfähig. Wenn man nicht durch Zufall, die Bild, die FAZ (dazu Knüwers lesenswerter Beitrag: Wie Frank Schirrmacher sich seine Experten aufbläst) oder ein anderes Leitmedium dazu “gemacht” wird, dann hat man es schwer, diesen Status zu erreichen. Sich auf einen Wirtschaftsblog zu berufen, ist in Deutschland (noch?) nicht angesagt. Von der in den USA zu beobachtende sich gegenseitig befruchtende Zusammenarbeit zwischen Wirtschaftsblogs und Medien ist hier leider weit und breit nichts zu sehen.
Der Blick Log ist ein privates Weblog über Wirtschaft, Finanzen, Management und mehr. Beruflich berate ich für die Innovecs GmbH mittelständische Unternehmen und Banken. Mehr über den Blog und mich auf dieser Seite.
Diskussion Wirtschaftsblogger
Auf Wunsch einiger Wirtschaftsblogger hier der Link auf den Beitrag, in dem über die Wirtschaftsblogszene diskutiert wird.