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Gestern fand im Bundestag die zweite und dritte Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Kleinanlegerschutzgesetzes statt. Ich habe mich mit den Details des geänderten und verabschiedeten Entwurfs noch nicht befassen können. Hier dokumentiere ich erst einmal und die Meldung aus dem Bundestag und den Link auf den eigentlichen Text. Die im Bundestag beschlossene Fassung findet man hier:

Drucksache 18/4708: Entwurf eines Kleinanlegerschutzgesetzes

 

“Besseren Schutz von Kleinanlegern beschlossen: Bei Enthaltung der Opposition hat der Bundestag am 23. April den Entwurf der Bundesregierung für ein Kleinanlegerschutzgesetz (18/3994) in der vom Finanzausschuss geänderten Fassung (18/4708) angenommen. Ziel des Gesetzes ist es, die Transparenz zu erhöhen, sodass die Anleger künftig über die Fälligkeit der Rückzahlung von bereits begebenen Vermögensanlagen informiert werden. Auch über die personellen Verflechtungen vor allem bei Emittenten verbundener Unternehmen soll besser informiert werden müssen. Anbieter einer Vermögensanlage werden verpflichtet, einen zum Anlagezeitpunkt gegebenenfalls durch Nachträge aktualisierten Prospekt jederzeit zugänglich zur Verfügung zu stellen. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht wird befugt, die Vermarktung oder den Vertrieb bestimmter, vor allem komplexer Produkte einzuschränken oder zu verbieten, um Anleger vor aggressiver Werbung sowie dem Vertrieb von schwer kontrollierbaren Produkten zu schützen. Der Finanzausschuss hat die Schwelle für die Prospektpflicht beim Crowdinvesting auf 2,5 Millionen Euro angehoben. Kapitalgesellschaften werden von der Einzelanlageschwelle von 10.000 Euro befreit. Bei sozialen Projekten wird die Schwelle für die Prospektpflicht auf 2,5 Millionen Euro angehoben und der Sollzinssatz gedeckelt. Der Vertrieb von prospektfreien Genossenschaftsanteilen und Mitgliederdarlehen in Genossenschaften muss frei von Provisionen erfolgen. Aufgehoben wird die bisherige medienbezogene Werbebeschränkung für Vermögensanlagen. Die Kündigungsfrist einer Vermögensanlage wird von zwölf auf sechs Monate verkürzt. Bei Enthaltung der Linken fand ein Entschließungsantrag der Grünen (18/4712) keine Mehrheit. Die Fraktion war unter anderem für eine Standardisierung der Verkaufsprospekte hinsichtlich Form und Inhalt eingetreten. (vom/23.04.2015)”

Das vorläufige Plenarprotokoll findet man hier [klicken zum Weiterlesen …]

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Ich habe hier gestern die finanzmathematischen Grundlagen gelegt für die astronomische Summe von 5,8 Billionen US Dollar an möglichen Verlusten aus Zinsrisiken (manche sagen Zinsänderungsrisiken) gelegt. Ich zeige heute, warum die Summe nicht übertrieben und vielleicht sogar zu niedrig ist.

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Steiler Anstieg: Der Himmel ist die Grenze

Was hat das mit Zinsrisiko zu tun?

Ich hatte bereits mehrfach geschrieben, dass mir die Zinsrisiken immer größere Sorgen bereiten und in dem Zusammenhang sogar die Finanzmarktstabilität. Das Zinsrisiko (manche sagen Zinsänderungsrisiko) gehört zu den Marktpreisrisiken. Darunter verstehen Finanzmarktspezialisten durch Marktbewegungen verursachte negative Marktwertveränderungen* von Finanztiteln bzw. eigenen Vermögensposition. Risiken liegen vor allem in der Gefahr potenzieller Verluste aus den eigenen Finanzmarktaktivitäten. Mir geht es hier also um die Risiken aus steigenden Zinsen. Wie eine solche Zinsänderung wirkt, hat die einfache Barwertanalyse in Teil 1 gezeigt:

Angenommen ich freue mich heute bei einem Marktzins von 0% über die Bewertung meiner Anleihe von 150 Euro und im Laufe des Jahres steigen nun die Zinsen wieder um 1%. Meine Position hätte dann ohne Berücksichtigung der Laufzeitverkürzung nur noch einen Wert von 137,89 Euro. Ich habe also ein Verlust von über 12 Euro. Bezogen auf den aktuellen Marktwert sind das 8%, bezogen auf den Nennwert der Anleihe sind es 12%. Das Zinsrisiko bezeichnet hier also den potenziellen Verlust aus einer nachteiligen Verschiebung der Zinsstrukturkurve.

Warum droht daraus eine Gefahr für die Finanzmarkstabilität?

Durch die sehr stark gesunkenen Zinssätze haben die Barwerte aller Vermögenspositionen, die solche Zinstitel enthalten, mittlerweile einen sehr hohen Wert. Wir lesen davon beinahe täglich in der Zeitung. Nicht auszuschließen, dass die hohen(Buch-) Gewinne (oder zumindest Teile davon), die derzeit wieder viele Banken ausweisen, genau darauf zurückzuführen sind. Allerdings habe ich das nicht im Detail untersucht.

[klicken zum Weiterlesen …]

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Ich hatte hier am Montag bereits darüber geschrieben, dass ich mir die negativen Zinsen Sorgen bereiten, vor allem aber auch das Zinsrisiko in den Bankbilanzen. In meiner Kolumne für Capital schrieb ich dazu:

“Sehr spannend wäre es übrigens zu schauen, ob und wie weit Banken asymmetrisch mit der Bewertung von Vermögensgegenständen und Verbindlichkeiten im Zug der Niedrigverzinsung umgehen. Bei gleichbleibendem Zahlungsstrom erhöhen sich finanzmathematisch die Bewertungen mit der niedrigeren Verzinsung. Vergebene Kredite und Anleihen mit festen Zahlungen steigen also im Wert. Das müsste analog auch für Verbindlichkeiten gelten. Allerdings haben Banken hier ein Wahlrecht und können finanzielle Verbindlichkeiten weiter zu fortgeführten Anschaffungskosten bewerten (unter Verzicht auf die Fair-Value-Option). Erhöhen Banken über eine höhere Vermögensbewertung und Beibehaltung der Bewertung der Verbindlichkeiten ihren Ertrag, wird sich das mit steigenden Zinsen natürlich wieder umdrehen. Die Gewinne aus den Bewertungsänderungen einzelner Banken könnten sich mit einer Zinssteigerung schnell wieder verflüchtigen. Anders ausgedrückt: Die Risiken in den Bankbilanzen nehmen derzeit deutlich zu.”

Ich will hier heute einmal anhand eines einfachen Beispiels* darstellen, was mit ich mit diesen Bewertungsänderungen meine und in einem Folgebeitrag morgen zeigen, welche Auswirkungen das haben kann, wenn man nur die Staatsschulden betrachtet.

Dazu habe ich mir eine einfache Anleihe gegriffen, die wie folgt ausgestattet sei:

  • Zinssatz 5% (lang ist es her), jährliche Zinszahlung
  • Restlaufzeit 5 Jahre
  • Rückzahlung zu 100%

Im ersten Schritt berechne ich den Barwert dieser Anleihe mit einem Abzinsungszins von 5%.

Daraus ergibt sich die folgende Tabelle:

Tabelle 1:  Barwertberechnung

Jahr 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 Barwert
Zahlung 5 5 5 5 5 5 5 5 5 105  
Diskont.fakt. 1,050 1,103 1,158 1,216 1,276 1,340 1,407 1,477 1,551 1,629  
Barwert 4,76 4,54 4,32 4,11 3,92 3,73 3,55 3,38 3,22 64,46    100,00 €

Zur Erläuterung

In der Zeile Zahlung findet sich der jährlich gezahlte Betrag. Nach einem Jahr sind es die Zinsen in Höhe von 5 Euro, nach 2 Jahren ebenfalls 5 Euro usw. Am Ende nach dem 10. Jahr werden die Zinsen mit 5 Euro und die Anleihe mit 100 Euro zurückgezahlt, also 105 Euro.

Der Barwert bezeichnet den heutigen Wert künftiger Zahlungen. Der Begriff stammt aus der Finanzmathematik. Um den Barwert einer künftigen Zahlung zu berechnen, wird eine künftige Zahlung abgezinst mit einem Vergleichszins. Üblicherweise nimmt man dazu den Zins einer vergleichbaren Anlageform. Ich starte hier mit einem Abzinsungssatz von 5%.

Die Abzinsung funktioniert dann wie folgt:

  • Zahlung im Zeitraum t geteilt durch (1+ Abzinsungssatz) hoch t, erfolgt die Zahlung in einem Jahr, dann ist t = 1

Für die Zahlung im ersten Jahr lautet also die Berechnung

  • 5/(1+0,05)^1 = 5/1,05 = 4,76

Für die Zahlung im zweiten Jahr

  • 5/(1+0,05)^2 = 5/1,103 = 4,54

Für die Zahlung im 10. Jahr

  • (100+5)/(1+0,05)^10 = 105/ 1,629 = 64,46

Wenn man die einzelnen Barwerte addiert, erhält man exakt 100 Euro.

Nun kann man für die gleiche Anleihe das Spiel wiederholen mit verschiedenen Abzinsungssätzen. Diese repräsentieren z.B. den Marktzins. Je niedriger der Marktzins, desto niedriger ist auch der Abzinsungssatz unter sonst gleichen Bedingungen. Das habe ich in der folgenden Tabelle gemacht:

Tabelle 2: Barwert mit verändertem Abzinsungsfaktor
Abzinsung Barwert Δ abs. Δ in %
5,00% 100,00 €
4,00% 108,11 € 8,11 € 8,11%
3,00% 117,06 € 8,95 € 8,28%
2,00% 126,95 € 9,89 € 8,45%
1,00% 137,89 € 10,94 € 8,62%
0,50% 143,79 € 5,90 € 4,28%
0,10% 148,73 € 4,94 € 3,44%
0,00% 150,00 € 1,27 € 0,85%
-0,01% 150,13 € 0,13 € 0,09%
-0,50% 156,54 € 6,42 € 4,27%
-1,00% 163,44 € 13,44 € 8,96%
-2,00% 178,36 € 14,92 € 9,13%
-3,00% 194,95 € 16,59 € 9,30%
-4,00% 213,43 € 18,48 € 9,48%
-5,00% 234,04 € 20,61 € 9,65%

In der linken Spalte steht der Abzinsungssatz, dann folgt der Barwert, der wie oben berechnet ist. Excel bietet zur Erleichterung eine entsprechende Formel für den Barwert.

Hier sieht man nun gut, dass sich der Barwert mit der Reduzierung des Abszinsungszinsatzes immer weiter erhöht. Der Wert dieser Anleihe steigt also mit der Reduzierung der Marktzinsen. Ist der Marktzins also um 1% auf 4% gesunken, beträgt der Barwert dieser Anleihe bereits 108,11 Euro. Beträgt der Marktzins nur noch 1%, dann hat diese Anleihe bereits einen Wert von 137,89 Euro. Meine Anlage hat also eine Wertsteigerung erfahren, die allein den sinkenden Marktzinsen geschuldet ist. Die Berechnung tilt übrigens auch nicht, wenn man mit einem Marktzins von 0% oder negativen Marktzinsen abzinst.

Mit diesem Beispiel habe ich nun die Grundlage gelegt und zeige morgen, wie ich auf die 5,8 Billionen Dollar an weltweitem Zinsrisiko aus Staatsschulden komme.


* Finanzfachleute wissen, dass man solche Beispiele beliebig komplex gestalten kann. So kann man als  Diskontierungsfaktor eine sogenannte Zinsstrukturkurve verwenden und müsste auch noch Risikofaktoren einbauen. Ich mache es etwas einfacher und verwende eine flache Zinsstrukturkurve.

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