Finanzmärkte unter Psychose und globale Wirtschaftselite im Gefangenendilemma

by Dirk Elsner on 19. August 2011

Schon wieder so ein Börsentag, an dem die “Finanzmärkte” sich psychotisch verhalten und auf einen neuen Abgrund zusteuern wollen. Die Entwicklung an den Märkten muss ich hier nicht beschreiben, sondern, die kann jeder in der Presse nachlesen:

 

imageDie begleitenden Schlagzeilen auf der Wirtschaftswelt nähren den Eindruck, die Welt setzt sich selbst unter eine Schuldenkrisenpsychose, wie etwa

Erschreckend ist die Kopf- und Konzeptlosigkeit der globalen Wirtschaftselite nebst der Politik. Am gestrigen Flug- und Bahntag hatte ich viel Zeit für die Zeitungslektüre. Wie so oft in den letzten Jahren, war ich am Ende entsetzt von der Kakophonie der unterschiedlichen Handlungsempfehlungen. Die Konzeptlosigkeit allein der Politik vorzuwerfen, ist dabei viel zu kurz gesprungen, denn Vertreter aus der Wirtschaft sind davon ebenfalls betroffen. Dazu nur zwei Beispiele, die mir aufgestoßen sind.

  1. Im Hinblick auf den Plan einer gemeinsamen Wirtschaftsregierung lehnt der BDI-Präsident Keitel lehnt eine dirigistische europäische Wirtschaftsregierung vehement ab und ist gegen die Einführung von Eurobonds (siehe FAZ). Der Präsident des Bundesverbandes Groß- und Außenhandel Börner dagegen befürwortet Eurobonds und ist damit wohl auch für eine dirigistische Wirtschaftsregierung (siehe Hamburger Abendblatt).
  2. Aber auch international muss man nicht lange suchen, um zu erkennen, dass sich die Wirtschaftselite in ein Gefangenendilemma manövriert hat, in dem jeder nur noch seine Schäfchen versucht, ins Trockene zu bringen. Die Vertreter der mächtigen Allianz-Tochter Pimco wollen Griechenland, Portugal und Irland sich selbst überlassen und fordern lt. FTD gleichzeitig „die Einrichtung eines „gigantischen“ Rettungsfonds, der für alle Staaten der Währungsunion zur Verfügung stehen sollte – außer für Griechenland, Irland und Portugal. Nur so könnten Italien und Spanien davor bewahrt werden, ebenfalls an den Rand der Zahlungsunfähigkeit zu geraten, argumentierte Kashkari.“ Der Vizechef des weltgrößten Vermögensverwalters Blackrock verlangt lt. Handelsblatt “von den Politikern in den USA und Europa endlich Führungsverantwortung zu übernehmen. „Wir sind darauf angewiesen, dass die Politiker zusammenarbeiten. Deutschland sollte nach vorne treten und erklären, dass es die Schulden jener in Probleme geratenen Staaten absichert, die die nötigen Sparmaßnahmen ergreifen“, sagte Kapito im Handelsblatt-Interview.“

Merkel und Sarkozy müssen sich derweil ein Stakkato der Kritik gefallen lassen, weil sie gerade Führungsverantwortung übernehmen wollen und werden dafür dennoch von allen Seiten gescholten. Dabei sind selbst die niedrigen Erwartungen kaum zu erfüllen, wenn man sich anschaut, wie weit allein in der Eurozone die Positionen auseinander liegen (siehe dazu etwa im Handelsblatt “Rettungspaket für Griechenland – Ausstieg durch die Hintertür”).

Ich glaube das Modell des Gefangenendilemmas (siehe im Detail auch Spieltheorie und das Gefangenendilemma) beschreibt am besten das Verhalten der globalen Wirtschaftselite. Das Gefangenendilemma  beschreibt bekanntlich eine Situationen, in der die Akteure eigentlich ein gemeinsames Interesse zur Zusammenarbeit haben sollten. Allerdings gibt es aufgrund der Anreizbedingungen in diesem Spiel, das Wissenschaftler auf viele reale Situation übertragen, einen grundlegender Interessenkonflikt. Dieser verhindert die gemeinsame Besserstellung, weil sich ein Individuum durch nicht kooperatives Verhalten einen Vorteil verschaffen kann. Vielleicht werde ich diese Gedanken in meinem Urlaub noch einmal etwas näher betrachten.

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