Neue Studie der ETH Zürich über die einflussreichsten Unternehmen der Welt bestätigt große Machtkonzentration in wenigen Händen

by Dirk Elsner on 22. August 2011

Am vergangenen Freitag hat Torsten Riecke in der Printausgabe des Handelsblatts im Beitrag „Die Rettung kommt nicht von der Linken“ (leider bisher nicht online) dort angeknüpft, wo Frank Schirrmacher letzten Sonntag mit seiner Systemkritik („Ich beginne zu glauben, dass die Linke recht hat“) aufgehört hat. Riecke wagt sich aus der Deckung mit einer bodennahen Ursachenanalyse. Er kritisiert insbesondere die Aushebelung marktwirtschaftlicher Prinzipien durch Macht. So sei u.a. der Staat seiner Ordnungsaufgabe nicht nachgekommen und habe insbesondere den die Marktmechanismen außer Kraft setzenden Machtkonzentrationen nichts entgegengesetzt. Als Beispiele führt er den Mediensektor und den Finanzsektor an. Konkret schreibt er u.a.:

“Auch in der Finanzbranche setzt die Macht den Markt außer Kraft. Die Gehälter der Investmentbanker sind auch deshalb so hoch, weil die wenigen globalen Institute den Markt für Fusionen, Übernahmen und Börsengänge unter sich aufteilen können.”

Und gerade die Machtkonzentration im Finanzbereich erhellt eine sehr interessante Studie der Technische Hochschule Zürich (ETH), auf die mich Mathias Täge via Twitter aufmerksam gemacht hat. In „The network of global corporate control“ (hier als PDF, 36 Seiten zum Download) haben die Autoren der ETH (Stefania Vitali, James B. Glattfelder und Stefano Battiston1) die tatsächlichen Einflüsse global handelnder Unternehmen untersucht.

Seit vielen Jahren, so heißt es in einer Zusammenfassung auf physorg.com, sei es gängige Meinung, dass die Welt durch eine “monolide Elite” (“monied elite”) kontrolliert werde bzw. durch riesige multinationale (Finanz-)Konzerne. Die Forschungsergebnisse der ETH-Zürich haben dies nun bestätigt. Die Autoren erläutern in der Studie ausführlich ihre Methodik. Interessant daran, sie berücksichtigen nicht nur den unmittelbaren Einfluss, sondern auch indirekte Einflüsse über verschiedene Beteiligungsebenen hinweg.

 

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Die Forscher analysierten die Daten von über 43.060 internationalen Unternehmen (Basis Stand Orbis-Datenbank mit 30 Mio. Unternehmen, Stand vorwiegend 2007) und berücksichtigten dabei die Einflüsse sowohl nach unten als auch nach oben. Nach den Ergebnissen beherrschen 147 Einheiten fast 40 Prozent aller monetären Wert der transnationalen Konzerne (TNC = transnational corporation gem. OECD-Definition).

Bei der Analyse der Daten kartierten die Forscher die Einflüsse in Netzwerk-Karten, um die Struktur-und Kontrollmechanismen aufzudecken. Das daraus resultierende TNC-Netz zeigte einen Graphen mit 600.508 Knoten und 1.006.987 Eigentum Verbindungen über die verschiedensten Arten, auf die Unternehmenseigentum gehalten werden kann.

Dass sich unter den Top 25 vorwiegend Finanzunternehmen bewegen, stellt keine große Überraschung dar, wirft aber auch Fragen nach den Gefahren dieser Einflussmöglichkeiten auf.

Hier die Top 25 (ausführliche Übersicht mit entsprechenden Kennzahlen in der Studie auf S. 33)

1 BARCLAYS PLC
2 CAPITAL GROUP COMPANIES
3 FMR CORP
4 AXA FR
5 STATE STREET CORPORATION US
6 JPMORGAN CHASE & CO.
7 LEGAL & GENERAL GROUP PLC
8 VANGUARD GROUP, INC., THE US
9 UBS AG CH
10 MERRILL LYNCH & CO., INC.
11 WELLINGTON MANAGEMENT CO. L.L.P. US
12 DEUTSCHE BANK AG

13 FRANKLIN RESOURCES
14 CREDIT SUISSE GROUP
15 WALTON ENTERPRISES LLC

16 BANK OF NEW YORK MELLON CORP
17 NATIXIS
18 GOLDMAN SACHS GROUP, INC
19 T. ROWE PRICE GROUP, INC.
20 LEGG MASON, INC.
21 MORGAN STANLEY
22 MITSUBISHI UFJ FINANCIAL GROUP, INC.
23 NORTHERN TRUST CORPORATION
24 SOCIÉTÉ GÉNÉRALE
25 BANK OF AMERICA CORPORATION

Die Details werden in der Studie ausführlich erläutert. Der englischsprachige Text ist dabei sehr technisch ausgelegt.
Zusammenfassung
http://www.physorg.com/news/2011-08-powerful-corporations-world.html
Studie als pdf
http://arxiv.org/PS_cache/arxiv/pdf/1107/1107.5728v1.pdf

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