Retten die Ökonomen in dieser Woche in Lindau die Welt?

by Dirk Elsner on 23. August 2011

Es war die bisher interessanteste Einladung, die ich erhalten habe, seit ich diesen Blog betreibe. Eine Einladung zu der 4. Lindauer Tagung der Wirtschaftspreisträger, von der ich als Wirtschaftsblogger hätte berichten dürfen. Ich konnte die Ehre dieser Einladung leider so kurzfristig nicht mehr annehmen, weil wir schon länger Urlaub geplant hatten und meine Familie wenig Verständnis dafür gezeigt hätte, diesen am Bodensee zu verbringen und ich vielleicht tagsüber mit Joseph Stiglitz oder George Akerlof gesprochen und abends am Computer gesessen hätte.

Ja, in der Tat bekam ich beim Lesen der Tagungsteilnehmer eine Gänsehaut, weil darunter viele prominente Namen auftauchen. Von morgen bis zum 27.8. werden 18 Wirtschafts-(Nobel)-Preisträger und 370 Nachwuchsökonomen aus 65 Ländern an der Veranstaltung teilnehmen. Die Vorträge, so hieß es in der Einladungsmail, reichen von „The Future of Work in Europe“ (Christopher A. Pissarides) über „Currency Wars, Euro-Mania and the Price of Gold” (Robert A. Mundell) bis zu “Imagining an Economics that Works: Crisis, Contagion and the Need for a New Paradigm” (Joseph Stiglitz). Die Abschlussdiskussion findet am 27. August in der Universität St. Gallen statt: ““From Financial to Debt Crisis – Financial Markets, Fiscal Policy and Public Debt in Europe’s Monetary Union“ mit Robert A. Mundell, Roger B. Myerson, Edmund S. Phelps, Myron S. Scholes, Joseph E. Stiglitz, William R. White.

Ob die Ökonomen in Lindau angesichts der düsteren Stimmung neue Rezepte liefern, weiß ich natürlich nicht. Wenn ich dort gewesen wäre, hätte mich eine Frage besonders bewegt: Warum schafft es die Ökonomie nicht, auf die gegenwärtigen Herausforderungen durch die Finanz- und Schuldenkrise mit einer klaren Empfehlung zu antworten. Stattdessen verirrt sich die professionelle Wirtschaftswissenschaft in einer Vielzahl von Analysen und sich widersprechenden Konzepten.

Gerade deswegen schaut die Ökonomie besonders auf den Vortrag von Joseph Stiglitz. Olaf Storbeck schrieb in seinem Vorbericht zu der Veranstaltung “Stiglitz wird in Lindau ein neues theoretisches Modell vorstellen, das die Wirtschaftskrise besser erklären soll als die bisher gängigen Ansätze.” Ob die Ökonomie damit die Welt retten, bleibt abzuwarten, vielleicht retten sie damit zumindest ihren Ruf, denn der ist ganz schön angeknackst.

Im letzten Newsletter Handelsblatt Ökonomie war schon zu lesen, dass Olaf Storbeck vor Ort sein wird und auf allen Kanälen – Print, Online, Blogs, Video-Interviews – aus Lindau berichtet. Los ging es mit einem Auftaktbericht in der gestrigen Montagsausgabe. Die meisten Vorträge und alle Panels werden wir übrigens auf http://www.mediatheque.lindau-nobel.org/#/Home als Video on Demand ca. 1h nachdem sie gehalten wurden, online gestellt.

Vorberichte

HB: NobelpreisträgerÖkonomie-Krisengipfel in Lindau: Ab dem heutigen Dienstag diskutieren am Bodensee 17 VWL-Nobelpreisträger und 380 junge Forscher über die Zukunft der Disziplin.

FAZ: Nobelpreisträgertreffen – Lindau wird zum Mekka der Ökonomen: 17 der 38 lebenden Nobelpreisträger für Wirtschaft treffen sich diese Woche in Lindau am Bodensee. Sie wollen über die Zukunft der Weltwirtschaft und der Ökonomik debattieren

Welt: Nobelpreisträger: Versagen der Politik ruinierTt das westliche System: Stagnation und Auseinanderbrechen der Euro-Zone: In einer Umfrage von „Welt Online“ warnen Nobelpreisträger vor den Folgen der Krise.

Berichte aus Lindau

Via Twitter von Olaf Storbeck via @HB_Oekonomie und @Olaf Storbeck  sowie

Holger Zschaepitz (Die Welt) alias @Schuldensuehner

Patrick Bernau (FAZ) @PatrickBernau

Pablo Rodriguez (El Mundo) @Suanzes

Ryan Avent (Economist) @ryanavent

Weitere Hinweise gern über das Kommentarfeld

Highlights aus dem kompletten Programm (hier abzurufen):

24.8.

25.8.

26.8.

27.8.

  • Panel „From Financial Crisis to Debt Crisis – Financial Markets, Monetary Policy and Public Debt“: Robert A. Mundell, Roger B. Myerson, Myron S. Scholes, William F. Sharpe, William R. White (Chair: Martin Hellwig)

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