FAZ entmystifiziert die Allianz als Retter in der Schuldenkrise

by Dirk Elsner on 24. August 2011

Ein gutes Lesestück, das Philipp Krohn und Henning Peitsmeier am vovergangenen Samstag auf der Webseite der FAZ präsentiert. Unter dem Titel die “Die Weltenretter aus München” werfen sie hier einen kräftigen Schatten auf den Versicherungskonzern, mit deren Portokasse sich bekanntlich viel Staaten und Unternehmen in der ganzen Welt finanzieren. Der Konzern hatte sich in den vergangenen Jahren und auch zu letzte in der Debatte um Lösungen der griechischen Schuldenkrise mit diversen Vorschlägen in rechte Licht gerückt. Krohn und Peitsmeier zeigen nun, wie eigennützig der Konzern dabei handelte und sich an gemachte Zusagen nicht gehalten hat. Hier zwei Beispiele aus dem Beitrag:

“Zum Bilanzstichtag am 31. Dezember 2010 hielt die Allianz noch 1,3 Milliarden Euro, und zugekauft wurde bis zum heutigen Tag vermutlich auch nicht. Dabei handelt die Allianz nicht anders als viele andere deutsche Versicherer, die ihre Bestände an griechischen Staatsanleihen wegen des hohen Ausfallrisikos reduzierten, obwohl sie im Mai 2010 Finanzminister Wolfgang Schäuble versprochen hatten, ihr Engagement aufrechtzuerhalten.”

“Für die Rettung der Hypo Real Estate (HRE), von der auch der Pfandbriefinvestor Allianz profitierte, war kaum Dankbarkeit aus München zu vernehmen. Immerhin beteiligte man sich an dem Hilfsfonds. Als sich indes die Commerzbank mit der größten Kapitalerhöhung der Geschichte wieder etwas aus der staatlichen Abhängigkeit befreien wollte, halbierte der Versicherungskonzern mal eben seinen Anteil an der Bank. Die exklusive und lukrative Vertriebskooperation dagegen, über die sich mancher in der Branche ärgert, wurde natürlich aufrechterhalten.”

Wenn ich auf diesen Artikel hinweise, dann ist damit keine Häme verbunden, ja nicht einmal eine Kritik an der Geschäftspolitik der Allianz. Im Gegenteil: Die Allianz muss so handeln und das ihr Vermögen bzw. das ihrer Versicherten schützen. Kritik darf man aber an der Öffentlichkeitsarbeit der Allianz üben und auch an denjenigen, die Vorschläge und Zusagen als uneigennütziges Engagement der Finanzbranche präsentieren, wie etwa im Frühjahr 2010 als es im Handelsblatt hieß: “Deutsche Banken helfen Athen mit „beträchtlichen Summen“.

Natürlich verfolgen die Konzerne und ihre Spitzen die Interessen ihrer Unternehmen, das müssen sie auch. Daher ist es aber befremdlich, wenn Vertreter von Finanzinstitutionen an Gipfeltreffen teilnehmen. Klar, die Teilnahme von Vertretern der Finanzbranche am Griechenland-Gipfel wurde der Öffentlichkeit als “notwendig” verkauft, um eine einvernehmliche Lösung zu entwickeln. Den Interessen der Steuerzahler ist man damit freilich nicht gerecht geworden. Banken und andere Finanzinstitutionen werden bekanntlich als die großen Gewinner des Gipfel gesehen wie etwa Gerald Braunberger in der FAZ feststellt und das zu Recht.

Übrigens, bereits im Juni letzten Jahres kassierten die Banken ihre Hilfszusagen für Griechenland wieder ein.

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