Mal den Ball flach halten: Verschlechterung des Ratingausblicks für Deutschland ist jetzt nicht der Burner

by Dirk Elsner on 6. Dezember 2011

Nur kurz, weil die Aufregung schon wieder steigt, weil es nun auch Deutschland erwischt: Die Verschlechterung des Ratingausblicks für weitere Teile der Eurozone und auch Deutschland durch Standard & Poor´s kommt jetzt nicht so überraschend, wie jetzt viele tun. Wenn man den Markt für Kreditversicherungen regelmäßig beobachtet, ist dort bereits seit Monaten zu beobachten, dass die Kosten für die Absicherung gegen ein Kreditereignis Deutschlands (also Zahlungsausfall bzw. –verzögerung) deutlich gestiegen sind. Unabhängig von der Frage, ob solche Kreditversicherungen auf Staaten wie Deutschland oder die USA Sinn machen, unterstreichen damit die “Finanzmärkte” selbst, dass deutsche Anleihen nicht frei von Risiken ist. Insoweit zieht die Rating Agentur nur das nach, was ohnehin schon am Markt bekannt ist.

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Man kann jetzt natürlich jetzt die Panikgeige fiedeln, viel Sinn macht das jedoch nicht. Putzig sind die ewig gleichen empörten Reaktionen der Politiker und Marktbeobachter. Nun schäumt reflexartig die Politik und es wird wieder gedroht, die Agenturen wieder mit neuen Regulierungsanforderungen zu überziehen. Mit den Pseudoaktivitäten zur Gründung staatlicher Ratingagenturen setzt sich Andreas Buschmeier in seinem Blog kritisch auseinander.

Ich kann nicht erkennen, dass die europäische Politik auf die früheren Herabstufungen wie angedroht reagiert hat und nur eine konkrete Maßnahme umgesetzt hat. Das Rating der Agenturen spielt nach wie vor eine ganz zentrale Bedeutung in der Finanzmarktregulierung. Diese herausgehobene Stellung haben erst die europäischen Gesetzgeber und Aufsichtsbehörden den Agenturen verschafft. Dazu erklärt Joachim Dreykluft heute in der FTD über die Mythen der Ratingagenturen:

“Politische Macht haben die Agenturen. Doch sie ist geliehen, in der Regel von den Vertretern öffentlicher Institutionen, die gerne die Macht der Agenturen beklagen. Denn ob sich Regelwerke von Notenbanken, Bankenaufsehern, Börsenaufsichten oder auch öffentlichen oder großen privaten Kassen an Kreditratings orientieren müssen oder nicht, ist nicht gottgegeben. Niemand zwingt etwa die EZB, die Hinterlegung von Sicherheiten für Bargeld vom Rating US-amerikanischer privater Unternehmen abhängig zu machen.”

Es dämmert zwar seit Jahren, dass man hier überzogen hat. Aber außer inhaltsleeren Absichtserklärungen (wie etwa hier vom Bundestag) sind bisher keine Maßnahmen umgesetzt, die den Agenturen ihr Gewicht nehmen. Das Gegenteil ist der Fall. In den neuen Mammutvorschriften Basel III und Solvency II werden die Agenturen eher gestärkt. Und erst im November hat die EU-Kommission Gesetzesvorschläge zur Regulierung der Agenturen in letzter Minute entschärft.

Ach so, der Bund-Future hat übrigens bisher vergleichsweise gelassen auf die S&P-Drohung reagiert und notierte am Vormittag ganze 0,22% schwächer im Vergleich zum Vortag. Hysterie und Panik sehen anders aus. Die "Märkte” halten haben schon vor Monaten damit begonnen, sich vom Mythos der risikofreien Kapitalanlage zu verabschieden. Ich rate auch dazu, den Ball flach zu halten.

Der Beitrag wurde und wird im Laufe des Tages aktualisiert

Ulrich_W_Hanke Dezember 7, 2011 um 03:54

Warum sind die Märkte nur so unruhig? Dass der Schuldenkrise in Europa auch die Abstufung der Schuldenstaaten durch die Ratingagenturen folgt, ist doch längst klar gewesen. Jetzt machen die Agenturen mal ihre Arbeit richtig – nicht wie noch vor Lehman – und schon ist das vielen Medien auch wieder nicht recht. Ich rate, jetzt behutsam Aktien zu kaufen. An Unternehmen beteiligt zu sein, anstatt an fast-bankrotten Staaten oder wertloses Papiergeld in den Händen zu halten, ist sicher nicht das Schlechteste derzeit.

Carlynda Dezember 14, 2011 um 04:09

You’ve got to be kidding me-it’s so transrpaently clear now!

dcfkoggx Dezember 14, 2011 um 12:31

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tjgqpevwr Dezember 16, 2011 um 13:10

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Felix Dezember 6, 2011 um 15:48

Also Laie wüsste ich gerne wie das gemeint ist “Der Mythos vom der Risikofreien Kapitalanlage”. Ich stelle mir das eher als eine Marketinglüge von Finanzverkäufern vor. Also etwas auf das der Ottonormalbürger hereinfällt, weil er sich nicht auskennt. Sie unterstellen allerdings, dass auch die Fachleute daran “geglaubt” haben, d.h. so gehandelt haben, dass es solche Dinge gibt. Wie kann das passieren? Das würde mich doch sehr interessieren.

dels Dezember 6, 2011 um 16:11

@Felix
Sehr interessante Frage, für die sich eigentlich ein eigener Beitrag zu schreiben lohnt (aber nicht heute). Daher hier nur Stichworte.
Ja, auch Fachleute haben an diesen Mythos geglaubt und tun es immer noch. Das wird daran deutlich, dass z.B. die in vielen Banken verwendeten Risikomodelle und Handelsalgorithmen den risikofreien Zins als Referenzzins enthalten. Außerdem findet sich das “risk free asset” in nahezu allen Lehrbüchern zur Kapitalmarkttheorie.
Ich selbst habe übrigens bis 2007 auch daran geglaubt.

dels Dezember 6, 2011 um 11:50

@ Eric B:
Im Finanzbusiness gibt es absolut keinen sicheren Hafen mehr. Im August schrieb ich hier zuletzt vom “Ende des Mythos der risikofreien Geld- und Kapitalanlage – Prämien für Kreditversicherung Deutschlands steigen stark“. Darin schrieb ich u.a. “Aber auch Schulden Deutschlands, die oft als risikofrei gepriesen werden, sind nicht frei von Ausfallrisiken. “

Eric B. Dezember 6, 2011 um 11:39

Also diese Einschätzung teile ich überhaupt nicht. Wer hat denn bisher angenommen, dass Deutschland seinen Status als sicherer Hafen und Marktreferenz verlieren würde? Hier auf diesem Blog habe ich das jedenfalls nicht gelesen. Und natürlich das Timing wichtig. Zwar kommen die Agenturen regelmäßig vor EU- und Eurogipfeln mit einem Downgrade. Diesmal kam es aber direkt nach dem viel gefeierten Gipfeldeal zwischen Sarkozy und Merkel. Wenn das kein massiven Mißtrauensvotum ist, wie ich auf meinem Blog schreibe ( http://lostineurope.posterous.com/downgrade-fur-merkozy ), dann weiß ich es nicht mehr…

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