Nach dem Stresstest: Wann reagieren die Banken selbst endlich auf die Krise?

by Dirk Elsner on 14. Dezember 2011

Wieder einmal hat die Europäische Bankenaufsicht EBA die Zähne gefletscht und nach einem etwas realistischeren Test-Szenario einen Kapitalbedarf für 70 europäische Großbanken von fast 115 Milliarden Euro festgestellt. Insbesondere internationale Banken stehen damit weiter unter erheblichen Dauerfeuer.

Wie tief die Bankenkrise ist, lässt sich mehr als nur erahnen, wenn man daran denkt,

So langsam wird es Zeit, dass die Banken endlich selbst eine Antwort auf die Bankenkrise geben. Immer wieder lese ich nur von Verweisen auf die europäische Politik. Die müsse die Schuldenkrise in den Griff bekommen, dann wachse daraus wieder neues Vertrauen für den Finanzsektor, so schallt es monoton aus dem Finanzsektor. Mit Verlaub, ich halte das angesichts der üppigen Maßnahmen für ausgesprochen dünn. Aus den letzten Jahren sind mir kaum Beiträge betroffener Banken bekannt, in denen sie selbst etwas zur Lösung der Krise geleistet haben.

Und die Erwartung an den Finanzsektor steigt, denn nie zuvor hat ein Wirtschaftssektor so umfangreiche Subventionen erhalten, wie das Finanzsystem. Der Ökonom Hans-Peter Burghof schreibt in der ZEIT von einer künstlichen Beatmung des Bankensystems. Der Staat übernimmt direkt und indirekt Risiken, deren Höhe sich kaum noch beziffern lassen. Und dennoch gelingt es nicht, das Vertrauen in den Sektor zurück zu bringen.

Was ist da los, will man schreien. Wie tief ist die Bankenkrise tatsächlich? Und warum leisten insbesondere die internationale Großbanken keine eigenen Beiträge, um die Krise zu mildern? Trotz der Übernahme von Milliarden- Billionen-Risiken durch die europäischen Steuerzahler nöckeln Branchenvertreter ständig an den Maßnahmen herum. Konstruktive Vorschläge sucht man dagegen vergebens. Oliver Stock schrieb zum Gejammer der Banken auf Handelsblatt Online:

“Das Ganze wäre ja nicht weiter erwähnenswert, wenn nicht hinter dem Gejammer eine Wahrnehmung steckte, die aus einer Welt stammt, die keine Finanzkrise mit anschließendem Schuldendebakel kannte. Eine Wahrnehmung, die nicht wahrhaben will, dass sich die Welt seither gedreht hat. Dass es nicht mehr die Prüfkandidaten sind, die bestimmen, wann sie worin geprüft werden, sondern dass es die Aufseher sind, die das nach eigenem Fahrplan entscheiden. Dass es auch nicht mehr in jeden Fall die Auftraggeber sind, die über die Veröffentlichung eines Ratings entscheiden, sondern dass sich manchmal die Agenturen herausnehmen, selbst zu bestimmen, wann sie welche Note beispielsweise an ein Land oder eine Bank verteilen.” 

Stock schließt:

“Hören wir nicht zu sehr auf die Kritiker an EBA und Ratingagenturen, die uns weismachen wollen, dass es nicht an den Kandidaten liegt, wenn sie durch die Prüfung fallen, sondern dass der Fehler beim Prüfer liegt. Diese Kritiker und nicht wir sind es, die in einer verkehrten Welt leben.”

Und er hat absolut Recht. Es ist dringend Zeit, dass die betroffenen Finanzhäuser endlich selbst aktiv werden und nicht nur auf staatliche Aktivitäten verweisen. Sie müssen sich darauf besinnen, Verantwortung zu übernehmen und endlich selbst Vertrauen schaffen.

Previous post:

Next post: