Ein Gang durch deutsche Wirtschaftsblogs (+ Mindmap)

by Dirk Elsner on 6. Januar 2012

Zwischen den Jahren war ich etwas schreibfaul und musste mich erst einmal zurück in die Blogwelt schreiben. Was lag da näher, als einfach mal die Mindmap der deutschsprachigen Wirtschaftsblogs zu aktualisieren und dabei einen Streifzug durch die Blogs zu machen. Leider habe ich diesen Beitrag in meinem Entwurfsordner gelassen und nicht veröffentlicht. Das hole ich heute nach.

Konkreter Anlass waren verschiedene Beiträge zum Jahreswechsel, die sich mit Wirtschaftsblogs befasst haben. Allen voran die Beitragsreihe im PR-Blogger von Florian Semle

Dazu passend hat Johannes Kuhn ein sehr schönes Plädoyer für Blogs zum Start des SZ Digitalblogs geschrieben unter dem Titel: Warum bloggen?. In einem Blogeintrag auf kopfzeiler.org hat eine Liste mit Blogempfehlungen gepostet. Außerdem hat Finews, eine lesenswerte Finanzseite aus der Schweiz eine Übersicht mit den “besten Finanzblogs im deutschen Sprachraum” gepostet.

All die Beiträge habe ich mal verwendet, um die Mindmap der Deutschen Wirtschaftsblogs zu aktualisieren und einen kleinen Rundgang gewagt:

Hier zunächst die Mindmap, die man natürlich vergrößern kann und die mittlerweile auf 210 deutschsprachige Wirtschaftsblogs angewachsen ist (Hinweise auf weitere Blogs gern im Kommentarfeld):

 

Und nun der Gang durch einige Blogs, der aus Zeitgründen sehr einseitig ausgefallen ist, weil ich nämlich bei den allgemeinen Wirtschaftsblogs hängen geblieben bin. Nächstes Mal beginne ich dann bei den Ökonomieblogs. 

Das Bankhaus Rott ist unter dem Titel “Die Eurohypo könnt Ihr behalten!” in die Archive der Commerzbank getaucht und hat geschaut, mit welchen PR-Sprech-gespickten Versprechungen die Bank in den letzten Jahren Personalwechsel, Beteiligungen und Produktankündigungen “verkauft” hat. Herrlich zu lesen, wie etwa:

“Manch einer wird sich vielleicht noch an die im Jahre 2007 von der Commerzbank eingeführte „ebay-Kreditkarte“ erinnern. Nur knapp ist dieses kleine Stück Plastik daran vorbeigeschlittert, auf Grund unermesslicher Innovationskraft einen neuen Kondratieff-Zyklus anzustoßen.Manch einer wird sich vielleicht noch an die im Jahre 2007 von der Commerzbank eingeführte „ebay-Kreditkarte“ erinnern. Nur knapp ist dieses kleine Stück Plastik daran vorbeigeschlittert, auf Grund unermesslicher Innovationskraft einen neuen Kondratieff-Zyklus anzustoßen.”

Ausgegraben hat man außerdem eine Liste mit den eröffneten Büros der Bank in den letzten Jahren:

    • Libyen (2008)
    • Äthiopien (2007)
    • Aserbaidschan (2007)
    • Turkmenistan (2008)
    • Georgien (2011)

Acemaxx Analytics macht sich die Mühe, uns in einigen Beiträgen die Logik eines Paul Krugmans zu erläutern. Der Nobelpreisträger der Ökonomie Krugman weiß bekanntlich alles und das auch noch besser. So erfahren wir in “Keynes ist heute gültig wie vor 75 Jahren” warum es besser ist, wenn sich Staaten weiter zur Ankurbelung der Konjunktur verschulden sollten. In “Staatsverschuldung und Schuldenlast” lässt uns das Acemaxx daran teilhaben, warum Staatsverschuldung für Krugman kein Problem ist.

Daniel Daffke wundert sich in seinem gleichnamigen Blog über den Vulgärkeynesianismus und schlussfolgert, dass Griechen und Amerikaner mit ihrer eindrucksvollen Konsumleistung im neuen Jahr die Weltwirtschaft retten werden.

Wie immer lesenswert für Leute, die auf Skepsis und Pessimismus stehen, ist Markus Gärtner, der sich zum Beispiel fragte, ob der “Muni-GAU” doch kommt.

Erhellend finde ich Jilnik News über die “unsichtbare Zerstörungskraft der Inflation”, die sich nicht nur an steigenden Preisen festmacht.

logicorum hat eine Übersicht der Bundesbank ausgegraben, aus der man sehen kann, bei welchen Bankengruppen die deutschen öffentlichen Haushalte verschuldet sind.

Den Blog “Lost in Europe” habe ich erst kürzlich entdeckt und schaue da häufiger rein. Eric B, arbeitet nach eigenen Angaben als freier Journalist in Brüssel, schreibt unterhaltsam und tiefgründig über die Europapolitik. In Merkels historische Schuld setzt er sich kritisch mit der Lobhudelei auf Angela Merkel auseinander.

Jens Berger weist im Spiegelfechter auf ein Video von Robert Misik hin, in dem Misik sich Gedanken macht, warum so viele Menschen ganz offensichtlich ein inneres Bedürfnis haben, unsere Gesellschaft untergehen zu sehen.

F Lübberding befasste sich zum Jahresende auf Wiesaussieht (dem würdigen Nachfolger von Weissgarnix) mit der “der Würde des Amtes”. Darin geht es um eine Klage, die Bundespräsident Wulf gegen gegen einen Mann aus Zittau anstrengt.

Der Wirtschaftsphilosoph lästert in “Wie soll man auf schnorrende Provokateure reagieren?” über das wie ich finde äußerst lesenswerte Dossier in der ZEIT „Maria und Josef im Ghetto des Geldes“, ein Erfahrungsbericht, wie es einem verkleideten obdachlosen Paar im Taunus erging.

Hansruedi Ramsauer hat sich auf dem zum Glück wieder gestarteten Blog Zeitenwende.ch mit den Schuldzuweisungen in der Eurokrise befasst.

Gleich zwei super interessante Beitrag hat Peter Addor gepostet: In Können Modelle die Zukunft vorhersagen? rezensiert er den Text von Marcus Jenals “How to plan in uncertainty” und er erinnert daran, dass es keine absolute Gewissheit gibt, auch nicht in exakten Wissenschaften.

Und hier bricht es abrupt ab, weil ich beim Lesen hängen geblieben war und das Schreiben vergaß. Mittlerweile könnte man wohl täglich so eine Blogschau präsentieren, weil es so viele interessante und gut lesbare Beiträge gibt.

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