Das große Match um Mobile Payment (3): Offensive Im Mittelfeld am Point of Sale

by Dirk Elsner on 19. April 2012

Im zweiten Teil dieser Reihe zum Mobile Payment habe ich einige große Stürmer vorgestellt. Ich habe bereits darauf hingewiesen, dass die Entwicklungen im Mobile Payment derzeit so rasant sind, dass selbst ein umfangreicher Text, wie diese Reihe, nicht alle Entwicklungen abdecken kann (siehe für eine Übersicht auf einen Blick die Mindmap des Next Payment). Heute geht es quasi um das Mittelfeld des Mobile Payments. Auch das ist ziemlich interessant besetzt.

Neue Dienstleister dringen nicht nur von der Endkundenseite in die klassische Wertschöpfungskette der Finanzbranche ein, sondern auch direkt am Point of Sale. Der Gründer von Twitter, Jack Dorsey, hat mit Square ein Unternehmen gegründet, dass die Akzeptanz von Kreditkarten kinderleicht und vor allem billiger macht. Die Mission fasste Netzwertig kürzlich zusammen: “Zahlungsprozesse am Point of Sale radikal zu vereinfachen und zu verbessern.” Das Smartphone wird so zu einem Kreditkartenleser erweitert.

 

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Darüber hinaus bietet Square´s Lösung eine Vereinfachung der bisherigen Prozesskette am Verkaufsort (= Point of Sale)  und verschafft den Händlern einen Mehrwert an Informationen. Square stattet Smartphones mit einen Kartenlesegerät (siehe Bild) und einer zusätzlichen App aus, die es gestattet, Zahlungen entgegenzunehmen. In einem Gespräch mit der der Print Ausgabe der deutschen Technology Review (Juni 2011) hat Dorsey die Vorzüge seines Systems erläutert. Kreditkartenzahlungen anzunehmen sei bisher außergewöhnlich komplex, undurchsichtig und teuer gewesen, weil viele etablierte Mitspieler davon profitieren wollen [1].

Square mag zwar noch als Nachwuchstalent gesehen werden und ist erst am Anfang seiner Entwicklung, sorgt aber bereits jetzt für öffentlichen Applaus. Square erwartet, dass das Dongle genannte Lesegerät in Zukunft überflüssig sein wird, weil etwa mit der Near Field Communication die Datenübertragung zwischen Karte und Smartphone vereinfacht wird. Und mit der App “Pay with Square” hat Dorsey bereits via. Geofencing-Technologie einen Weg gefunden, dass Kunden ohne Zücken der Kreditkarte via Square bezahlen können.

Hochgerechnet auf ein Geschäftsjahr soll Square derzeit schon für 3 Mrd. US$ Zahlungen abwickeln. Bei 2,75% Provision errechnen sich daraus 82 Mio. US$ Umsatz, der aber zum größten Teil an die Kartengesellschaften weitergeleitet werden muss, schrieb FastCompany im Februar.

In Deutschland wagen sich mittlerweile mit dem in Payleven umbenannten Zenpay und Streetpay übrigens die ersten Square-Klone an den Markt[2]. Mit SumUp steht ein weiterer Square-Klon in den Startlöchern. “Allen”, so vermutet Martin Weigert auf Netzwertig, “dürfte es ähnlich wie iZettle darum gehen, schnellstmöglich den europäischen (und im Falle von payleven womöglich auch andere Regionen außerhalb von Nordamerika) einzunehmen, um so Square den Markteinstieg zu erschweren und sich als attraktives Übernahmeziel zu präsentieren.”

Interessant, dass die Hauptkonkurrenten von Square nicht aus dem klassischen Finanzsektor kommen. Nein, PayPal will den Kampf mit dem ähnlichen Angebot PayPalHere aufnehmen, wie der stets lesenswerte Blog der Volksbank Bühl informiert. Daneben positioniert sich iZettle aus Schweden [3].

 

Flächentest am Mittelmeer

Mittlerweile gibt es Pilotprojekte in Europa, in denen die Akzeptanz des Mobile Payments auf der Fläche getestet wird. An der Côte d’Azur, so berichtet die Zeitschrift Wisu 1/2012, können Kunden der Mobilfunkgesellschaft Orange an 1.800 Terminals in Geschäften, Restaurants und an Fahrkartenautomaten mit dem Smartphone bezahlen. “Auch auf dem Campus der Hoch-

schule Sophia Antipolis in der Nähe von Nizza gibt es zahlreiche NFC-fähige Geräte. Hält man sein Smart-phone an die Terminals, kann man beispielsweise erfahren, wo sich bestimmte Bücher in der Bibliothek befinden”, heißt es weiter in dem Artikel.

Der Einzelhandel positioniert sich ebenfalls neu

Aber so sehr die neuen Anbieter auch von technikbegeisterten Medien und Blogs gefeiert und gefördert werden, bei der Entscheidung über den Einsatz neue Zahlungsformen sollten man den Einzelhandel nicht vergessen. Der entscheidet nämlich darüber, über welchen Weg er Zahlungen akzeptiert. Und es ist kaum vorstellbar, dass er für alle am Markt gespielten Verfahren die entsprechenden Techniken bereit hält.

Der Einzelhandel betrachtet das Treiben nach Einschätzung der Fachwebseite Der Handel mit gespannter Gelassenheit und zitiert den Topmanager eines großen deutschen Lebensmittelhändlers: „Solange der Kunde an der Kasse nicht sagt: ‚ich gehe zur Konkurrenz, wenn Ihr das nicht akzeptiert‘, sehen wir keinen Handlungsbedarf.“  Ähnlich defensiv äußert sich auch Wal Mart, immerhin 500 Mrd. US$ Umsatz. Mike Cook, der beim US-Einzelhandelsgiganten nach Angaben der Technology Reviewüber die Verwendung neuer Zahlungsformen entscheidet, ist durchaus skeptisch, was die große Vielfallt der Zahlungsmethoden betrifft.

Und tatsächlich ist noch nicht klar, auf welcher Seite die großen Retailer stehen. Unternehmen wie Wal-Mart in den USA oder die REWE-Gruppe in Deutschland haben einen gewaltigen Einfluss auf Zahlungsmethoden. Sie sind zwar allein aus Kosten- und Marketinggründen an den neuen Zahlungsformen interessiert, nach Informationen von FoxBusiness gibt es aber Überlegungen von Wal-Mart und Target zusammen mit zwei Dutzend weiteren Einzelhändlern eine eigene Mobile Payment Lösung anzubieten.

In Deutschland hat die OttoGroup das Unternehmen Yapital (lt. der Fachwebseite “Der Handel” mit Banklizenz in Luxemburg) gegründet. Damit will der Versandriese PayPal Konkurrenz machen und online und offline “unkomplizierte” Bezahlung anbieten. Daneben erprobt Starbuck eine Lösungen als geschlossene System, wie André Bajorat schreibt, aus Bonuspunkten, Sonderangeboten und der aufladbaren Starbucks-Payment-Card.

Hier bildet sich also eine starkes Mittelfeld. Ob dieses Mittelfeld die Stürmer aus der IT- und Kommunikationsbranche unterstützen wird, ist noch offen. Derzeit sieht es eher so aus, als würde einige hier eine eigene Mannschaft aufstellen wollen.

Die beiden letzten Beiträge haben gezeigt, welche Spieler derzeit um die Champions League im Payment mitspielen wollen. Trotz innovativer und finanzstarker Spielweise ist aber von einem Zusammenspiel wenig zu sehen. Genau davon könnten die Gatekeeper des Zahlungsverkehrs profitieren. Um die geht es in dem nächsten Beitrag.


[1] Dorsey rechnete vor, dass ein Händler heute zunächst einmal etwa 700 Dollar bezahlen muss für einen Kasten, der nichts anderes macht, als die Zahlung einzuziehen. Dazu störte ihn der Medienbruch zwischen der Registrierkasse und dem Einzugsterminal.

[2] Siehe zum aktuellen Stand in Deutschland auch Netzwertig, Die Kartenzahlung per Smartphone kommt nach Deutschland.

[3] Das Geschäftsmodell und auch die Abgrenzung zu Square erklärt André M. Bajorat ausgezeichnet in dem Beitrag iZettlederPOSPayment Silobreaker aus Schweden oder das europäische Square.

Beitrag angepasst am 22.5.2012

[2]

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