Schlecker war kein Ponyhof

by Dirk Elsner on 4. Juni 2012

Pony Fail

Uninteressant für Investoren: Ponyhof (Foto: flickr/Ewan-M)

Schlecker wird nun abgewickelt. Das ist ein Drama für die Angestellten der Drogeriemarktkette. Ich hoffe, dass die Einschätzungen und Meldungen stimmen, dass im Einzelhandel händeringend nach Mitarbeitern gesucht wird und die Menschen schnell einen mindestens gleich guten, idealerweise aber einen besseren Arbeitsplatz finden als bei der maroden Drogeriekette.

Typisch ist jetzt die Debatte darüber, was Anton Schlecker hätte besser machen können. Das kann man verfolgen, muss es aber nicht. Stets nach solchen Pleiten tauchen diejenigen auf, die es schon vorher immer besser gewusst haben. Da werden bekannt gewordene Einzelverhaltensweisen von Anton Schlecker bzw. seinem Management in einer Weise aufgeführt, als ob dies zwingende zum Konkurs hätte führen müssen: schlechte Arbeitsbedingungen, karge Filialen, intransparente Verhaltensweisen und und und.

Das ist natürlich bullshit. Es gibt viele Unternehmen, die hier noch deutlich schlimmer agieren und ordentliche Gewinne machen und umgekehrt gibt es Unternehmen mit Top-Arbeitsbedingungen, hoher Transparenz und guter Bezahlung, denen es schlecht geht. Unternehmen ticken nicht so einfach und sind gerade über zwei oder drei Stellschrauben zu steuern. Eine Unternehmenskrise hat in der Regel viele Ursachen (siehe dazu auch Mögliche Ursachen von Unternehmenskrisen). Manchmal sind sie einfach zu erkennen, manchmal hilft der Zufall, sie zu überwinden und manchmal geht es schief.

Nehmen wir mal als Beispiel das Thema “Sturheit und Größenwahn”, die, glaubt man dem Handelsblatt zum Aufstieg und den Niedergang des Unternehmens geführt haben. Das sind Eigenschaften, die manche auch gern dem verstorbenen Steve Jobs zuschreiben. Bei Apple haben diese Eigenschaften (übrigens neben großer Intransparenz) erst zum Aufstieg, dann zum Niedergang (und dem Rausschmiss von Job) und später wieder zum Aufstieg geführt.

Schlecker geht letztlich aus ganz profanen Gründen unter. Zuletzt gab es einen Poker verschiedenster Stakeholder um den Erhalt des Konzerns. Wenn die FTD schreibt, “die Offerten [potentieller Investoren] konnten die Geldgeber und Lieferanten nicht überzeugen,” dann steckt da die einfache Tatsache dahinter, dass die wichtigsten Gläubiger durch den Verkauf mehr Geld verloren hätten, als sie nun durch eine Abwicklung erzielen werden. Das hat auch nichts damit zu tun, dass die Konzepte der potentiellen Investoren nicht tragfähig waren. Sie selbst dürften die nämlich als tragfähig angesehen haben, nur waren sie für die Gläubiger nicht attraktiv.

Das ist bitter, denn die Berichterstattung hat den Eindruck vermittelt, durch die Interessenten Berggruen und Cerberus gäbe es Hoffnung für die Belegschaft. Aber weder Berggruen noch Cerberus leiten einen gemeinnützigen Ponyhof, sondern knallhart kalkulierende Beteiligungsgesellschaften. Die machen nichts, weil sie den ersten Preis im Gutmenschenwettbewerb gewinnen wollen. Sie können nur dann hohe Risiken eingehen, wenn sie für die eigenen Geldgeber eine entsprechende Gewinnerwartung haben. Und dazu hätten offenbar die Gläubiger auf noch mehr Geld verzichten müssen.

Wenn übrigens Berggruen vermitteln lässt, er sei wegen der Kündigungsschutzklagen und des großen medialen Interesses an Schlecker abgeschreckt worden, dann wundert mich das. Das Thema Kündigungsschutzklagen ist seit Wochen bekannt und das mediale Interesse an Schlecker ist seit Monaten hoch. Berggruen dürfte dies spätestens seit seiner Übernahme von Karstadt gewohnt sein. Im Poker um Karstadt hatte Berggruen übrigens die Medien geschickt für die eigenen Interessen instrumentalisiert  (siehe “Karstadt-Käufer Berggruen noch nicht über den Berg aber mit zwonulligem Schachzug gegen Deutsche Bank und Goldman Sachs”). Tatsächlich werden ja auch Teilbereiche der Gruppe an Investoren verkauft. So schreibt die SZ, dass die Filialen von „Ihr Platz“ undSchlecker XL von der Münchner Investmentgesellschaft Dubag erworben werden.

Logisch jedenfalls, wie dies Susanne Preuss auf FAZ Online schreibt, ist das Ende von Schlecker nicht. Zumindest ex-ante wären andere Lösungen denkbar gewesen, wenn Investoren und Gläubiger sich entgegen gekommen wären. Ex-Post allerdings ist das Ende eine logische Konsequenz, weil es an der Einigungsbereitschaft mangelte. Vorwürfe lassen sich daraus gegen Niemanden ableiten, denn so tickt tatsächlich unsere Wirtschaftsordnung. Man verhandelt über Lösungen und versucht eine Einigung zu finden, von der sich letztlich jede Partei einen Vorteil verspricht. Gelingt diese Einigung nicht, dann werden die Verhandlungen abgebrochen.

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