Welchen Umbruch wagt die Deutsche Bank ab heute?

by Dirk Elsner on 11. September 2012

Heute will die Deutsche Bank auf ihrem Investors Day bekannt geben, wie sie mit ihrem nicht mehr ganz so neuen Führungsduo Anshu Jain und Jürgen Fitschen die “Zukunft gestalten” will. Klar scheint nach Informationen des Handelsblatts zu sein, dass die Bank Kosten sparen will und am Modell der Universalbank festhalten wird. Was das Handelsblatt in der Freitagsausgabe zusammen getragen hat und mittlerweile online ist, klang nicht besonders überraschend und entspricht dem banküblichen Strategiemuster (Senkung der Kosten, Fokussierung auf bestimmte Geschäftsfelder, Fit machen für regulatorische Anforderungen, Erneuerung der IT-Systeme, Änderung der internen Anreizsysteme).

Die FTD stellte letzte Woche treffend fest, dass Fitschen und Jain seit Monaten am neuen Image der Bank basteln. Spannend ist aber viel eher die Frage, wie die Bank das anstellen wird. Das Handelsblatt will einen neuen Ton der Bank erkannt haben und macht das fest an Aussagen von Fitschen wie “Vertrauen fängt damit an, dass das, was wir tun, von der Mehrheit akzeptiert wird als etwas, das einen Nutzen stiftet für die Gesellschaft." Für mich bleiben das erst einmal Worthülsen, die mit Inhalten ausgefüllt werden müssen.

Immerhin hat Jürgen Fitschen die Erwartungslatte auf dem inhaltlich enttäuschenden Bankenkongress “Banken im Umbruch hoch auf gelegt mit Aussagen wie:

„Schöne Broschüren, wo alles richtig beschrieben ist, werden uns nicht einen Millimeter voranbringen.“ Fitschen sprach sich laut Handelsblatt für Kreativität im Bankensektor aus: “Es muss ein Klima geben, indem wir unsere Kunden auch mit neuen Finanzprodukten beglücken können. Sonst wäre Banking eine stinklangweilige Industrie.”

Ich bin sehr gespannt, ob Jain und Fitschen das heute bereits mit Inhalten füllen werden, denn das was die Deutsche Bank macht, hat Signalwirkungen für die gesamte Branche. Dem Institut ist das bewusst. Laut Wall Street Journal rief der Aufsichtsrat schon mal in einem offenen Brief die Wende aus: “Aufsichtsrat und Vorstand der Deutschen Bank sind entschlossen, dass unsere Bank eine Vorreiterrolle bei diesem Wandel spielen muss.”  Aber selbst wenn Begriffe wie Image und Kulturwandel gut klingen mögen, sie zaubern den Investoren, wie Andrea Rexa für die Süddeutsche feststellt, allenfalls ein schiefes Grinsen ins Gesicht.

Es dürfte also nicht ganz einfach für das Führungsduo sein, ein Strategiebündel vorzustellen, dass Aktionäre, Kunden, die kritische Öffentlichkeit und die Mitarbeiter zufrieden stellt. Das Institut hat hier akuten Handlungsbedarf, denn es gehört zwar an der Bilanzsumme gemessen zu den größten Instituten weltweit, rangiert aber beim Marktwert nur im Mittelmaß.

Mittlerweile notiert die Aktie wieder über dem Kurs am Tage des Amtsantritts von Jain und Fitschen. Diesen Anstieg dürfen sich aber bisher vor allem die EZB und der deutsche Steuerzahler ans Revers heften für die diversen Bemühungen die Finanz- und Schuldenkrise in den Griff zu bekommen.

Wer Interesse und Zeit hat, der kann sich die Live-Übertragung des Investor Days heute und morgen in englischer Sprache ansehen über diese Webseite. Dafür ist eine Registrierung erforderlich.

Nachtrag

Der große Wurf ist ausgeblieben in der strategischen “Neuausrichtung”. Die größte Überraschung war, dass die Deutsche Bank nun selbst eine Art Bad Bank gründet mit der Einheit "Non-Core Operations". Eine solche Einheit hat ökonomisch aber zunächst einmal keinen Vorteil gegenüber dem Belassen der jeweiligen Geschäfte in ihren bisherigen Einheiten.

Die Bank selbst veröffentlichte folgende Dokumente

Hier eine Presseschau zu den Ergebnissen.

Previous post:

Next post: