Beitrag #4.000: Ein Update meiner Blog-Philosophie

by Dirk Elsner on 14. September 2012

Wenn mein Blogsystem richtig gezählt habe, ist dies der 4.000 Eintrag, der in diesem Blog erscheint. Viertausend Einträge sind schon mal eine Zahl, wo man innehalten darf. Dabei sind längst nicht alle Einträge von mir, sondern auch ungezählte Gastbeiträge. Mitgezählt sind außerdem automatisch generierte Newsseiten, die eine Zeit über ein Plugin aus meinen Tweets erzeugt wurden, und die zahllosen Videos und Dilbert-Einbettungen. Aber ich will hier nicht unnützen Statistiken langweilen.

Nach der Preisverleihung zum Finanzblog Award 2012 wurde ich mehrfach befragt, was denn eigentlich meine Blogphilosophie sei. Ich habe diese zwar in Kurzform im Impressum dargestellt, hatte zum Anlasse des Eintrags Nr. 4.000 Lust, diese aufzufrischen. Es kann ja nichts schaden, diese von Zeit zu Zeit einmal zu reflektieren und zu überdenken.

Dieses private Blogprojekt besteht seit August 2008. Motivation war und ist

  1. die Lust am Schreiben zu Themen, die mich interessieren,
  2. die Zusammenstellung von Informationen aus verschiedensten Quellen zu mich interessierenden Themenblöcken (also sozusagen so eine Art öffentliches Privatarchiv),
  3. das (zuweilen spielerische) Experimentieren mit neuen und alten Medien und Techniken und vor allem
  4. die Lust an der Debatte und den Austausch mit Menschen, die sich für ähnliche Themen interessieren.

Hilfreich gerade für 1. sind meine Erfahrungen aus der Bank- und Wirtschaftspraxis sowie aus dem Führungsalltag. Der Untertitel Notizen über Wirtschaft, Finanzen, Management und mehr ist dabei bewusst gewählt. Ich bin weder Journalist (und habe nicht den Anspruch, journalistisch zu schreiben) noch Wissenschaftler trotz akademischer Ausbildung. Meine Beiträge vermischen sehr stark Sachinformation und Meinungen. Und bei vielen Beiträgen lerne ich selbst dazu. Wer glaubt, etwas vollständig zu verstehen, hört auf, etwas zu lernen. Bloggen hilft auch dem Wirtschaftspraktiker sein Wissen zu erweitern aber auch die Begrenztheit des eigenen Wissens durch die Rückmeldungen ständig zu erfahren.

Ich will niemanden mit diesem Blog belehren oder gar bekehren zu meinen Positionen. Ich helfe gern, Hintergründe gerade zu Themen aus dem Finanzbereich zu vermitteln und freue mich, wenn jemand mit den Inhalten etwas anfangen kann. Aber es tut mir leid, ich bin kein Erklärbär, der mit jedem Beitrag ein längeres Hintergrundstück liefert oder sie so verfasst, dass ihn jede Zielgruppe versteht. Ich gehe davon aus, dass sich die Leser hier für wirtschaftliche Zusammenhänge interessieren und im Zweifel selbst den Links zu vertiefenden und erklärenden Informationen folgen.

Ich folge damit der üblichen Blogphilosophie, insbesondere auch die der angelsächsischen Blogs, die nicht Ersatz für populäre Medien sein wollen, sondern die allgemeinen Medieninformationen ergänzen, vertiefen, kritisch beleuchten oder neue Aspekte ins Spiel bringen.

Ich bemühe mich zwar um Objektivität, aber wirklich frei von Interessen ist mein Blog natürlich nicht. Auch ich habe nur ein begrenztes und beschränktes Wissen der (Wirtschafts-)Welt (wer das Gegenteil behauptet, dem misstraue ich grundsätzlich). Ich habe als Ankerpunkt eine bestimmte ökonomische Philosophie, die ich in den “Grundlagen meiner ökonomischen Denke” offen lege und gern auch durch Anregungen hier weiter entwickele.

Ein Schwerpunkt dieses Blogs sind ausgewählte Entwicklungen im Finanzsektor in allen möglichen Facetten. Dabei hilft mir, dass ich mittlerweile als Unternehmensberater sowohl für Banken als auch für mittelständische Unternehmen aktiv bin und so beide Seiten kenne. In vielen Beiträgen kritisiere ich die Kommunikations- und Geschäftspolitik im Finanzsektor. Ich habe aber keine Lust am Banking-Bashing. Ich wünsche mir aber, dass Mitarbeiter und Führungskräfte aus dem klassischen Finanzsektor stärker ihre Vorbehalte gegenüber den neuen Medien ablegen, noch mehr den Dialog auch über Social Media suchen und sich so in die öffentliche Debatte um ihren Wirtschaftsbereich einmischen und Positionen beziehen. Diese Debatte findet nämlich statt, meist nur ohne Vertreter aus dem Finanzsektor, die dann in ihren vertrauten Zirkeln ihr öffentliches Bild bejammern.

Ich sehe Blogs nicht als Konkurrenz zu etablierten Medien. Es wäre gerade zu vermessen mit dem geringen Zeitaufwand und Budget gegen Wirtschaftsklassiker wie Handelsblatt, FTD, Wall Street Journal oder FAZ antreten zu wollen. Blogs haben dort ihre Berechtigung, wo es gilt ein tieferes Bild von Ereignissen und Sachverhalten zu vermitteln. Ich vergleiche dies gern mit meinem wegen des Bloggens aufgegebenem Hobby, dem Fotografieren. Es gibt unzählige Möglichkeiten, ein bestimmtes Motiv abzubilden. Das beginnt bei den Lichtverhältnissen, der Aufnahmeposition, der Wahl der Ausrüstung, den Belichtungseinstellungen, dem Filmmaterial usw. Und nach der Belichtung geht es weiter über das Beschneiden des Fotos und dem Postprocessing. Am Ende steht eine Abbildung von einer Realität, die so ist, wie der Fotograf sie darstellen will. Kein Foto bildet aber die Realität so ab, wie sie wirklich ist. Der Fotograf trifft eine bewusste und häufig eine unbewusste Auswahl.

Etwa so ist das mit Berichten aus der Wirtschaftswelt. Traditionelle Medien präsentieren uns das, was sie für relevant halten. Objektiv ist das nie und kann es nicht sein. Während die klassischen Medien letztlich auf etwas zoomen, was ihrer Meinung den Kern dessen trifft, was die Leser konsumieren wollen, versuchen Blogs die gleichen Sachverhalte anders zu belichten, einen anderen Aufnahmestandpunkt oder eine andere Tiefenschärfe zu wählen. Genau das macht es so spannend und interessant.

Mit dem Start dieses Blogs eskalierte die schon lange brodelnde Finanz- und Wirtschaftskrise, die sich in Europa zu einer Schuldenkrise fortgesetzt hat. Themen gab es in den letzten Jahren also genug. Es ist nicht zu befürchten, dass sich das in absehbarer Zeit ändert.

Nachtrag vom 23.10.2014

Ich habe mittlerweile eine eigene Unterseite „Meine Blogphilosophie“ eingerichtet. Sie basiert auf diesem Beitrag und wird ständig weiterentwickelt.

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