Schwarzer Freitag: Bye Bye Financial Times Deutschland

by Dirk Elsner on 7. Dezember 2012

Heute erscheint die Financial Times Deutschland (FTD) das letzte Mal. Auf der Webseite hat die Redaktion sich gestern bereits ausführlich verabschiedet. Mit sehr gemischten Gefühlen werde ich die letzte Ausgabe heute kaufen und sie neben die Erstausgabe legen.

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Titelseite der Webseite gestern Abend

Für den Wirtschaftsjournalismus ist dies ein schwarzer Tag. Und natürlich ist das auch für uns Wirtschaftsblogs ein schlechter Tag. Wenn wir Wirtschaftsthemen aufgreifen, kommentieren, analysieren oder kritisieren, dann können wir nur ganz selten selbst vor Ort recherchieren. Die meisten Wirtschaftsblogger stecken wie ich irgendwo im Berufsleben fest und sind für die Recherche auf gute Quellen angewiesen. Und zu diesen guten Quellen gehörte bis heute die Financial Times Deutschland.

Das erste Mal hatte ich kurz nach dem Start dieses Blogs in dem Beitrag “Schwächelt die Wirtschaftsschwäche in dieser Woche?” auf die FTD verlinkt. Über 2850 Mal findet Google FTD auf meinen Blogseiten. Diese Zahl wird jetzt eingefroren. Noch schwärzer wird es, wenn der Verlag die Webseite vom Netz nimmt und damit alle je verlinkten Quellen und Beiträge ausgelöscht würden. Ich kann nur hoffen, dass dies nicht passiert und uns das Archiv in welcher Form auch immer wenigstens erhalten bleibt.

Die FTD hat dem Wirtschaftsjournalismus in Deutschland gut getan und ihn aufgefrischt. Das Blatt hat den Konkurrenten von FAZ, Handelsblatt, Süddeutscher und anderen Verlagen eingeheizt und sie sicher auch verbessert. Am Ende hat es aber doch nicht gereicht. Das ist bedauerlich.

Mein Lieblingszitat aus der FTD stammt von Horst von Buttlar und lautet: “Wo ist hier eine coole Sau, die begeistert!”. Das bezog sich auf die Krise der “Wirtschaftselite”. Zu meinen Lieblingsautoren gehörte André Kühnlenz. Er scheute sich nicht für gute Argumente in die fachliche Tiefe zu gehen und, was heute mindestens genau so wichtig ist, einen glaubhaften Dialog mit den Lesern auf Augenhöre zu führen.

Ich werde die Comic-Serie Alex  vermissen, die vielleicht weniger unrealistisch war, als viele das glauben.

Ich gehörte zu den Abonnenten der ersten Stunde. In meinem Buchregal thront die im Geschenkkarton verpackte Erstausgabe der FTD über meinen Wirtschaftsbüchern. Diesen Platz wird sie behalten.

Immerhin bleibt vorerst das FTD Wirtschaftswunder erhalten  und weiter aktualisiert, wie Thomas Fricke gestern ankündigte.

 


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