Warum sind so viele Investmentfonds so schlecht? (Teil 2): Indirekte Kosten und Fazit

by Karl-Heinz Thielmann on 6. Dezember 2012

Gastbeitrag von Karl-Heinz Thielmann*

Im ersten Teil ging es neben der Einführung um die direkten Kosten für Investmentfonds. Der zweite Teil knüpft direkt daran an.

Indirekte Kosten bei Investmentfonds

Indirekte Kosten sind Belastungsfaktoren für die Wertentwicklung, die sich durch das Marktumfeld oder das Handeln des Fonds bzw. der Anleger ergeben.

Hierzu zählen zum einen die indirekten Handelskosten, die sich aus dem Unterschied zwischen An- und Verkaufskur­sen (Geld Brief Spanne bzw. Bid Ask Spread) bei Wertpapierhändlern ergeben. Diese sind aller­dings je nach Liquidität des Wertpapiers sehr unterschiedlich. Dennoch dürfte ihre Bedeutung inzwischen genauso hoch sein wie diejenige der offen ausgewiesenen Transaktionskosten. Bei kleinen und illiquiden Ak­tien dürfte diese Handelsspanne sogar wichtiger sein. Eine Studie des amerikanischen Professors Richard B. Evans (http://www.darden.virginia.edu/web/Faculty-Research/Directory/Full-time/Richard-B-Evans/) schätzt in den USA die Kostenbelastung durch Handelspannen mit ca. 0,13% je Transaktion als ungefähr genau so hoch ein wie die Belastung durch direkte Transaktionskosten. In Europa dürfte die Zahl etwas höher sein.

Eine weitere Art von indirekten Kosten ist der sogenannte Market Impact. Größere Fonds verändern mit ihren Orders die Angebots-/Nachfragerelationen an den Märkten. Wissen Wertpapierhändler, dass ein großer Fonds auf der Käuferseite ist, erhöhen sie ihre Preise. Das Umgekehrte geschieht bei Verkäufen.

Bei sehr kleinen Werten lässt sich der Market Impact auch durch die Fondsmanager für die Manipulation von Kursen nutzen. In der Vergangenheit gab es einige Beispiele von Small Cap Fonds, die ihrer Performance durch Beeinflussung von Kursen nachgeholfen haben. Diese Manipulationen funktionieren meist aber nur kurzfristig und haben i.d.R. fatale Folgen für die langfristige Performance.

Das Problem des Market Impact hat sich in den vergangenen Jahren durch autonome Handelsprogramme von High Frequency Tradern verschärft. Inzwischen gibt es Algorithmen, die systematisch die Aktienmärkte nach Auffälligkeiten durchsuchen, die sich aus großen Orders ergeben. Diese Algorithmen setzen sich auf einen durch eine Order erzeugten kurzfristigen Trend drauf und verstärken dann den Market Impact. Die Belohnung für den Algorithmus besteht in einer Abschöpfung der erhöhten indirekten Handelskosten, geschädigt wird der Fondsanleger.

Der bereits erwähnte Richard B. Evans hat für den Market Impact eine Größenordnung von durchschnittlich 0,49% je Transaktion ermittelt. Auch hier ist in Europa tendenziell von einem etwas höheren Wert auszuge­hen. Der Market Impact wäre nach den Ergebnissen von Prof. Evans ungefähr doppelt so wichtig wie ausgewie­sene Transaktionskosten und Handelsspanne zusammengenommen.

Weitere indirekte Kosten sind diejenigen Belastungen, die sich durch die mittelbaren Auswirkungen von Mittelbewe­gungen auf die Fondsperformance ergeben. Das Problem hierbei ist, das Anleger mit ihren Aktio­nen Kosten verursachen, die aber nicht von ihnen allein getragen werden, sondern mit einer gewissen Verzöge­rung von der Gesamtheit der Anteilsbesitzer.

Diese Kosten ergeben sich aus der Tatsache, dass Fondspreise unabhängig davon ermittelt werden, zu wel­chem Zeitpunkt und zu welchen Kosten angelegte Mittel investiert werden bzw. für abgezogene Mittel Liquidi­tät geschaffen wird.

Der Wert eines Anteils ergibt sich aus dem Gesamtvermögenswert zum Bewertungszeitpunkt geteilt durch die Summe aller Anteile. Die Zahlen zu Käufen und Rückgaben von Fondsanteilen werden täglich gesammelt und dann an den Fondsmanager weitergegeben. Dies dauert einige Stunden bis zu einem Tag. Erwirbt ein Anleger neue Anteile, so kann der Fondsmanager das neue Geld erst mit einer gewissen Verzögerung anlegen. Ge­nauso kann er die Liquidität für Rückzahlungen erst mit Verzögerung schaffen, wenn der Anleger seine Anteile zurückgibt.

Da sich Anleger oftmals prozyklisch verhalten, d. h. in steigende Kurse kaufen und in fallende Kurse verkau­fen, hat der Fondsmanager i.d.R. das Problem, dass er die Kundenorders zu ungünstigeren als den Bewertungskur­sen ausführen muss. Hinzu kommen dann noch die direkten und indirekten Transaktionskos­ten.

Steigt ein Anleger neu bei einem Fonds ein, werden die Kosten seines Einstiegs auf alle Anteilsinhaber des Fonds verteilt. Je früher ein Anleger sich also bei einem Fonds engagiert, desto mehr Kosten von anderen Investo­ren muss er tragen. Bei Zuflüssen macht dieser Effekt normalerweise neu aufgelegten Fonds stark zu schaffen. Er kann sich auch gravierend auswirken, wenn bei steigenden Märkten starke Mittelzuflüsse kom­men.

Ich selbst habe aus meiner beruflichen Praxis ein Beispiel dokumentiert, bei dem ein populärer Publikums­fonds im Laufe eines Jahres bei steigenden Kursen starke Mittelzuflüsse hatte. Im Vergleich mit einem iden­tisch strukturierten Spezialfonds, der keinerlei Mittelbewegungen verzeichnete, wies er am Jahresende eine um 11,5% schlechtere Wertentwicklung aus. Insbesondere in den Monaten mit starken Mittelzuflüssen wei­tete sich die Performancedivergenz stark aus. Nur ca. 10% des Performanceunterschiedes ließen sich durch die abweichende Belastung mit Verwaltungskosten erklären. Ungefähr 90 % der Abweichung sind auf Transaktions­kosten und indirekte Kosten zurückzuführen. Leider lassen sich die einzelnen Faktoren analytisch nicht weiter genau aufgliedern. Allerdings ist zu vermuten, dass die Hauptursache für den Performanceunter­schied war, dass in einen steigenden Markt hinein gekauft wurde, d. h. der Fondsmanager fast immer zu höhe­ren Kursen investieren musste, als vorher die Fondsanteile verkauft wurden. Da vorwiegend relativ li­quide Aktien gehan­delt wurden, spielten die erhöhten Transaktionskosten und der Market Impact wahrschein­lich nur eine Neben­rolle.

Noch gravierender kann sich dieser Effekt bei Abflüssen auswirken, speziell bei umfangreichen. Da bei Rückga­ben die Bewertung und Rückzahlung der zurückgegebenen Fondsanteile zuerst erfolgt, die Wertpapierver­käufe aus dem Fonds aber erst später vorgenommen und verbucht werden, tragen die Kosten voll die im Fonds verbliebenen Anleger. Ihre Performance verschlechtert sich, während der Fondsverkäufer als Verursa­cher nicht belastet wird. Dieser Effekt ist umso höher, je größer die Abflüsse sind. Hohe Mittelabflüsse können einen Teufelskreis für Fonds verursachen: Sie beeinflussen die Performance negativ, was wiederum mehr Anleger zum Abspringen bringt. Wenn die Abflüsse in Relation zum Fondsvolumen immer größer werden, wird dann auch das Performanceproblem immer größer.

Die hohen indirekten Kosten durch Mittelzuflüsse und -abflüsse dürften die Hauptursache dafür sein, dass viele erfolgreiche Fonds nach mehreren Jahren Performanceprobleme bekommen. Wenn kurzfristig orien­tierte Anleger anfangen, ihr Geld abzuziehen, fallen diese Fonds immer weiter zurück. Darüber hinaus werden Fonds mit hohen Zuflüssen irgendwann einmal zu groß und unflexibel. Performancerelevante Transaktionen erreichen dann ein Volumen, mit dem der Kurs der gehandelten Aktien deutlich beeinflusst wird. Der Erfolg der Vergangenheit wird dann für diese Fonds zum Fluch: Zuerst erodieren die massiven Mittelzuflüsse die Basis des Erfolgs, die später folgenden Mittelabflüsse zerstören die Performance dann endgültig.

Diese Entwicklung hat insbesondere mit der Tendenz vieler Investoren zu tun, Fonds zu bevorzugen, die in der jüngsten Vergangenheit überdurchschnittlich waren. Dieses Verhalten wird durch das Marketing der Finanzver­triebe, aber auch durch die Performanceanalysen von Investmentconsultants verstärkt, die vergan­gene Performance als Indikator für zukünftige Performance herausstellen. Grundsätzlich ist die Überlegung richtig und hat sich in vielen Bereichen des Lebens bewährt, lieber auf die Gewinner zu setzen. Bei Fonds ist aber das Problem, das Investor und Fondsmanager interaktiv sind: Belohnen Investoren eine gute Perfor­mance mit Mittelzuflüssen, verschlechtern sie gleichzeitig die Voraussetzungen für die Fortsetzung der überdurch­schnittlichen Wertentwicklung. Ungeduldige Anleger können mit ihren Mittelabflüssen die Perfor­mance signifikant beschädigen. Je größer die Summen sind, die in Relation zum Fondsvolumen bewegt wer­den, um so geringer sind die Aussichten für den Manager, seine guten Zahlen zu halten.

Empirische Studien aus den USA und Großbritannien zeigen für die Zeit vor 2000, dass hier tatsächlich ein Zusammenhang zwischen vergangener und zukünftiger Performance gegeben war. Dieser Zusammenhang scheint jedoch inzwischen verloren gegangen. Unserer Vermutung nach – leider sind hierzu keine Zahlen öffent­lich zugänglich, die unsere These belegen oder widerlegen könnten – liegt dies am wachsenden Einfluss der Dachfonds und Investmentfondsvermögensverwaltungen, die ihr Anlagekapital immer schneller zwischen den einzelnen Fonds hin und her schieben und damit gewaltige indirekte Kosten induzieren.

Sie sollen eigentlich Kleinanlegern die Vorteile eines auf die jeweilige Risikoklasse zugeschnittenen professionel­len Anlagemanagements ermöglichen. Empirisch gesehen lässt sich allerdings nicht belegen, dass der durchschnittliche Dachfonds oder Investmentfondsvermögensverwalter einen Zusatznutzen zu einem ähnlich strukturieren Mischfonds erzielt. Im Gegenteil sind diese Dachfonds i.d.R. etwas schlechter, und die Performancedifferenz entspricht in etwa den zusätzlichen Kosten durch das Dachfondsmanagement bzw. den Vermögensverwalter.

Allerdings schichten Dachfonds und Vermögensverwaltungen mit Investmentfonds ihre Fondsanteile sehr viel häufiger um als normale Privatanleger. Weiterhin bewegen sie sehr viel größere Summen. Ihre Aktionen wer­den dem Fondsmanagement oftmals nicht rechtzeitig oder manchmal auch überhaupt nicht angekündigt, sodass eine kostengünstige Implementierung mittels Programmhandel oft nicht möglich ist. Dies macht die Steuerung der Liquidität durch den Fondsmanager unkontrollierbar.

Mir selbst ist aus meiner beruflichen Praxis ein Beispiel bekannt, bei dem eine Vermögensverwaltung mit Invest­mentfonds ca. 70% des Volumens eines Schwellenländer-Fonds an einem Tag abzog. Der Abzug wurde zwar vorher angekündigt, allerdings war das Timing extrem unglücklich, weil ein Tag mit sehr nervösen Märk­ten gewählt wurde, an dem die Kurse stark ins Rutschen kamen und die Verkäufe einen deutlichen Market Impact hatten. Der Fondsmanager war gezwungen, in fallende Märkte zu verkaufen und konnte nur deutlich niedrigere Kurse erzielen, als der Rückgabepreis implizierte. Die Performance brach an diesem Tag sowohl absolut wie auch relativ zum Vergleichsindex ein. Die Kosten der Rückgabe wurden voll auf die verbliebenen Investoren verteilt. Der Track Record des Fondsmanagers wurde ohne seine Schuld auf Jahre hinaus ruiniert.

Gerade für Dachfondsmanager besteht ein hoher Anreiz zu überflüssigen Transaktionen. Wenn sie eine ein­mal gefundene langfristig angemessene Struktur mit Fonds umsetzen, sind sie da­nach eigentlich überflüssig. Um ihre Existenz gegenüber ihrem Arbeitgeber zu rechtfertigen, sind sie daher gezwungen, sich permanent neue Umschichtungsgründe als Rechtfertigung für ihren Arbeitsplatz auszuden­ken.

Auch der zunehmende Verzicht auf Ausgabeaufschläge hat in Hinblick auf die Mittelbewegungen eine unange­nehme Nebenwirkung gehabt: Fonds erfreuen sich steigender Beliebtheit bei kurzfristigen Investoren. Kauft ein Trader beispielsweise eine Aktie und verkauft sie wieder drei Tage später, so hat dies keine Konsequen­zen für die gehandelte Aktie. Wird hingegen ein Fonds gehandelt, so ist der Fondsmanager gezwun­gen zu agieren: Er muss erst kaufen und dann drei Tage später wieder verkaufen. Die direkten und indirekten Kosten aus die­sen Transaktionen werden wie gehabt auf das Fondsvermögen aufgeteilt, die Gesamtper­formance geschädigt. Diese Schäden durch Trading sind jeder für sich kaum wahrnehmbar, können sich aber aufsummieren, insbeson­dere wenn größere Volumen betroffen sind.

Mir ist sogar ein Fall bekannt, bei dem der Eigenhandel einer kleineren Privat-Bank die Fonds des eigenen Hauses für Spekulationsgeschäfte genutzt hat. Hierbei wurde auch noch der Effekt ausgenutzt, dass die offiziel­len Bewertungskurse des Fonds (z. B. für US-Aktien) manche Marktbewegungen verzögert reflektierten, sodass der Händler quasi zu garantierten Vortageskursen einkaufen konnte. Auf Kosten der Fondsvermögen der eigenen Kunden wurden so relativ risikofrei Eigenhandelsgewinne erzielt.

Bei börsengehandelten Indexfonds hat man das Problem indirekter Kosten durch Mittelbewegungen entschärft, indem zwischen Anleger und Fondsgesellschaft ein Market Maker dazwischengeschaltet wurde, der Fonds in großen Blöcken von der Investmentgesellschaft erwirbt. Damit kann die Fondsgesellschaft ihre Mittelbewegun­gen über Handelsprogramme umsetzen. Der Market Maker kauft und verkauft die Fonds dann an die Anleger in kleineren Stückzahlen, sein Abnahmerisiko wird über Derivatgeschäfte abgesichert.

Fazit:

Ein Fondsmanager, der heutzutage antritt, um seinen Marktindex zu schlagen, gleicht einem Marathonläufer, dem noch zusätzliche Bleigewichte angehängt werden. Dazu wird von ihm erwartet, dass er nicht nur am Ende vorne liegt, sondern auch noch jeden Abschnitt für sich entscheidet. Wenn er es schafft, eine Teilstrecke zu gewinnen, bekommt er noch zusätzliche Gewichte angehängt; wenn er stark zurückfällt, ebenfalls. Wenn sich für die Gesamtheit der Fonds dann hieraus eine Tendenz zur Mäßigkeit ergibt, sollte dies eigentlich nieman­den wundern.

Die sichtbaren fixen Kosten dürften im Moment bei europäischen Aktienfonds im Durchschnitt ca. 2% p.a. betragen. Hinzu kommen noch Transaktionskosten durch Gebühren, Handelsspanne und Market Impact in Höhe von ca. 1,5% p.a. Die impliziten Kosten aufgrund von Mittelbewegungen variieren stark von Fonds zu Fonds. Als Faustregel kann man aber sagen: Je erfolgreicher ein Fonds in der Vergangenheit war, um so ausgepräg­ter sind die Mittelbewegungen und umso stärker ist er belastet. Zuverlässige Schätzungen oder Messungen liegen uns nicht vor. Nach Gesprächen mit Insidern der Fondsindus­trie gehen wir allerdings davon aus, dass diese Kosten derzeit im Normalfall 0,5% bis 2% p.a. ausmachen. Sie können bei populären Fonds wie in dem im Text erwähnten Beispiel aber noch sehr viel höher liegen.

Insofern muss der durchschnittliche Fondsmanager jedes Jahr mindestens ca. 4% seines Fondsvolumens an Kosten aufho­len, praktisch eine unmögliche Aufgabe. Wenn wir eine durchschnittliche Underperformance von 2% p.a. bekom­men, heißt dies effektiv, dass die Fondsmanager durch ihre Leistung vor Abzug der Kosten noch mindestens ca. 2% Outperformance gerettet haben.

Entgegen einem weitverbreiteten Vorurteil schaffen Fondsmanager es also, Mehrwert für ihre Kunden zu schaf­fen. Dieser reicht aber nicht aus, um die Kostenbelastung aufzuholen. Eine Performanceverbesse­rung für die Industrie ist nur möglich, wenn Banken und Fondsgesellschaften ihre Publikumsfonds nicht mehr als Melkma­schinen für Kundenvermögen ansehen. Die Ausgestaltung vieler Performancefees in den vergange­nen Jahren lässt dieses Verständnis allerdings nicht erkennen, ganz im Gegenteil. Performancefees sind ein gutes Beispiel dafür, wie eine an sich gute Idee durch ihre praktische Ausgestaltung negativ wirkt. Ein weiteres Bei­spiel für die kontraproduktive Umsetzung einer an sich guten Idee sind Dachfonds und Vermögensverwaltun­gen mit Investmentfonds. An sich ist nichts dagegen zu sagen, Kleinanlegern ein Finanzinstru­ment anzubieten, bei dem ihnen die konkrete Anlageentscheidung zur Diversifikation ihrer Invest­ments abgenommen wird. Allerdings haben sich viele Dachfonds und Vermögensverwaltungen mit Investment­fonds bei der Performance traditionellen Mischfonds unterlegen gezeigt. Sie tendieren zu überflüssigen Umschich­tungen, mit denen sie sowohl die eigene Performance ruinieren wie auch überflüssige Kosten für die Fonds induzieren, in denen sie anlegen.

Das grundsätzliche Problem, dass die Kosten von Zu- und Abflüssen andere Anleger belasten als diejenigen, die sie verursachen, ließe sich lösen, indem man zur Abdeckung der Handelskosten für Ein- und Ausstieg eine Gebühr verlangen würde, die dem Fondsvermögen gutgeschrieben wird. Dies würde aber eine Kulturrevolu­tion bei Vertriebsorganisationen und Investmentfirmen voraussetzen, für die es derzeit völlig undenkbar ist, anfallende Gebühren nicht selbst einzusacken.

Wesentlich entschärft werden könnte das Problem der indirekten Kosten, wenn beim Fondsvertrieb grundsätz­lich ein Market Maker eingeschaltet wird, der die Fonds zu vorab vereinbarten Volumen und Zeitpunk­ten von der Fondsgesellschaft kauft oder an diese zurückgibt. Dies würde dem Fondsmanager erlau­ben, bei Mittelbewegungen den Bewertungszeitpunkt und die Wertpapiertransaktionen besser zu synchronisie­ren. Zudem könnte der kostensparende Programmhandel öfters eingesetzt werden. Bei börsengehan­delten Indexfonds ist diese Vorgehensweise üblich, bei aktiv gemanagten Publikumsfonds die Ausnahme. Dies liegt in den Interessen der traditionellen Fondsvertriebe begründet. Die Zwischenschaltung eines Market Makers und der Verkauf über die Börse würde sie schlicht und einfach überflüssig machen.

Weiterhin wäre grundsätzlich ein transparenterer Umgang mit dem Thema Kosten wünschenswert. Hierzu würde zuallererst gehören, dass man die Gesamtkostenquote umbenennt in Fixkostenquote und ver­sucht, die übrigen Kosten besser aufzubereiten. Allerdings ist in Deutschland inzwischen der von uns bemän­gelte Ge­brauch des Wortes Gesamtkostenquote in § 41 Investmentgesetz rechtlich vorgeschrieben, was eine umfas­sende Kostendarstellung nicht einfacher macht.

Man könnte alle Kosten sichtbar machen, wenn man Fondsmanager dazu verpflich­tet, parallel zum tatsächli­chen Portfolio ein virtuelles Portfolio zu führen. Dieses enthält alle Umschichtungen, aber keine Mittelbewegun­gen. Umschichtungen werden zu den Kursen erfasst, zu denen auch die tägliche Fondsbewer­tung stattfindet, Transaktionskosten aber nicht eingeschlossen. Die Wertentwicklung dieses virtuel­len Portfo­lios (incl. Dividenden, Bezugsrechterlöse, etc.) muss von einem Wirtschaftsprüfer testiert werden, um Manipulatio­nen entgegenzuwirken. Am Ende eines Jahres könnte man aus der Performanceabweichung von realem und virtuellem Portfolio die tatsächliche Kostenbelastung ablesen. Die indirekten Kosten ließen sich dann relativ einfach durch Abzug der fixen Kosten sowie der Transaktionskosten von den Gesamtaufwendun­gen ermitteln. Darüber hinaus würde das virtuelle Portfolio eine bessere Beurteilung der Leistung des Fondsmana­gers ermöglichen.

Die Frage ist allerdings, inwieweit die Investmentindustrie tatsächlich selbst an größerer Transparenz interes­siert ist. Wenn alljährlich „unfähige“ Fondsmanager als Sündenböcke für eine schlechte Fondsperformance vorgeschoben werden können, lenkt dies natürlich auch von den eigentlichen Gründen für eine enttäu­schende Wertentwicklung ab. An der Unfähigkeit von Fondsmanagern ist wenig zu ändern. Kritischen Kunden könnte aber auffallen, dass sich einige der tatsächlichen Gründe für eine schlechte Fondsperformance relativ einfach abstellen lassen würden.

 

Wie soll sich nun der Anleger verhalten?

Wenn Anleger an den Erwerb eines Fonds denken, sollten sie versuchen, möglichst viele Informationen über die Kostenbelastung ermittlen. Die Angabe der Gesamtkostenquote ist inzwischen gesetzlich vorgeschrieben, sagt aber für sich allein noch wenig aus. Viele Anbieter geben inzwischen auch in ihren Jahresberich­ten eine Zahl zu den Transaktionskosten an, wobei diese Zahl i.d.R. nur die direkt ausgewiesenen Handelsgebüh­ren enthält und keine impliziten Spesen bei Nettokursen. Dennoch kann sie eine nützliche Indika­tion für Kostenbelastung liefern. Nach den Ergebnissen von Prof. Evans muss man realistischerweise davon ausgehen, dass die Gesamtbelastung aus Transaktionskosten, Handelsspanne und Market Impact unge­fähr dem 5-6fachen der ausgewiesenen Transaktionsspesen entspricht. Die indirekten Kosten aus Zu- und Abflüssen lassen sich aus öffentlich zugänglichen Informationsquellen weder ableiten noch prognostizieren. Hier kann der Anleger nur hoffen, dass sein Fonds möglichst lange von starken Mittelbewegungen verschont wird. Wenn er merkt, dass der Fonds immer öfter auf Empfehlungslisten von Banken, Consultants oder der Presse auftaucht, sollte er ihn lieber in ein weniger populäres Produkt tauschen.

Des weiteren sollten Anleger von Fonds mit Performancefees Abstand nehmen, es sei denn, sie wollen meh­rere Abende damit verbringen, das Kleingedruckte in Fondsprospekten genau zu analysieren.

Indexfonds liefern eine indexnahe Wertentwicklung. Anleger sollten sich aber klar sein, dass es auch bei ihnen zu einer Kostenbelastung kommt, die bis zu 0,5% – 0,7% p.a. betragen kann. Damit ist man aber immer noch besser bedient als mit einer regelmäßigen Underperformance von ca. 2% p.a. beim durchschnittlichen Aktien­fonds. Wenn man in ein bestimmtes Thema oder eine spezifische Anlageklasse investieren will und nicht in einen bestimmten Fondsmanager oder spezifischen Investmentstil, ist man mit einem Indexfonds fast immer besser bedient. Indexfonds sind durch die Zwischenschaltung eines Market Makers zudem vor den negativen Auswirkungen indirekter Kosten viel besser geschützt als populäre Publikumsfonds.

Dachfonds oder Investmentfondsvermögensverwaltungen richten überwiegend mehr Schaden an, als dass sie dem Anleger nützen. Die wenigen guten erkennt man daran, dass sie nur sehr wenig umschichten. Nicht nur für Kleinanleger sind zudem traditionelle Mischfonds wie der Jyske Stable Strategy oder der Kapital Plus-Fonds A von Allianz Global Investors eine gute Alternative. Wir stellen beide Fonds in unserer Rubrik „Invest­ment­fonds für Langfristanleger“ ausführlicher vor.

Anleger sollten weiterhin Fonds vermeiden, die in den Medien und der Werbung, aber auch von Investmentconsul­tants besonders herausgestellt werden. Bei ihnen ist die Gefahr am größten, dass sie „hei­ßes Geld“ anziehen, sodass bei Mittelabflüssen die Performance wieder kollabiert. Paradoxerweise sind ge­rade die für einen mehrjährigen Zeitraum herausragenden Produkte besonders gefährdet.

Grundsätzlich sollten Anleger – wenn möglich – ihren Fonds an der Börse bei einem Market Maker kaufen oder verkaufen und nicht über die traditionellen Fondsvertriebe. Erstens spart dies i.d.R. direkte Transaktionskos­ten und zweitens schafft man es so, die indirekte Kostenbelastung für den Fonds möglichst gering zu halten.

 


Erstveröffentlichung: Mit ruhiger Hand, 1. 10. 2012

* Kurzporträt des Autors

Die Analyse wurde verfasst von Karl-Heinz Thielmann. Er ist seit 12 Jahren unabhängiger Berater für Unternehmen, Vermögensverwaltungen und Privatpersonen in Kapitalmarktfragen. Darüber hi­naus ist er Dozent für globale Volkswirtschaftslehre an der Karlshochschule International University in Karlsruhe. Davor war er 4 Jahre als Analyst für europäische Aktienmärkte beim Dresdner Bank Investment Research sowie 7 Jahre als Fondsmanager beim Deutschen Investment Trust DIT (heute: Allianz Global Investors) tätig.

Während seiner Zeit als Fondsmanager beim DIT hat Karl-Heinz Thielmann an der Konzeption vieler Produkte mitgewirkt und zahlreiche Anerkennungen für herausragende Performance bekommen. Darunter waren mehrere Standard & Poor’s Micropal Awards sowie Auszeichnungen als Finanzen Fondsmanager des Jahres. Auch in den Jahren als unabhängiger Berater konnte er nachweisbar sei­ner Kunden überwiegend zu einem weit überdurchschnittlichen Anlageergebnis verhelfen.

Die LONG-TERM INVESTING Research AG – Institut für die langfristige Kapitalanlage ist eine Ana­lyse- und Beratungsgesellschaft, die speziell auf die Bedürfnisse langfristiger Anleger ausgerichtet ist. Sie ist völlig unabhängig von Finanzinstituten und verfolgt keinerlei Vertriebsinteressen für Finanzpro­dukte. Stattdessen wird auf objektive Analyse gesetzt, wobei auch auf neuste Ergebnisse der wissenschaftlichen Forschung über Kapitalmärkte zurückgegriffen wird.

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